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An der Hannah-Arendt-Straße will die Wohnbau ihr mit Abstand größtes Projekt seit vielen Jahren umsetzen: 107 Sozialwohnungen sollen auf dem früheren Motorpool-Gelände der US-Armee entstehen.

Große Aufgaben für die Wohnbau

  • Burkhard Möller
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Die stadteigene Wohnbau GmbH ist gleich bei zwei großen Zukunftsthemen in den nächsten Jahren gefordert: Sie soll neuen sozialen Wohnraum schaffen und gleichzeitig ihren Bestand bis zum Jahr 2035 energetisch sanieren. In die nächsten Jahre geht das stadteigene Wohnungsunternehmen mit einem Polster.

Es wird nicht langweilig.« So, wie das am Dienstag Wohnbau-Chefin Dorothee Haberland in der Bilanzpressekonferenz sagte, kann man auch ausdrücken, was da in den nächsten Jahren auf das stadteigene Unternehmen an Herausforderungen zukommt. Um auch die wohnungspolitischen Ziele der neuen Stadtkoalition zu erreichen, sollen bei drei Projekten zusammen 185 neue Sozialwohnungen entstehen. Zudem muss die Wohnbau ihren riesigen Bestand an rund 800 Gebäuden energetisch sanieren, um ihren Beitrag zu leisten, damit Gießen in 14 Jahren eine klimaneutrale Stadt ist. »50 Prozent des Bestands ist noch gar nicht energetisch saniert, weitere 35 Prozent sind teilsaniert«, verdeutlichte Haberland bei der Vorstellung des letztjährigen Geschäftsberichts, den sie gemeinsam mit Alexander Windorf, dem Leiter des Rechnungswesens, und der Aufsichtsratsvorsitzenden, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, präsentierte.

Hoher Gewinn durch Sondereffekte

Angesichts dieser kostenträchtigen Aufgabenstellungen ist es hilfreich, dass sich das Unternehmen im vergangenen Jahr mit einem ungewöhnlich hohen Gewinn in Höhe von 9,3 Millionen Euro ein Polster geschaffen hat. Geplant war ein Plus von vier Millionen Euro. Allerdings waren dafür nicht Mehreinnahmen verantwortlich, sondern »Einmal- und Sondereffekte«, wie die Geschäftsführerin und ihr Finanzmanager erläuterten. Ein Effekt hat mit Corona zu tun: Zwei Millionen Euro an Wohnungsreparaturen wurden vorest eingespart, »weil die Handwerker nicht in die Wohnungen kamen«, erklärte Windorf. Hinzu seien Tilgungszuschüsse für zurückliegende Projekte und die Auflösung einer Rückstellung gekommen. Den Gewinn sollte man »nicht in den falschen Hals kriegen«, meinte Windorf mit Blick auf das um 2,3 Prozent gestiegene Mietpreisniveau. Die durchschnittliche Nettokaltmiete stieg von 5,59 auf 5,72 Euro pro Quadratmeter. »Das ist immer noch sehr moderat und liegt deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Wohnungsunternehmen in Hessen«, sagte Haberland.

Die gut neun Millionen Euro könne die Wohnbau gut gebrauchen, um das Eigenkapital zu stärken und die Liquidität zu sichern. »Um die Aufgaben der nächsten Jahre auch finanziell gut stemmen zu können, ist eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent empfehlenswert. Die jetzige reicht dazu noch nicht aus«, sagte Haberland.

Allein die drei Neubauvorhaben in der Weserstraße, im früheren US-Depot und auf der Philosophenhöhe (Motorpool-Gelände) machen grob geschätzt Investitionen in Höhe von über 46 Millionen Euro erforderlich. Für die 185 Wohnungen gilt für 25 Jahren die Preisbindung. Hinzu kommen fünf laufende Modernisierungsmaßnahmen, darunter die Rotklinkerhäuschen auf der Gummiinsel, die 2021 abgeschlossen werden. Volumen: 13 Millionen Euro.

OB Grabe-Bolz warb um Verständnis, dass diese Projekte technisch-planerisch einen längeren Vorlauf benötigen. Zudem sei es auch beabsichtigt, dass das Zubauprogramm sowohl der alten SPD/CDU/Grünen-Koalition (400 Wohnungen bis 2021) als auch das neue der grün-rot-roten Koalition (150 zusätzliche Sozialwohnungen pro Jahr bis 2026) nicht nur von der Wohnbau, sondern auch von anderen Unternehmen realisiert werden sollen.

Mit der durch Grüne, SPD und Gießener Linke nunmehr »verschärften Sozialquote« für private Bauvorhaben wird die Zahl an neuen Sozialwohnungen nach Erwartung der Oberbürgermeisterin deutlich steigen. Dazu soll auch der Ankauf von Belegungsrechten beitragen. Grabe-Bolz verwies in diesem Zusammenhang auf Zahlen aus dem Geschäftsbericht: Danach ist die Zahl der preisgebundenen Wohnbau-Wohnungen in 2020 um über 50 auf nunmehr 1644 mit einer Gesamtwohnfläche von 103 646 Quadratmetern gestiegen.

Weniger Haushalte auf Warteliste

Auf der Warteliste der Interessenten für eine Wohnbau-Wohnung standen Ende des Jahres 888 Personen; 140 weniger als im Vorjahr. »Bei längst nicht allen Bewerbern liegt eine hohe Dringlichkeit vor«, erläuterte Haberland. Gut 500 Mietverhältnisse endeten im vergangenen Jahr, 564 wurden neu abgeschlossen. Neben internen Veränderungen, die in einer Agenda 2023 gebündelt wurden, will das Unternehmen im Herbst ein modernes Kundenzentrum in der Ludwigstraße 6 eröffnen, wo sich früher das Freiwilligenzentrum befand.

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