Goetheschule feierte ihren 125. Geburtstag

Gießen (pd). Es wurde gesungen und getanzt, es gab Reden, einen Rap und einen riesigen Geburtstagskuchen. Und selbstverständlich erhielt das Geburtstagskind auch viele Geschenke. Kurzum: Mit einer gelungenen Feier beging die Goetheschule am Freitagnachmittag ihr 125-jähriges Jubiläum.

Zum Festakt in der Turnhalle waren Schulkinder, Eltern, Lehrer und viele Ehemalige gekommen – eine frühere Schülerin war gar aus der Nähe von Boston zur Feier an die Gießener Grundschule gereist.

Lob gab es zunächst für die Politiker von einst. »Vor 125 Jahren haben die Stadtväter richtig viel Geld in die Hand genommen, um diese Schule zu bauen«, sagte Heide Kausch bei der Begrüßung. Dass sich die Investition gelohnt hat, verdeutlichte die Rektorin ebenfalls. Schließlich präsentiere sich die Goetheschule noch immer in sehr ansprechender Form, während viel jüngere Bauwerke – die Schulleiterin nannte das Behördenhochhaus – längst abgerissen seien. Eltern, Lehrer und Schüler könnten stolz sein auf ihre »Schule mit Tradition – und auch auf die Arbeit, die wir jeden Tag an dieser Schule leisten«.

Dass auch die Politiker von heute viel für die Goetheschule getan haben, verdeutlichte Astrid Eibelshäuser. Die Grundschule erstrahle rechtzeitig zum Geburtstag im neuen Gewand, erinnerte die Schuldezernentin an die Renovierung des Innenbereichs sowie die Sanierung von Fassade und Dach. Die Stadträtin blickte zurück auf die Anfänge als Mädchenschule, auf die Zeit, in der sich Schüler vor Bombenangriffen in Sicherheit bringen mussten und auf die Kinder, »die heute hier zur Schule gehen«. Der Schulgemeinde dankte sie für ihr »vielfältiges und breitgefächertes Engagement«. Stellvertretend für die erkrankte Schulleiterin Sabine Wießner-Müller gratulierte Josephine Marquez-Röll im Namen der Helmut-von-Bracken-Schule zum Geburtstag. 1959 sei die erste Sprachheilklasse unter dem Dach der Goetheschule unterrichtet worden, und vom Schuljahr 2012/13 an werde man auch die Inklusion gemeinsam schultern, so die HvB-Vertreterin.

Ein Jubiläum beging am Freitag auch eine Schülergruppe, die 1960 aus der Goetheschule entlassen worden war. Die damalige 8g mit 64 Schülern war 1952 eingeschult worden. »Wir feiern unser 60-Jähriges«, rief Jürgen Ende stellvertretend für die Klasse der Festversammlung zu. Zu den Ehemaligen gehörte auch Marcella, die in den USA lebt und zum Schuljubiläum nach Gießen gekommen war. »Ich freue mich, dass die Schule so schön geworden ist«, bekräftigte Mehmet Tanriverdi. Der Vorsitzende des parlamentarischen Schulausschusses berichtet, dass die Grundschule in ein bis zwei Jahren ins Ganztagsprogramm aufgenommen werden soll.

Schlachthaus und Kliniken

Wie alt die Goetheschule mit ihren 125 Jahren schon geworden ist, verdeutlichte Dr. Ludwig Brake in kindgerechter Form. Selbst Opa oder Oma könnten sich maximal 50 oder 60 Jahre zurückerinnern, »und das ist noch nicht einmal die Hälfte des Alters eurer Schule«, so der Stadtarchivar. Was in Gießen in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts sonst noch gebaut wurde? Brake erwähnte in seinem Festvortrag das Schlachthaus der Stadt, das Chemische Laboratorium in der Ludwigstraße und die neuen Kliniken am Seltersberg.

»Man fuhr mit Pferdewagen oder Kühen«, ging er auf die Fortbewegungsmittel jener Zeit ein. Insofern war es nur logisch, dass sich Oberlehrer Fuhr damals regelmäßig über den Straßenlärm beschwerte, der in Form von Wagengerassel, Peitschenknallen, rufenden Viehtreiber oder grunzenden Schweine das Arbeiten mit den Schülern erschwerte. Brake erwähnte aber auch die dunklen Stunden der Goetheschule. Im Herbst 1942 seien die Gießener Juden dort zusammengetrieben worden, um in die Vernichtungslager transportiert zu werden. »Wir alle hoffen, dass das Gebäude noch lange Zeit eine Schule sein kann«, schloss der Stadtarchivar.

Durch das Programm führte der Viertklässler Lukas Hasecke. Musikalisch gestaltet wurde der Festakt unter anderem von den Klassen 2 a und 2b (»Jedem Kind ein Instrument«), Frederick an der Klarinette und Philipp am Fagott, Nicole am Klavier und einem Chor mit dem englischen Liedbeitrag »The Seasons«.

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