Die Gießener Fußgängerzone im Corona-Advent 2020: Oben gewohnt hui, unten seit Jahrzehnten erstmals ohne Weihnachtsmarkt. Bis in den Januar hinein bleiben die Lichter hängen.	FOTO: SCHEPP
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Auf dem Seltersweg wird nicht nur gebummelt, sondern auch eingekauft. FOTO: SCHEPP

Vor dem Lockdown

Gießen Innenstadt: So lief der Montag vor dem Lockdown im Seltersweg ab

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Wäre die Gießener Fußgängerzone immer so voll wie zu Wochenbeginn, hätte der stationäre Einzelhandel keine Probleme. Jetzt allerdings warnt dieser vor massiven Umsatzverlusten.

  • Der bundesweite Lockdown gilt ab Mittwoch, der Einzelhandel soll vorerst bis Mitte Januar geschlossen bleiben.
  • Auch in Gießen bleiben also nur noch zwei Tage um alle Weihnachtsgeschenke zu besorgen.
  • In der Fußgängerzone rund um den Seltersweg ist mit vermehrtem Andrang zu rechnen.

Gießen (chh). Der bevorstehende Lockdown hat am Montag eine große Menge an Menschen in Gießens Fußgängerzone gelockt. Dem Unternehmen hystreet zufolge, das mit einem im Seltersweg installierten Laser die Besucherströme misst, waren um 12 Uhr knapp 3000 Menschen unterwegs und somit fast doppelt so viele wie an einem durchschnittlichen Montag. Das zeigte sich auch an den Parkhäusern. Vor der Zufahrt zur Galerie Neustädter Tor etwa staute sich der Verkehr. Die Menschen kamen aber nicht nur zum bummeln in die Stadt, sondern auch zum einkaufen. Das belegten die vielen Einkaufstüten in den Händen der Passanten und die Schlangen vor einigen Geschäften.

Seltersweg Gießen: Trotz großen Andrang halten sich Kunden an die Corona-Regeln

Am Sonntag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel einen umfassenden Lockdown verkündet. Dazu gehört auch, dass der Einzelhandel ab Mittwoch bis zum 10. Januar geschlossen wird - mindestens. Somit blieben den Deutschen noch zwei Tage, um sich einzudecken und Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Chaotische Zustände, wie von einigen befürchtet, blieben am Montag in Gießen jedoch aus. Das bestätigt Markus Pfeffer, Geschäftsführer des BID Seltersweg. »Es war sehr voll, aber nicht zu voll. Die Läden waren gut organisiert und die Passanten haben sich an Abstandsregelung und Maskenpflicht gehalten.« Um das Kundenaufkommen zu entzerren, haben einige Geschäfte, darunter Karstadt und Köhler, ihre Öffnungszeiten erweitert, die Läden schlossen am Montag erst um 20 Uhr, auch am heutigen Dienstag soll so verfahren werden. »Wir hätten auch gerne noch länger geöffnet, aber wegen der Ausgangssperre ist das nicht möglich«, sagt Pfeffer.

Lockdown in Gießen: Weihnachtsgeschäft wird fehlen

Auch wenn die Händler noch einmal ein gutes Geschäft machen, wird das die ab Mittwoch einsetzende Flaute nicht auffangen können. »Natürlich ist die Zeit vor Weihnachten mit den vielen Geschenken eminent wichtig«, sagt Pfeffer. Der BID-Vorsitzende betont aber, dass auch die Tage zwischen den Jahren von großer Bedeutung für die Geschäftswelt sei. »Dann werden zum Beispiel die ganzen Geldgeschenke eingelöst. Und auch die Menschen, die etwas umtauschen wollen, sorgen für Frequenz.«

Pfeffer will nicht falsch verstanden werden. Obwohl er das Einkaufen in der Gießener Innenstadt für sicher hält, begrüßt er den Lockdown. »Es geht darum, ein Signal zu senden. Die Leute sollen zu Hause bleiben, damit wir nicht dort enden, wo Italien im Frühjahr schon einmal war.«

Seltersweg Gießen: Vermieter sind umsichtig

Gleichzeitig macht sich der Vorsitzende des BID-Seltersweg keine Illusionen. »Es wird einen krassen Einschnitt geben.« Zumal derzeit völlig unklar sei, wie lange die Geschäfte geschlossen bleiben müssen. »Gerade für die Textilhändler ist das wegen des Saisonwechsels problematisch. Schlimmstenfalls bleiben sie auf ihren vollen Lagern mit Winterkleidung sitzen.«

Pfeffer hofft daher, dass die Vermieter den Geschäftsleuten bei den Mieten entgegenkommen. »Die Hauseigentümer im Seltersweg sind umsichtig und pflegen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.« Der Einzelhandel dürfte darauf hoffen - und gleichzeitig beten, dass Pfeffer mit einer anderen Prognose daneben liegt. Bereits im April sagte der BID-Vorsitzende: »Wenn ein weiterer Lockdown mit dem Weihnachtsgeschäft zusammenfällt, werden das viele Geschäfte nicht überleben.«

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