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Die Hebebühnen von Udo Heinrich sind auch in Spanien im Einsatz. Der Rödgener ist Chef der Wiesecker Werkzeugvermietung.

Erfolgsgeschichte

Porträt: Warum der Chef der Wiesecker Werkzeugvermietung einst einen Waschsalon eröffnen wollte

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Udo Heinrich ist Chef der Wiesecker Werkzeugvermietung. Er hat aus einem Ein-Mann-Betrieb ein florierendes Unternehmen gemacht. Dabei wäre er fast Betreiber eines Waschsalons geworden.

Der Himmel über Alten-Buseck ist grau. Allerdings nicht überall. Auf dem Gelände der Wiesecker Werkzeugvermietung sorgt blaues, grünes und rotes Metall für Farbtupfer am Firmament. Es sind die Ausleger der Hebebühnen, die an den Wolken zu kratzen scheinen. Dutzende Meter weiter unten steht Udo Heinrich und lächelt. Das macht er eigentlich die ganze Zeit. Der 59-Jährige ist ein offener und freundlicher Mensch, der das Herz auf der Zunge trägt. Beispiel gefällig? "Wenn Sie die Geilheit im Gesicht haben, etwas zu kaufen, dann muss dieses Bedürfnis schnell befriedigt werden." Heinrich kann das. Deswegen ist er mit seinem Unternehmen auch so erfolgreich.

Chef der Wiesecker Werkzeugvermietung: The sky is the limit

The sky is the limit: Diese englische Phrase passt nicht nur wegen der in den Himmel ragenden Teleskoparbeitsbühnen zur Wiesecker Werkzeugvermietung. Heinrich hat aus dem Ein-Mann-Betrieb ein florierendes Unternehmen mit 90 Mitarbeitern geschaffen. Seine Maschinen sind in ganz Europa gefragt. Sogar bis in die USA haben sie es schon geschafft. Das passt. Denn aus den Staaten stammt auch seine Geschäftsidee .

Heinrich ist in Utphe aufgewachsen. Seine Eltern waren beide Lehrer. Er selbst hatte aber schon früh ein Faible für Metall und Motoren. "Mein Vater erzählt heute noch gerne, wie die Spielzeugautos in dem Regal in unserer Küche standen." Als dann die Schule im Ort schloss, zog die Familie nach Lich. Ein halbes Jahr ging der Sohn auf die Gesamtschule Hungen, dann wechselte er auf die Gießener Liebigschule. "Ich hatte da einen tollen Chemielehrer. Er hat mich ein wenig an meinen Vater erinnert. Er konnte einem richtig mitnehmen", erinnert sich Heinrich. Und so begann er nach der Schule ein Studium der Chemie an der Universität in Tübingen. Allerdings merkte er schnell, dass die spielerischen Experimente in der Schule nicht viel mit dem Studium gemein hatten. "Das war mir viel zu restriktiv. Nichts für mich." Und so brach er das Studium ab und begann eine Lehre als Kachelofenbauer, die er mit dem Meister abschloss. Im Hinterkopf schlummerte da aber schon eine andere Idee.

Chef der Wiesecker Werkzeugvermietung: Mit Motorrädern fing alles an

Heinrich ist Motorradfan. Schon als Kind war er von zweirädrigen Maschinen angetan. Mit 14 kaufte er sein erstes Mofa, mit 16 folgte ein Motorrad. Schmunzelnd erzählt Heinrich die Anekdote, wie er bei einer Klassenfahrt nach England seine Lehrer überredete, in London ein Motorrad kaufen zu dürfen. "Am Ende sind wir mit dem Bus wieder zurück gefahren. Das Motorrad lag unten bei den Koffern." Um seine erste eigene Harley zu finanzieren, nahm der Gießener etliche Jobs an. Und unternahm eine Reise, die sein Leben nachhaltig prägen sollte.

Eigentlich wollte Heinrich mit einem Freund in den Iran reisen. Die dortige Polizei fuhr zu jener Zeit mit Harley Davidsons auf Streife. Doch bevor die beiden Freunde sich auf dem Weg machen konnten, putschte das Militär in der Türkei, eine Überfahrt war nicht mehr möglich. Die beiden entschieden sich daher für die andere Richtung. USA statt Teheran. Heinrich blieb vier Monate in den Staaten. Als er dann mit den dort gekauften Bikes zurückreisen wollte, um sie hier gewinnbringend zu verkaufen, stand er vor einem Problem: Wie verschifft man einen Haufen Harleys, ohne das passende Werkzeug? "Mit rent-a-tool", sagt Heinrich und erzählt, mit dem gemieteten Werkzeug einen Transportcontainer gezimmert zu haben.

