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Das Geschehen im früheren US-Depot ist für die Rödgener von großem Interesse. So verirrenen sich immer wieder große Lkw im nahegelegenen Stadtteil (hinten).

Grillplatz und Lkw-Irrfahrten

  • Burkhard Möller
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Gießen-Rödgen (mö). Das von Streuobstwiesen umgebene Dorf schmiegt sich an den Hang, mittendrin steht die stattliche Kirche. Vom Bergwald geht der Blick ins Wiesecktal und bis zur Burgen-Silhouette auf der anderen Seite der Lahn. Rödgen kann sich sehen lassen, aber auch der kleinste Gießener Stadtteil hat so seine Probleme. Ein sehr spezielles hängt mit dem nahen Gewerbegebiet Alter Flughafen im früheren US-Depot zusammen, das sich im Osten bis fast unter die ersten Rödgener Wohnstraßen an der Burg- und Seewiese zieht.

»Regelmäßig fahren sich große Lkw da unten in den Straßen fest, darunter auch Autotransporter«, berichtet die wiedergewählte Ortsvorsteherin Elke Victor.

Gegen die Besiedlung der riesigen einstigen Militärfläche mit Unternehmen hat die Freie Wählerin überhaupt nichts, denn Nähe zu den Arbeitsplätzen sei immer gut. Den Rödgenern bereite allerdings der zusätzliche Verkehr Sorgen. Schon jetzt würden auswärtige Lkw-Fahrer von ihren »Navis« falsch geführt und landeten in Rödgen. »Da sind schon welche auf dem Radweg bis zum Segelflugplatz gefahren«, weiß Victor.

Logistikzentrum wird Thema

Insofern habe die Zeitungsmeldung in der GAZ in Rödgen aufhorchen lassen, wonach im östlichen Bereich des Gewerbegiets ein weiteres, kleineres Güterverteilzentrum geplant ist. Eine entsprechende Bauvoranfrage wird gerade von der Stadt geprüft. »Das wird eines unserer ersten Themen sein. Da wollen wir vom Magistrat nähere Informationen«, kündigt Victor an

Anfang Mai war sie bei der ersten Sitzung knapp mit fünf zu vier Stimmen wiedergewählt worden. Zum dritten Mal wird die FW-Politikerin das Amt der Ortsvorsteherin ausüben. Unumstritten war ihre Wahl nicht, denn die Newcomer der Liste Rödgen gemeinsam gestalten (Rgg) hatten bei der Kommunalwahl mehr Stimmen geholt als die Freien Wähler und den Vorsteherposten für sich reklamiert. Victor geht nicht davon aus, dass dies die Arbeit im Ortsbeirat dauerhaft belasten wird. »Mein Angebot, im Interesse Rödgens zusammenzuarbeiten, steht«, betont Victor.

Vor allem, wenn es um neue Wohngebiete geht, fiel es auch der Ortspolitik schwer, ein gemeinsames Interesse zu definieren. Das Gebiet »In der Roos« ist mittlerweile zwar beschlossene Sache, aber die Debatten haben für Unfrieden gesorgt. »Mit der jetzigen Lösung können die Anlieger bis auf den Ortslandwirt leben«, glaubt Victor. Sie hat allerdings Zweifel, dass es bald schon zu reger Bautätigkeit kommt. Einige der Grundstücke werden wohl noch länger als Wertanlage dienen. Victor: »Ich glaube nicht, dass wir so schnell zu der 70-prozentigen Aufsiedlung kommen.« Denn das sei die Voraussetzung dafür, dass über ein größeres Wohngebiet westlich des Ruhbankswegs nachgedacht werden kann. Ob ein solcher Landschaftsverbrauch unter den klimapolitischen Prämissen noch realistisch ist, wird die Zukunft zeigen.

Klar ist aber: Rödgen hat im Gegensatz zu Allendorf und Lützellinden mit einem Einwohnerschwund zu kämpfen. »Früher oder später wollen wir wieder über die Grenze von 2000 kommen. In den letzten Jahren haben wir 100 Einwohner verloren. Das ist viel für einen Ort wie Rödgen«, sagt die alte und neue Ortsvorsteherin.

Grundschulbezirk vergrößern

Die dörfliche Infrastruktur schwächt das im Moment noch nicht. Grundschule und Kindertagesstätte seien stabil. Eltern aus Rödgen müssten im Moment sogar auf andere Kindergärten ausweichen, weil der in Rödgen komplett belegt sei. Im Sinne der dauerhaften Stabilisierung des Schulstandorts nicht erfüllt habe sich der Wunsch des Ortsbeirats, die Marshall-Siedlung dem Bezirk der Rödgener Hedwig-Burgheim-Schule zuzuschlagen.

Bei zwei anderen Themen wird der neue Ortsbeirat nach Einschätzung der »Dorfbürgermeisterin« nicht locker lassen. Das sei einerseits die von der Dorfgemeinschaft schon lange gewünschte öffentliche Grillhütte und andererseits die Nutzung des Wassers aus den Rödgener Quellen, das derzeit einfach in den Regenwasserkanal abfließt. In Zeiten der Dürre sollte es sinnvollerweise für die örtliche Land- und Forstwirtschaft sowie für Hausgärtner im Wasserbehälter Rosengasse gespeichert werden.

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