Auch in Netanya prägt die Maske das Leben auf den Straßen. FOTO: DPA
+
Auch in Netanya prägt die Maske das Leben auf den Straßen. FOTO: DPA

Corona-Krise

Gießens Partnerstadt Netanya und die zweite Welle

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Das Coronavirus hat Israel hart getroffen. Darunter leidet auch die Gießener Partnerstadt Netanya.

Es sollte ein rauschendes Fest werden. Mitten im Sommer, an der mit Palmen gesäumten israelischen Mittelmeerküste, wollten Marion Balser und Gerd Zörb vom Partnerschaftsverein Gießen-Netanya Freunde in Israel besuchen. "Wir waren zu einer Hochzeit eingeladen", sagt Balser. Doch daraus wurde nichts, Corona machte der Planung einen Strich durch die Rechnung. Denn neben Deutschland war auch Israel stark von der Pandemie betroffen.

Über 340 000 bestätigte Corona-Fälle wurden bis Anfang Dezember in Israel registriert. Das ist nur ein Drittel weniger als in Deutschland, obwohl die Bundesrepublik mehr als achtmal so viele Einwohner hat. Dabei war Israel im Frühjahr noch so etwas wie das Vorzeigeland in Sachen Corona-Bekämpfung.

Täglich sieben Neuinfektionen

"Faces without masks look unusual these days" - Gesichter ohne Masken wirken ungewohnt in diesen Zeiten. Das sagt Edna Spitzer, die jahrelang für die Stadtverwaltung in Gießens israelischer Partnerstadt Netanya gearbeitet hat und sich noch heute um die Belange der Städtefreundschaft kümmert. "Wir hatten zwei nationale Lockdowns, einen im April und einen im September."

Schon der erste Lockdown war sehr strikt. Die Leute mussten ihre Bewegungsfreiheit erheblich einschränken, die Wirtschaft wurde heruntergefahren. Mit Erfolg: In Israel erkrankten während der ersten Welle weniger Menschen an Covid-19 als in vielen anderen Ländern, zudem wurde die niedrigste Sterberate aller OECD-Länder verzeichnet. Das Virus schien eingedämmt. Doch offenbar kamen die Lockerungen zu früh. Da die Infektionszahlen nach oben schossen, verhängte die Regierung Mitte September eine zweite Ausgangssperre. Die Menschen durften sich nur 1000 Meter von ihrem Zuhause entfernen, außer Apotheken und Supermärkten mussten alle Geschäfte schließen. Auch Gotteshäuser, Restaurants und Schulen blieben zu.

Die strikten Regeln haben das Infektionsgeschehen gebremst. Vergangene Woche verzeichnete die 250 000-Einwohner-Stadt Netanya 83 aktive Fälle bei sieben Neuinfektionen pro Tag. 18 Menschen wurden in einer Klinik behandelt, insgesamt 69 Personen starben an oder mit Covid-19 seit Beginn der Pandemie.

Damit die Zahlen nicht erneut nach oben schnellen, müssen die Bewohner Netanyas in der Öffentlichkeit Masken tragen. Wer ohne Mundschutz unterwegs ist, wird zur Kasse gebeten. Zudem wird vor Geschäften und öffentlichen Einrichtungen Fieber gemessen. Netanya hat obendrein mehrere Drive-in-Testcenter geschaffen, die Kontrollen sind kostenlos. "Diese öffentlichen Einrichtungen werden in den Medien beworben", betont Spitzer und fügt an, dass Netanya zudem eine Gruppe von zehn Personen geformt habe, die das Infektionsgeschehen überwacht. Um der Wirtschaft in diesen schweren Zeiten zu helfen, seien zudem die Mieten, die kleine Unternehmen monatlich an die Stadt zahlen müssen, derzeit ausgesetzt.

"Heute ist Israel in drei Zonen aufgeteilt: grün, orange und rot. Die Einstufung orientiert sich an der Rate von an Covid-19 erkrankten bzw. verstorbenen Menschen", erklärt Spitzer und fügt an: "Netanya ist derzeit eine grüne Stadt." Das freut auch die Menschen in Gießen. Schließlich ist die Städtepartnerschaft zu Netanya mehr als ein bürokratischer Akt, der die Eingangsschilder der Städte schmücken soll. In all den Jahren ist eine innige Verbindung gewachsen.

Vereinsjubiläum steht an

"Ich war schon über 15-mal in Israel, in der Zeit habe ich viele gute Freundschaften geschlossen", sagt auch die Vereinsvorsitzende Balser. Sie wünscht den Menschen in Netanya daher vom ganzen Herzen, dass sie die Pandemie gut überstehen mögen. Dann klappt es 2021 vielleicht auch wieder mit einem Treffen. "Im nächsten Jahr steht unser 25-jähriges Vereinsjubiläum an", betont Balser. Ein guter Anlass für ein rauschendes Fest. Wenn nicht am Mittelmeer, dann vielleicht ja an der Lahn.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare