Dominic Zetzsche hat gut lachen: Der Glühwein wird ihm aus den Händen gerissen. 	FOTO: SCHEPP
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Dominic Zetzsche hat gut lachen: Der Glühwein wird ihm aus den Händen gerissen.

Corona-Gewinner

Gießen: Glühwein verhilft „Schorlefranz“ zum Aufschwung in Corona-Zeiten

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Weihnachtsmärkte müssen dieses Jahr wegen Corona ausfallen. Auch deshalb verkauft das Unternehmen „Schorlefranz“ aus Gießen Glühwein - mit diesem hohen Absatz hat jedoch niemand gerechnet.

  • Das Gießener Unternehmen „Schorlefranz“ versorgt die Umgebung seit 2016 vor allem mit Weinschorlen.
  • Wegen der Corona-Pandemie haben Dominic Zetzsche und sein Team einen Onlineshop aufgebaut.
  • Im Corona-Winter ist vor allem der „Schorlefranz“-Glühwein ein echter Verkaufsschlager.

Gießen - Hätte es Corona nicht gegeben, würde es in der Gießener Innenstadt jetzt nach gebrannten Madeln duften. An den Holzhütten würden sich die Menschen eng aneinander drängen und mit einem Glühwein anstoßen. Doch in Zeiten einer Pandemie ist das nicht möglich; der Weihnachtsmarkt fiel Corona zum Opfer. Das heißt aber nicht, dass die Gießener keine Lust auf Glühwein hätten. Dem heimischen Unternehmen »Schorlefranz«, das vor allem für seine Weinschorlen bekannt ist, wird das winterliche Getränk geradezu aus den Händen gerissen.

Gießen: „Schorlefranz“ verdreifacht Mitarbeiterzahl

Dominic Zetzsche steht gerade vor dem Lager seines Unternehmens im Aulweg und unterhält sich mit einem Bewerber. Der »Schorlefranz«-Gründer sucht händeringend Verstärkung für sein Team. »Wir haben in sehr kurzer Zeit sehr viele neue Mitarbeiter einstellen müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden«, sagt Zetzsche und betont, die Teamstärke habe sich fast verdreifacht. Innerhalb weniger Monate ist das Unternehmen in einem Umfang gewachsen, wie es Zetzsche und sein Team nicht für möglich gehalten hätten.

»Schorlefranz« wurde 2016 gegründet. Ein kleines Gießener Unternehmen, das früh erste kleine Erfolge verzeichnen konnte. »Vor allem 2019 war ein gutes Jahr für uns«, sagt Zetzsche. Dann kam Corona - und drohte, die Erfolgsstory zunichte zu machen.

„Schorlefranz“ Gießen: 60-mal mehr Glühwein verkauft als letzten Winter

Noch Anfang des Jahres hat »Schorlefranz« überwiegend die Gastronomie und Veranstaltungen beliefert. »Es hat sich aber schnell abgezeichnet, dass das in diesem Jahr nicht funktionieren wird«, sagt Zetzsche. »Uns war klar: Wenn wir überleben wollen, müssen wir das Unternehmen umkrempeln.« Und so kreierte das Team in einer Hauruckaktion einen Onlineshop und weitete das Sortiment aus. Neben den Schorlen gibt es nun auch mehrere Weine, einen Sekt, alkoholfreie Alternativen und natürlich Glühwein. Im Mai ging die neue Homepage online - und bescherte »Schorlefranz« einen großen Erfolg.

»Vor allem der Glühwein wird uns aus den Händen gerissen«, sagt Zetzsche. Zweimal schon sei das Heißgetränk ausverkauft gewesen, auch jetzt wartet der Geschäftsführer auf eine neue Lieferung. Bereits vergangenen Winter hatte »Schorlefranz« einen weißen Glühwein im Angebot, jetzt gibt es auch einen roten. »Wir haben in diesem Jahr schon 60-mal so viel verkauft wie 2019«, sagt Zetzsche und fügt an, dass seit Beginn der Weihnachtszeit auch die Zahl der verschickten Pakete um das 20-fache gestiegen sei. Die Gründe für den Erfolg sind naheliegend. Die beiden Schließungen des stationären Einzelhandels verbunden mit den stetigen Appellen, so oft es geht zu Hause zu bleiben, hat das Geschäft vieler Onlineshops angekurbelt.

Gießen: „Schorlefranz“ ist ein Corona-Gewinner

Bei »Schorlefranz« kommt der Wegfall der Weihnachtsmärkte dazu. »Viele Menschen haben das Bedürfnis, in der kalten Jahreszeit Glühwein zu trinken. Normalerweise hält man dann auf dem Nachhauseweg noch kurz auf dem Weihnachtsmarkt an«, sagt Zetzsche. Da dies aktuell nicht möglich sei, würden sich viele Menschen Glühwein online besorgen - oder aber in Supermärkten und anderen Geschäften, wo es den »Glühfranz« auch zu kaufen gibt.

2020 drohte, für das Gießener Unternehmen zu einem Horrorjahr zu werden. Durch schnelles Handeln schafften es Zetzsche und sein Team jedoch, das ohnehin schon gute Ergebnis aus 2019 noch einmal deutlich zu steigern. Kein Zweifel: Schorlefranz ist ein Corona-Gewinner.

Glühwein spaltet Deutschland

Erst die Weihnachtsmarktabsagen, nun das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit: Glühwein hat es 2020 schwer. Bei dem alkoholhaltigen Heißgetränk zeigt sich Deutschland jedoch sowieso gespalten. Über 40 Prozent der Erwachsenen mögen Glühwein nicht, etwa genauso viele mögen ihn gern. Knapp 20 Prozent sagen, sie mögen ihn »mittel«. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor.

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