Chef der Wiesecker Werkzeugvermietung: Besser als dreckige Wäsche

Zurück in der Heimat widmete sich Heinrich seinen Kachelöfen. Er wollte aber ein zweites Standbein. "Ich habe dann überlegt, einen Waschsalon zu eröffnen. Ich kannte das Konzept aus den USA." Doch ihm kam jemand zuvor, plötzlich konnten die Gießener ihre Kleidung in der Frankfurter Straße in Waschmaschinen stopfen. Heinrichs Traum war geplatzt. Aber da war ja noch dieses andere Konzept, dass er in Amerika kennengelernt hatte. Also gründete Heinrich eine Werkzeugvermietung. "Heute bin ich froh, dass es so gekommen ist." Kein Wunder: Mit dreckiger Wäsche wäre der Rödgener wohl nicht so erfolgreich geworden.

Vor 30 Jahren eröffnete Heinrich ein kleines Büro in Wieseck. Vor allem Privatleute kamen zu ihm, um sich kleine Bagger und Parkettschleifmaschinen zu borgen. Die Nachfrage stieg und stieg, offenbar hatte Heinrich einen Nerv getroffen. Als sein Büro und der angrenzende Schuppen aus allen Nähten platzen, kaufte er ein altes Sägewerk in Rödgen. Heinrich expandierte weiter und stieß auch hier bald an seine Grenzen. "Die Baugenehmigung zur Erweiterung hat viel zu lange gedauert. Daher sind wir 2008 nach Alten Buseck gegangen." Heute, elf Jahre später, ist das Unternehmen erneut an einem Punkt angelangt, an dem es wachsen oder weichen muss. Die Verhandlungen über eine Erweiterung laufen.

Chef der Wiesecker Werkzeugvermietung:

Windkraft und Flüchtlingswelle

Mit den Anfängen hat die Werkzeugvermietung heute nur noch wenig gemein. Statt Rasenmähern verleiht das Unternehmen heute vor allem Spezialmaschinen, fünf Millionen Euro investiert der Chef pro Jahr. Alleine 600 Arbeitsbühnen gehören zum Fuhrpark. Neben Heinrichs Mut und Geschäftssinn waren es aber auch gesellschaftliche Entwicklungen, die das Unternehmen wachsen ließen. Die riesigen Hebebühnen, die höchste ragt 75 Meter in den Himmel, werden vor allem beim Bau von Windrädern eingesetzt. Und dann kam das Jahr 2015. Tausende Menschen flüchteten aus Kriegsgebieten nach Deutschland. Von dem einen auf den anderen Tag riefen Behörden bei Heinrich an und fragten, ob er innerhalb von 24 Stunden mit Sanitäranlagen ausgestattete Baucontainer liefern könne. "Wir hatten zu jener Zeit sieben Stück. Drei Monate späten waren es 350." Heute weiß Heinrich nicht wohin mit den Containern, sie bieten ihm aber auch neue Möglichkeiten. Dank des Know-hows hat er gerade den Zuschlag erhalten, mit 140 neuen Containern einen Ersatzbau für die zu sanierende Ostschule zu errichten.

Heinrich hat das Unternehmen in den Erfolg geführt - allerdings nicht mit eiserner Härte. Der 59-Jährige betont, wie wichtig ihm das Wohlbefinden seiner Angestellten sei. Er hat von allen Mitarbeitern Fotos im Flur hängen. "Das würde ich nicht machen, wenn sie mich nicht interessieren würden. Ich kenne auch die Geschichten hinter den Gesichtern." Einmal im Monat isst das Team zudem gemeinsam mit den Kunden Pizza auf dem Firmengelände. Die Margheritas kommen aus den eigens dafür gebauten Öfen, die auf einer Vespa installiert sind. Mieten kann man diese fahrenden Pizzaöfen selbstverständlich auch. Im zweiten Stock hat Heinrich zudem einen Fitnessraum einrichten lassen, in dem die Mitarbeiter trainieren können. Eine Pilates-Lehrerin gehört ebenfalls zum Team. Auch der Chef ist regelmäßig beim Sport anzutreffen. "Ich brauche das als Ausgleich. Ich muss den Körper fit halten und den Geist runterfahren. Sonst schaffe ich die Schlagzahl nicht."

Chef der Wiesecker Werkzeugvermietung: Tanzunterricht

Dass der 59-Jährige auch Tanzunterricht nimmt, dürfte vor allem seiner Frau gefallen. Heinrich ist in zweiter Ehe verheiratet. "Ich kannte sie schon einmal, als ich 21 war. Nach meiner Scheidung habe ich sie einfach angerufen. Sie steckte auch gerade in einer Trennung", erzählt Heinrich. Lächelnd fügt er hinzu: "Man kann sich auch mit 50 noch verlieben." Neben seiner leiblichen Tochter aus erster Ehe freut sich Heinrich nun auch über eine Stieftochter und ein Patchwork-Enkelkind. Wenn es ebenfalls eine Leidenschaft für Motoren und Metall entwickeln sollte, dürfte es auf Opas Firmengelände bestens aufgehoben sein.

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