+
Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz spricht beim Jahresempfang der Stadt vor geladenen Gästen im Atrium des Rathauses. FOTO: FRIESE

Neujahrsempfang

OB Grabe-Bolz will "Wandel gemeinsam schaffen"

  • schließen

Gießen steht auch in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Die Stadt sei dafür gut gewappnet, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz beim Neujahrsempfang im Rathaus.

Demokratie braucht überzeugte Demokraten und vor allen Dingen gute Vorbilder. Sie mit Leben zu erfüllen, dafür sind wir alle verantwortlich." Diesen Satz sprach Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Sonntagmittag in Richtung der 300 geladenen Gäste, die beim Neujahrsempfang der Stadt im Atrium des Rathauses Platz genommen hatten. Und wenn man den langanhaltenden Beifall zum Maßstab nimmt, kam die Botschaft an. Und nicht nur diese: Zustimmung erhielt die OB, die seit ihrem Amtsantritt Ende 2009 nur schon zum elften Mal Bilanz zog und einen Ausblick auf die kommenden Monate und Jahre gab, auch bei vielen anderen Aussagen. Das Publikum erlebte eine selbstbewusste und betont optimistische Oberbürgermeisterin.

Zunächst hatte Grabe-Bolz an die vielen Gefährdungen der Demokratie erinnert: Rechtsextreme Gewalttaten bis hin zum Mord, aber auch Hetze im Internet, die im Vorjahr für Schlagzeilen sorgten. Der politische Kompromiss sei offenbar in Verruf geraten. Dabei bilde er das "Lebenselixier" der Demokratie. "Wir wollen miteinander leben, nicht gegeneinander", sagte Grabe-Bolz.

Dies erläuterte sie dann detailliert, immer mit Blick auf Gießen. Beginnend beim Klimaschutz. Ob die Stadt tatsächlich in 15 Jahren - wie im Plan "2035Null" angestrebt - klimaneutral sein werde, könne derzeit niemand sagen. Aber man müsse das "Unmögliche anstreben, um das Mögliche zu erreichen." Sicher sei, dass die Kommune Unterstützung brauche. Auch Bund und Land seien gefragt und jeder einzelne Bürger. Neu gedacht werden müsse zudem die Mobilität. Den Satz "Wir müssen den Fußgänger- und Fahrradverkehr sowie den ÖPNV stärken und die Innenstadt von Individualverkehr entlasten", quittierten die Zuhörer mit langanhaltendem Beifall.

Im Weiteren erinnerte Grabe-Bolz an den "boomenden Wohnungsbau", der die Stadt verändere und neue Stadtteile schaffe. Allein im Gießener Osten würden in den nächsten Jahren insgesamt 2000 Wohnungen auf ehemaligen Militärflächen entstehen. Darunter seien auch viele Sozialwohnungen. Gießen habe an den Verkauf seiner Wohnungsbaugesellschaft, der Wohnbau, nie gedacht und damit einen Fehler vieler anderer Städte vermieden. Allein im ehemaligen US-Depot und auf dem AAFES-Gelände entstünden 3000 neue Arbeitsplätze, und zwar auch "einfache" ("die wir dringend brauchen"). Dieser Prozess habe vor 30 Jahren begonnen und werde jetzt abgeschlossen. Grabe-Bolz dankte allen, die in den drei Jahrzehnten bis heute daran beteiligt waren und folgerte: "Gießen als Militärstandort ist nun Geschichte und wird es hoffentlich für immer bleiben."

Starkes Wachstum

Gießen sei unter allen deutschen Mittelstädten in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen, allein zwischen 2011 und 2017 um rund 15 Prozent. Im Vergleich zu 2010 gebe es 13 000 Einwohner mehr. Da sei erfreulich. Gießen habe allen Grund, selbstbewusst aufzutreten und seine Stärken auch nach außen zu zeigen, betonte die Oberbürgermeisterin. Dabei würdigte sie auch die Rolle der Hochschulen samt Klinikum, des Einzelhandels, die Kultur-, Sport- und Freizeitangebote sowie einzelne Projekte der Stadtentwicklung, von der Sanierung der Alten Post über die Neubebauung des "Haarlem"-Geländes bis zur Entwicklung der Gummiinsel. Nicht zuletzt habe die Stadt längst gute finanzielle Rahmenbedingungen. "Aktuell haben wir die höchste Steuerkraft erreicht, die die Stadt je hatte."

Die Musikerinnen des Streichquartetts "La Finesse" hatten die Veranstaltung eröffnet, zum Abschluss tanzten Aktive von Blau-Gold Gießen: Ein Trio um Fabricio Dos Santos ("einer der weltbesten Breakdancer") und im Solo Nicole Gouriya, Euromeisterin im Aareal Hoop (Akrobatik an einem aufgehängten Stahlring).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare