Glanzleistung abgeliefert

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Es war nicht so einfach, die neue Produktion des Keller Theatres rauszubringen. Ursprünglich für Mai geplant kam erst die Krise, die Kleine Bühne fiel als Spielort aus, und dann erkrankte zur Premiere jemand im Team. Am Dienstag war’s endlich soweit: "Tea at Five" von Matthew Lombardo lief im Herrmann-Levi-Saal.

In der "Tea at Five"-Inszenierung von Martin P. Koob legte die erfahrene Gaby Hopfenmüller eine Glanzleistung aufs Parkett, die den Zuschauern jede Menge Applaus wert war.

Auffallend, wie gut Hopfenmüller schon äußerlich zur Rolle passt. Wie Katharine Hepburn (1907-2003) ist sie groß und schlank. Sie verfügt über kraftvolle Präsenz. Und sie hat die Bühne im Griff, dabei ist das kein Klacks. Im Gegensatz zum Keller-Theatre-Wohnzimmer Kleine Bühne ist im Rathaussaal viel Platz zwischen Bühne und Publikum.

Schillernde Persönlichkeit

Das Stück ist eine gelungene Abwechslung im Repertoire der Truppe: nicht Komödie oder Krimi, sondern eine Art Biografie. "Gaby und ich wollten das schon vor Jahren machen, aber es kam einfach nicht dazu", freut sich Regisseur Martin P. Koob.

Man bekommt im Grunde eine kleine Nachhilfe zum Thema Hollywood-Starsystem unter besonderer Berücksichtigung der weiblichen Darsteller. Hepburn, vierfach Oscar-gekrönt, was damals wie heute sensationell ist, hat im ersten Akt (September 1938) einen Durchhänger: sie wurde gerade als Kassengift abgestempelt. Kein Wunder, trug sie doch damals schon Hosen und war eine stattliche Erscheinung, die noch dazu kein Blatt vor den Mund nahm. Hopfenmüller zeigt die verschiedenen Facetten dieser Persönlichkeit, das eiserne Selbstbewusstsein, die unbeirrbare Zielstrebigkeit und die gleich darunter liegende Unsicherheit: Hepburn wusste, wie verwundbar sie bei aller Starbesessenheit der Branche war. Von Gleichberechtigung war Ende der Dreißiger noch nicht die Rede.

Hopfenmüller realisiert alles mit scheinbarer Mühelosigkeit, und nimmt den Zuschauer damit sogleich mit ins hochinteressante Berufsleben der Katharine Hepburn. Als erstes regt sie sich über einen Verriss der berüchtigten Klatschkolumnistin Louella Parsons auf, eine Frau, die eine geradezu blutrünstige Feder führte. "Our Lady of Indulgence" giftete sie Hepburn einmal wegen ihrer angeblichen Genusssucht hinterher.

Das Stück lässt eine sehr interessante, schillernde Persönlichkeit entstehen, die scharfsinnigen Humor besitzt. Hopfenmüller, bestens vorbereitet und ebenso disponiert sowie hochelegant und zeitgemäß gewandet, liefert den Text souverän ab: Timing, Intonation und Aussprache sind toll, was die Chance bietet, wenigstens die meisten der Pointen zu erhaschen. Locker bewegt sie sich über die Bühne ganz natürlich, komplett ohne Hast oder Zögern. Hier ist eine erfahrene Keller-Darstellerin am Werk, die bewusst und konzentriert ihre Mittel ausschöpft und eine verblüffend stimmige Choreografie hinlegt.

Die Zuschauer nehmen hier Teil am Leben einer charismatischen Person, die Hopfenmüller ganz ausgeglichen realisiert. Da es ein kurzes Stück ist, nimmt man es gleichsam im Block mit heim, inklusiver zahlreicher farbiger Details. Das Publikum applaudierte sehr lange und mit größter Lautstärke.

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