Das Skelett der Giraffe Kiburi wird bald in Gießen ausgestellt.
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Das Skelett der Giraffe Kiburi wird bald in Gießen ausgestellt.

Justus-Liebig-Universität

Giraffe Kiburi kommt nach schwerer Krankheit nach Gießen

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Der Gießener Wal kriegt Gesellschaft. In der Hermann-Hoffmann-Akademie soll das Skelett einer Giraffe aufgestellt werden. Das Tier starb im Stuttgarter Zoo und wurde zum Präparieren nach Gießen gebracht. Zusammen mit dem Pottwalbullen soll die Giraffe Studenten die Evolution näherbringen.

Gießen – Majestätisch hängt der Pottwal über den Köpfen der Studenten. Hier in der Hermann-Hoffmann-Akademie in Gießen hat der Meeressäuger nach seiner Strandung an der Nordsee und anschließender Präparation durch Experten der Justus-Liebig-Universität seine letzte Ruhestätte gefunden. Doch schon bald soll er nicht mehr alleine sein, wie Akademieleiter Prof. Volker Wissenmann verrät: »Im kommenden Jahr soll hier das Skelett einer Giraffe aufgestellt werden.«

Giraffe Kiburi starb vollkommen unerwartet - Nun letzte Ruhestätte in Gießen

Kiburi wurde am 1. Juli 2004 im Frankfurter Zoo geboren und kam im Mai 2006 nach Stuttgart in die Wilhelma, um dort eine neue Zuchtgruppe von Netzgiraffen aufzubauen. Viermal bekam sie mit dem aus Rotterdam stammenden Giraffenbullen Hanck Nachwuchs. »Leonie, Malik, Nabil und Dschibuto leben heute in Zoos in Ungarn, Polen, Spanien und Frankreich«, sagt Wissemann und fügt an, dass die rund vier Meter hohe Giraffendame Kiburi nicht nur sehr beliebt bei Zoobesuchern und ihren Pflegern gewesen sei, sondern auch neugierig, interessiert und gelehrig. Was zu jener Zeit keiner wusste: Kiburi war schwer krank. Am 8. Mai 2019 verstarb sie vollkommen unerwartet. Die Obduktion brachte eine Krebserkrankung zutage.

In der Wissenschaftsszene war bekannt, dass Wissemann auf der Suche nach einer Giraffe war. »Ich wollte das größte Meeressäugetier neben dem höchsten Landsäugetier aufstellen, um die unterschiedlichen Evolutionsgeschichten erzählen zu können.« Als ihm Kiburi angeboten worden sei, habe er daher nicht lange überlegen müssen.

Das Zusammensetzen des Skeletts gleicht einem Puzzle.

Giraffe kommt nach Gießen: Knochen des toten Tiers in Chemikalien gebadet

Und so fuhren die Gießener Veterinärmediziner nach Stuttgart und holten das Tier ab. Zusammen mit einem Team aus Vertretern der Akademie sowie der Werkstätten begann die Präparation. »Im Grunde war es der gleiche Prozess wie beim Wal«, sagt Wissemann. Demnach ist das Tier zunächst zerlegt worden. Anschließend musste das Fleisch von den Knochen getrennt werden. Schädel, Wirbel und Co. wurden anschließend in kaltem Wasser eingelegt, damit die restlichen Gewebeteile abfaulen. Die Knochen wurden anschließend gereinigt, gekocht und abschließend in Chemikalien gebadet, damit die Fette aus dem Inneren verschwinden. »Die Fettsäuren zerstören sonst die Kalkstruktur«, erklärt Wissemann in Gießen. Noch sei dieser Prozess nicht abgeschlossen, Anfang des kommenden Jahres soll es aber so weit sein.

Bis dahin ruht das Projekt aber nicht. Derzeit sind vor allem die Mitarbeiter aus den Werkstätten gefragt, sagt Wissemann. »Die Schwierigkeit besteht darin, die Giraffe aufrecht hinzustellen.« Man habe sich verschiedene Beispiele anderer präparierter Skelette angeschaut und tendiere momentan dazu, die Knochen genau wie beim Pottwal an einer langen Metallstange aufzuhängen, die durch die Wirbelsäule verläuft. »Außerdem muss ein Gestell gebaut werden, das so unauffällig wie möglich ist.« Das eigentliche Zusammensetzen gleiche dem Walpuzzle ebenfalls. Der Vorteil: Die Knochen der Giraffe sind längst nicht so schwer und können per Hand gehoben werden.

Giraffen-Skelett kommt nach Gießen: Dem Pottwald auf Augenhöhe begegnen

Wenn diese kniffligen Aufgaben gelöst sind, soll die Giraffe im kommenden Jahr neben dem Wal ihre letzte Ruhestätte finden - und die Gedanken der Studenten beflügeln. »Die Skelette sind ideal für die Lehre, da man an ihnen die unterschiedlichen Evolutionsmechanismen erklären kann«, sagt Wissemann. So hätten Giraffe und Wal trotz der unterschiedlichen Physiognomie die gleiche Art und Anzahl an Knochen. Außerdem seien beide Tiere im Alter von 14 Jahren gestorben, der Wal habe jedoch am Anfang, die Giraffe am Ende des Lebens gestanden.

Diese unterschiedliche Lebenserwartung könne man etwa mit den Lebensbedingungen erklären. Da die Giraffe an Land Gefahr läuft, von Löwen gefressen zu werden, habe sie nur eine kurze Zeitspanne, Nachkommen in die Welt zu setzen. »Das Leben der Giraffe muss also wesentlich schneller ablaufen«, sagt Wissemann. Der Wal habe hingegen wesentlich mehr Zeit, da er im Meer keine Fressfeinde zu fürchten habe. Abgesehen davon passen der Bulle und die Dame auch optisch hervorragend zusammen, wie Wissemann mit einem Augenzwinkern betont: »Nur eine vier Meter hohe Giraffe schafft es, dem Pottwal auf Augenhöhe zu begegnen.«

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