Willkommen am UKGM: 22 junge Pflegekräfte von den Philippinen werden künftig die Mitarbeiter des Klinikums unterstützen. FOTO: SCHEPP
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Willkommen am UKGM: 22 junge Pflegekräfte von den Philippinen werden künftig die Mitarbeiter des Klinikums unterstützen. FOTO: SCHEPP

Neue Pflegekräfte

Großer Bahnhof für Philippinas am Uniklinikum Gießen

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Im Klinikum nehmen in Kürze 22 Pflegekräfte von den Philippinen ihren Dienst auf. Das ist angesichts des leer gefegten Arbeitsmarktes so etwas wie ein Lottogewinn. Entsprechend euphorisch war die Willkommensfeier.

Erst Ende August stand fest: Die ganze Gruppe geht nach Gießen. Innerhalb von zwei Wochen wurde das Projekt "Philippinische Pflegekräfte für das UKGM" mit Hochdruck realisiert. Gestern war es dann so weit: Für 22 Frauen und Männer, die die vergangenen Monate im Asklepios-Schulungszentrum in Darmstadt verbracht hatten, wurde eine Willkommensfeier organisiert. Welche Bedeutung die Verstärkung für das Klinikum hat, wurde an den hochrangigen Grußrednern deutlich: Christian Höftberger war gekommen; er ist soeben neu in den Vorstand des Rhön-Klinikums berufen worden. Der Regionalgeschäftsführer Hessen der Asklepios Kliniken war bis 2012 kaufmännischer Geschäftsführer des UKGM. "Hier kann man es sehr gut aushalten, das weiß ich aus eigener Erfahrung", rief er den jungen Männern und Frauen zu. Er überbrachte Grüße und Dank des gesamten Vorstandes. Das Projekt sei ein erstes sichtbares Zeichen dafür, dass die Konzerne Rhön und Asklepios partnerschaftlich verbunden seien. Der Asklepios-Konzern hat vor wenigen Wochen Rhön übernommen, was in der Belegschaft große Sorgen verursacht hat.

Die 22 neuen Pflegefachkräfte seien der Anfang einer intensiven Zusammenarbeit im Bereich der Pflege und der Ausbildung, versicherte Höftberger. "Gemeinsam werden wir die Personalsituation am UKGM nachhaltig stärken, die Versorgung der Patienten weiter verbessern und die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter senken". Bis zum Jahresende sollen weitere 60 Pflegekräfte von Asklepios an das Universitätsklinikum Gießen wechseln. Der Fachkräftemangel ist für das UKGM - so wie für alle anderen Krankenhäuser auch - ein großes Problem. Der Markt ist leer gefegt, Werbekampagnen sind kaum von Erfolg gekrönt. Nicht zuletzt machen die staatlich verordneten Personaluntergrenzen, die ab 2021 gelten, den Kliniken zu schaffen, weil sie starre Vorgaben machen und eine flexible und individuelle Personalanpassung erschweren.

Die neuen Pflegefachkräfte haben Erfahrungen in der Intensivpflege, der Neonatologie, der Kardiologie und der Chirurgie. Sie haben in ihrer Heimat einen Bachelor-Studiengang im Gesundheitswesen absolviert und verfügen nun über eine deutsche Urkunde in der Gesundheits- und Krankenpflege, sieben von ihnen haben zudem Erfahrungen in der kardiologischen Intensivmedizin. Im Darmstädter Asklepios-Schulungszentrum haben sich die Philipinos (19 Frauen und drei Männer zwischen 25 und 35 Jahren) auf ihren Einsatz in deutschen Krankenhäusern vorbereitet. Auch einen Sprachkurs auf B-2-Level haben sie hinter sich.

Dennoch wird die Sprache zunächst die größte Hürde sein, vermuten die Kollegen und Arbeitgeber am UKGM. "Sprechen Sie deutsch, wann immer es geht, trauen Sie sich", ermutigte denn auch Christiane Hinck-Kneipp, die kaufmännische Geschäftsführerin des UKGM, die Verstärkung aus Südostasien. Sie versprach ebenso wie Pflegedirektor Lothar Zörb, Manfred Rompf (Geschäftsbereichsleiter Personal) und Andreas Schaub vom Betriebsrat vielfältige Unterstützung. "Wir wünschen uns, dass Sie sich wohlfühlen und gerne bei uns arbeiten".

Astrid Sartorius, die die Auslandsakquise bei Asklepios leitet, hat in den vergangenen drei Jahren gute Erfahrungen mit der Unterstützung der Philippinos gemacht. Auf den Philippinen werde über Bedarf ausgebildet, die Pflege im eigenen Land leide folglich nicht unter dem Wegzug der jungen Fachkräfte. Die meisten der Krankenschwestern und Pfleger wollten langfristig in Deutschland bleiben, sie holten oftmals nach ein- oder zwei Jahren Familienangehörige zu sich nach Deutschland. "Unsere neuen Mitarbeiter sind hochmotiviert". Das bestätigte eine der zukünftigen Krankenschwestern: "Natürlich haben wir alle ein bisschen Angst, aber wir freuen uns sehr".

Hilfe aus dem Ausland

Asklepios akquiriert seit 2017 gezielt auch Pflegepersonal aus dem Ausland, die meisten kommen von den Philippinen, aus Mexiko und aus den Balkanstaaten. Inzwischen sind fast 500 ausländische Pflegekräfte in deutschen Kliniken integriert. Auch der Rhön-Konzern hat ein internationales Fachkräfteprogramm. Damit werden Ärzte unterstützt und so in erster Linie die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sichergestellt.

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