Wort zum Sonntag

Vor Gott keine Maske tragen

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Die Mund-Nasen-Maske ist ein ständiger Begleiter unseres Alltags geworden. Ihr Image ist ambivalent, mal ein Lebensretter, mal eine Plage. Wir wissen nicht, wann wir sie wieder loswerden. Aufgrund des gegenwärtigen Infektionsgeschehens wird sie uns wohl noch lange begleiten. Eine Maskenpflicht ist dort nötig, wo Mensch auf Mensch trifft. Aber nicht dort, wo Mensch auf Gott trifft.

Vor Gott müssen wir keine Maske tragen, wir können ihm unser Inneres offenlegen, ihm sagen, wie es uns wirklich geht. In der Bibel finden wir ein Buch, das uns nicht nur dazu motiviert, Gott ohne Maske zu begegnen, sondern uns auch Worte gibt, mit denen wir uns an Gott richten können: Die Psalmen. Reformator Johannes Calvin nennt diese "Aufgliederung aller Teile der Seele". Sie beinhalten also Worte, die jede Art von menschlicher Emotion widerspiegeln. Höhen und Tiefen.

Mich beeindruckt es, dass die Tiefen in den Psalmen den größten Raum bekommen. Die meisten Psalme sind Klage-psalme. Mein Lieblingspsalm gehört zu dieser Kategorie, es ist Psalm 42. Vor einigen Wochen durchlebte ich eine Phase, in der ich sehr traurig war. Psalm 42 hat mir damals sehr geholfen. Ich konnte mich mit den Worten des Psalms identifizieren und meine Traurigkeit zu Gott bringen. Ich habe Gott auch gesagt (Vers 10): "Warum muss ich so traurig meinen Weg gehen?" Ich habe dabei auch die eine oder andere Träne vergossen. Das hat mir sehr gutgetan. Gott hat uns unsere Emotionen gegeben, nicht damit wir sie ignorieren, zudecken oder abdämpfen. Er hat uns Emotionen gegeben, damit wir ihnen Raum geben und ganz Mensch sein können. Unsere Emotionen gehören zu uns, sie sind gut, und sie können zur Sprache kommen, wenn wir mit Gott reden. Gott hält sie aus, egal wie tief sie sind, Wir können ihm maskenlos entgegentreten.

Bert Görzen Freie ev. Gemeinde Gießen

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