Erstaunlich viele Menschen setzen sich am Samstag u.a. für Fahrradspuren auf dem Anlagenring ein.	FOTO: IGE
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Erstaunlich viele Menschen setzen sich am Samstag u.a. für Fahrradspuren auf dem Anlagenring ein. FOTO: IGE

Großen Wurf gefordert

Gießen (ige). »Ich bin relativ neu in Gießen. Ich fühle mich pudelwohl hier. Allerdings habe ich ein Problem. Und das sind die ganzen Autos.« Allein 33000 Menschen würden Tag für Tag in die Stadt ein- und auch wieder auspendeln, verkündete Till Hentschel, ein 23-jähriger Umweltmanagement-Student am Samstag anlässlich der von ihm angemeldeten und initiierten Veranstaltung für mehr Fahrradstraßen in der Gießener Neustadt. Mit der Demo solle einem Bürgerantrag Nachdruck verliehen werden, der für Radspuren am Anlagenring und für zwei Fahrradachsen durch die Innenstadt sorgen soll. Der Redner forderte außerdem einen kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie »flächendeckende Fahrradstraßen für Gießen und den Umkreis.« Damit die Stadt sicherer und zugleich lebenswerter werde. »Wir wollen weg vom mit Autos verstopften Gießen«, rief er ins Mikrofon und betonte: »Wir lassen uns nicht aufhalten. Nicht von Politikern und nicht von der Autolobby.«

Als Vorbild sollten Greifswald und Münster dienen; beide im Straßenverkehr »mit einem Fahrradanteil von 50 Prozent.« Der Gießener Anlagenring, beklagte er, sei vier- bis sechsspurig. »Es gibt Parteien im Parlament, die wollen das so beibehalten. Die wollen uns auf die Nebenstraßen bringen, sodass dort noch mehr Autos brettern können.« Der Anlagenring müsse indes je zur Hälfte für Fahrräder und Autos zur Verfügung stehen. Mit den Worten: »Heute starten wir mit den Werbekampagnen für diesen Entschluss«, setzte sich der riesige Tross in Bewegung.

Trotz des frostigen Wetters hatten sich am Samstag gut 250 Radfahrer zu der Fahrraddemo getroffen. Sie alle wollten damit ein Zeichen setzen. »Die Politiker sollen mitkriegen, dass wir es ernst meinen«, so der Tenor vieler Kommentare. Die Route führte durch Innenstadt, Anlagenring und endete am Berliner Platz.

Wie bereits berichtet hat der Bürgerantrag mit über 1100 Unterschriften das »notwendige Quorum an geprüften Unterstützungen« durch Gießener Bürger erreicht. Das teilte auch die Stadt unlängst auf ihrer Bürgerbeteiligungsplattform GießenDirekt mit. Das bedeutet, dass das Stadtparlament in seiner Sitzung am 4. März über den Bürgerantrag abstimmen muss. In der Zwischenzeit wird es vonseiten der Verkehrswende-Initiativen, für die Anne-Marie Möhring den Bürgerantrag bei der Stadt eingereicht hat, noch einige Aktionen geben.

»Die Stadt gehört den Fußgängern, den Radfahrern und der Straßenbahn«, rief Verkehrswendeakteur Jörg Bergstedt von der Saasener Projektwerkstatt beim Zwischenstopp am Elefantenklo dem Radlerpulk zu. Es sei längst bewiesen, dass die Urbanität, die städtische Atmosphäre, gerade durch die Autos unattraktiv gemacht werde und die Lebensqualität schwinde. Bergstedt sieht für den Bürgerantrag zwar eine Mehrheit im Parlament. Doch warnte er in derber Sprache vor »Schissern, denen das zu weit geht.«

Ein besonderer Halt wurde am Oswaldsgarten eingelegt. Hier ergriff Finn Becker, einer der Initiatoren des am 30. November angemeldeten zweiten Bürgerantrages »RegioTram/Straßenbahn« das Megafon. Mit der Ost-West-RegioTram solle die Vogelsbergbahn ab dem Ende der Grünberger Straße als Straßenbahn bis ins Stadtzentrum geführt werden - über Ludwigs- und Berliner Platz, Neuen Bäue, Schulstraße, Marktplatz, Marktstraße, Neustadt, über den Oswaldsgarten zur Rodheimer und Heuchelheimer Straße bis nach Wetzlar verlaufen. Becker warb um Unterstützung des Antrages auf giessen-direkt.de. Noch sei das Quorum von 836 Unterstützern nicht erreicht. Critical-Mass.-Initiatorin Diana Schwaeppe verurteilte bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus. die Fahrradstraßen in Lony- und Löberstraße als »Pillepalle«. Tatsächlich habe sich erwartungsgemäß in diesem Bereich nichts Wesentliches zugunsten der Fahrradfahrer geändert.

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