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Revierförster Ernst-Ludwig Kriep (3. v. l.) und Benjamin Lakowski vom Gartenamt (5. v. l.) stellen sich dem Unmut der Anwohner.

Schädling

Großer Ärger durch kleine Tiere in Gießen

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Der Eichenprozessionsspinner macht sich wieder breit in Gießen. Am Eichendorffring klagen viele Bürger über Hautausschlag und andere Symptome. Haben die Fachämter zu lange nicht reagiert?

Es liegt etwas in der Luft am Freitagmittag unweit des Eichendorffrings. Kaum zu übersehen ist der Ärger der Anwohner, die sich nach und nach in dem Waldstück am Ende des Fasanenwegs versammeln. Seit einigen Wochen leiden viele hier in der Gegend unter juckendem Hautausschlag, manche unter geschwollenen Augen oder Atemproblemen, erzählen sie. Was die Symptome verursacht, sei ihnen lange nicht klar gewesen. Dann kamen sie einem auf den ersten Blick fast unsichtbaren Problem auf die Schliche: Zahlreiche Eichen in dem Wohngebiet und in den Wäldern ringsum sind vom Eichenprozessionsspinner befallen.

Lara Lehnert suchte deshalb seit Montag Kontakt zu den städtischen Ämtern. Ihre Bitte: Die Raupennester müssten schnell entfernt werden. Denn die winzigen Brennhaare, die der Wind weit transportiert, verursachen mitunter starke Reizungen und Entzündungen. So weit, so klar. Doch nach der Meldung passierte zunächst nichts - bis am Freitag alles ganz schnell geht. Morgens lädt die Stadt zum Pressetermin, mittags stehen fast 25 Anwohner mit Experten vom Garten- und vom Liegenschaftsamt in dem Grünzug direkt am Bahnübergang.

Bekämpfung durch drei Fachtrupps

In jüngster Zeit hätten sie sich von der Stadt "alleine gelassen gefühlt", betont Lehnert. Ernst-Ludwig Kriep, Revierförster beim Liegenschaftsamt, räumt ein Versäumnis sofort ein: Die Informationspolitik habe nicht funktioniert. Während Kriep mit den Anwohnern spricht, befestigt ein Mitarbeiter amtliche Hinweise, die Bäume zu meiden. Von dem Fall am Eichendorffring wisse er seit Montag, sagt Kriep. Frühere Hinweise seien wohl Abstimmungsproblemen zum Opfer gefallen. Im Moment erreichten ihn "aus allen Teilen der Stadt" Meldungen über Nester. Drei Fachtrupps seien zur Bekämpfung unterwegs.

Wo sie wann arbeiten, folgt demnach einer "Priorisierung". Kindergärten und Bushaltestellen stünden ganz vorne, dahinter "Orte, an denen sich viele Leute länger aufhalten", solche mit hohem Betrieb über kurze Zeit und jene, wo "wenige kurz unterwegs" seien. Ferner spiele eine Rolle, ob für einen befallenen Baum das Gartenamt zuständig sei oder, auf Waldflächen, das Liegenschaftsamt - oder ob der Baum auf privatem Boden wurzele. Bei alledem erlebe man gerade "eine absolute Ausnahmesituation". Durch Trockenheit und Hitze hätten sich die Raupen stark vermehrt. Laut Benjamin Lakowski, Leiter Baumpflege beim Gartenamt, hielt der Spinner die Stadt schon 2017 und 2018 gut in Schach. Im Frühjahr seien 650 Bäume präventiv behandelt worden. Bei insgesamt 2400 Eichen komme man nun kaum hinterher.

Während des Vor-Ort-Termins verschaffen einige Anwohner ihrem Unmut mit drastischen Worten Luft. Als sie später etliche, teils große Nester im Umkreis zeigen, schlagen Lehnert, Lisa Lange Beninato und Matthias Stolle ausnahmslos besonnene Töne an. Natürlich könne keiner garantieren, dass jedes Nest gefunden und entfernt wird, sagen sie. Und selbst wenn: Der Wind wirbelt am Boden befindliche Brennhaare wieder auf - und die Züge auf der einen sowie die Autobahn auf der anderen Seite des Wohngebietes tun dann ein Übriges.

Experten wollen am kommenden Mittwoch in dem Waldstück am Eichendorffring die Nester absaugen - "alle, die sie finden und die erreichbar sind", sagt Kriep.

Die Anwohner zweifeln am Erfolg dieser Maßnahme. Ihre "Hundegruppe", die sonst zu fünft oder sechst gemeinsam im Wald spazieren geht, haben Lehnert und Co. "vorübergehend aufgelöst". Das nervt, genau wie der Ausschlag. Was sie verärgert, unterstreicht Lehnert noch einmal ganz dick: Sie wolle das Gefühl haben, "dass sich jemand um das Problem kümmert". Und dass Bürger schnelle und umfassende Informationen bekommen.

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