Größte Datenbank über deutsche Unternehmen

Der Gießener Auskunfts- und Inkasso-Dienstleister Creditreform gehört zu einem Verbund von rund 130 selbstständigen Kaufleuten in ganz Deutschland, die es sich zum Ziel gesetzt haben, "gute Geschäfte ihrer Mitglieder zu fördern und sie vor schlechten zu bewahren". In diesem Jahr feiert Creditreform sein 125-jähriges Bestehen.

Gießen (pd). Ein Lieferant erhält eine Heizölbestellung über mehrere tausend Liter, weiß aber nicht, ob der Kunde diese Menge auch bezahlen kann. Ein Unternehmen tritt in Kontakt mit einem potenziellen Geschäftspartner, kann sich aber kein Bild über dessen Seriosität machen. Zwei Fälle, bei denen Creditreform auf den Plan treten könnte. Der Gießener Auskunfts- und Inkasso-Dienstleister gehört zu einem Verbund von rund 130 selbstständigen Kaufleuten in ganz Deutschland, die es sich zum Ziel gesetzt haben, "gute Geschäfte ihrer Mitglieder zu fördern und sie vor schlechten zu bewahren". Auf diese Kurzformel bringt Geschäftsführer Gert Frieder Hain die Aufgaben des Gießener Vereins, für den die gern genutzte Formulierung von der jahrzehntelangen Erfahrung keine Floskel ist. In diesem Jahr feiert Creditreform Gießen sein 125-jähriges Bestehen.

Gegründet wurde die Institution 1883 von sieben Gießener Kaufleuten. Am 30. April 1900 wurde sie als eine der ersten Vereine unter Nummer 3 im Vereinsregister des Großherzoglich Hessischen Amtsgerichts Gießen eingetragen. Was unter überschaubaren Bedingungen begann, hat sich inzwischen längst zu einem vielseitigen Unternehmen entwickelt, auf dessen Dienste knapp 1900 Mitglieder aus den Bereichen Industrie, Handwerk, dem Dienstleistungssektor sowie freien Berufen in Mittelhessen zurückgreifen. 30 Mitarbeiter sind zum großen Teil seit vielen Jahren bei Creditreform in der Ludwig-Richter-Straße tätig. Sie speisen durch Recherche und permanente Datenpflege die zentrale Firmendatenbank, mit 3,9 Millionen Datensätzen die weltweit größte Datenbank über deutsche Unternehmen (Hain: "Sieben von zehn in Deutschland erteilte Firmenauskünfte stammen von Creditreform"). Ein weiterer Teil der Belegschaft kümmert sich um das Forderungsmanagement.

In diesem Geschäftsbereich wurde Creditreform Gießen im vergangenen Jahr mit dem Einzug von annähernd 7000 Forderungen über insgesamt gut sechs Millionen Euro und der Überwachung von 868 titulierten Forderungen in einer Gesamthöhe von 1,24 Millionen Euro betraut. "Ein Plus an Informationen macht eigenes wirtschaftliches Handeln sicherer", lautet einer der Grundsätze der Geschäftsführung. Mitunter sei es deshalb sinnvoller, auf ein Geschäft zu verzichten, als ein schlechtes Geschäft zu machen, so der Diplom-Kaufmann weiter. Für Creditreform sei es darum wichtig, die eigene Datenbank stets auf dem aktuellen Informationsstand zu halten. Der Computer wird unter anderem mit Zeitungsmeldungen "von der Geschäftseröffnung bis zur Insolvenzanmeldung" gefüttert. Auch Schuldnerregister an Amtsgerichten werden ausgewertet. "Unser Kreditrisiko-Management hilft dabei, Geschäftspartner richtig einzuschätzen und ein Kreditfrühwarnsystem im Unternehmen zu installieren." Darüber hinaus ermöglichten moderne Marketing-Instrumente den Unternehmen, die "richtigen" Kunden zu finden.

Bei Zahlungsausfällen bietet Creditreform im Bereich Inkasso einen sogenannten "Full Service" an. So werde im außergerichtlichen Mahnverfahren versucht, Schuldner zu einer Zahlung zu bewegen, berichtet Hain. Gelinge dies nicht, könne in Zusammenarbeit mit Vertragsanwälten das gerichtliche Mahnverfahren gegen den Schuldner eingeleitet werden. Gerade im Inkassobereich habe sich das Arbeitsaufkommen durch die gestiegene Zahl von Privatinsolvenzen erhöht. "Der Erfolg für die Gläubiger ist hier zum Schluss meist nur marginal", räumt der Geschäftsführer ein. Immer mehr Schuldner seien wirklich vermögenslos. Insofern beurteilt Hain die der Privatinsolvenz zugrunde liegende Idee, dem Schuldner nach sieben Jahren einen Neuanfang zu ermöglichen, grundsätzlich positiv. Viele Pleiten seien allerdings vorhersehbar, wendet er sich gegen die gängige Anwendung des Begriffs von der "Schuldenfalle". In eine solche könnten Schüler geraten, die ihre Handykosten überziehen. Gerade bei Firmengründungen seien jedoch manche nicht reif für die Selbstständigkeit. So sei mangelnde Eigenkapitalausstattung eine der Hauptursachen für eine spätere Insolvenz. "Eine Durststrecke oder unvorhergesehene Ereignisse werfen viele um", rät Hain potenziellen Unternehmensgründern, sich nur dann selbstständig zu machen, wenn eine gewisse wirtschaftliche Basis vorhanden ist.

Damit Durststrecken für Mitgliedsunternehmen erst gar nicht entstehen, beteiligt sich auch Creditreform am sogenannten Factoring. Dabei werden Geldforderungen aus Waren- oder Dienstleistungsgeschäften fortlaufend von Creditreform angekauft. Der Vorteil für den Kunden liegt im kalkulierbaren Liquiditätszufluss, da Creditreform innerhalb weniger Tage 80 bis 90 Prozent der Brutto-Rechnungssumme zahlt. Der Geschäftsführer: "Gerade in Zeiten, in denen es für manche unserer gewerblichen Kunden schwieriger wird, Bankkredite zu erhalten, springen wir ein und geben finanzielle Sicherheit."

Der Erfolg von Creditreform Gießen ist übrigens seit Jahrzehnten eng mit dem Namen der Familie Hain verbunden. Fritz Hain (95) übernahm die Leitung kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs und wurde vor kurzem für 70 Jahre als Geschäftsführer von Creditreform geehrt. Sein Sohn Gert Frieder Hain trat 1974 in die Geschäftsleitung ein.

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