Wort zum Sonntag

Gott spricht zu uns

  • schließen

In der Evangelischen Kirche feiern wir morgen den Tag der "Verklärung des Herrn". Das 17. Kapitel des Matthäusevangeliums erzählt, wie Jesus mit drei Jüngern einen Berg besteigt, bevor sein Leidensweg beginnt. Auf dem Berg der Verklärung zeigt er sich in einem überirdisch strahlenden Licht. Eine Stimme aus der Wolke sagt: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören." Die Situation ist überwältigend. Die Jünger wollen nicht wieder vom Berg absteigen.

Zeigt sich Gott auch heute so gewaltig in unserem Alltag? Dem Bibeltext nach ist er für Überraschungen gut! Doch sind sie so spektakulär, wie dort beschrieben? Denke ich an Patientinnen und Patienten in der Klinik, sehe ich viele von ihnen in einem finsteren Tal. Sie sehnen sich danach, gesund zu werden. Sie können keine Berge erklimmen. Ihre Behandlung und Pflege braucht Zeit. Für viele Menschen ereignet sich irgendwann Überwältigendes: Sie sind, wie man sagt, über den Berg. Sie sehen plötzlich alles Gewesene in einem anderen Licht. Dankbarkeit hat sich eingestellt und die Freude, am Leben zu sein. Das ist ein Gipfelerlebnis, das sie sich in schweren Tagen gar nicht vorstellen konnten! Eine Patientin sagte mir: "Ich habe jetzt begriffen, dass ich mehr auf mich achten muss. Ich darf nicht kaputt machen, was mir geschenkt wurde." Darüber hinaus hat sie erkannt, dass auch sie ein von Gott geliebter Mensch ist. Die Angst vor dem Alltag nach der Entlassung war trotzdem da. Sie wollte auf keinen Fall verlieren, was sie in ihrer Krankheitszeit als Sinnerfahrung erlebt hat.

Das Leben hat nicht nur strahlende Gipfelerlebnisse. Man muss auch wieder durch Täler gehen. Doch die Erinnerung darf mitgehen: Gott hat sich mir schon gezeigt in meinem Leben. Ich bin sein geliebtes Kind! Ich will auf Jesus hören.

Regina Pabst, Evangelische Klinikseelsorge Gießen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare