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Die Gegendemonstration fiel größer aus als die eigentliche Mahnwache.

Rechter Hintergrund

Mahnwache mit rechtem Hintergrund am Gießener Bahnhof - Rund 80 Gegendemonstranten

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  • Florian Dörr
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Am Dienstag hat eine Mahnwache vor dem Gießener Bahnhof stattgefunden. Rund 80 Gegendemonstranten waren vor Ort, an der als rechtsgerichtet eingestuften Mahnwache nahmen weit weniger Menschen teil.

Update, 6. August, 17.48 Uhr: Nun hat sich die Mahnwache vor dem Gießener Bahnhof aufgelöst, ebenso die Gegendemonstration. Die erste Bilanz: keine Zwischenfälle, kaum verbale Auseinandersetzungen.

Update, 6. August, 17.38 Uhr: Bei der Gegendemonstration ist von "Doppelmoral" die Rede. Für andere Fälle - etwa das infolge einer Trunkenheitsfahrt einer Deutschen tödlich verletzte Kind - gebe es keine Mahnwachen. "Die Tat wird missbraucht", ist mit Blick auf den in Frankfurt getöteten Jungen zu hören, denn in diesem Fall war der Täter kein Deutscher. 

Der Tenor der Gegendemo: "Gedenken wir aller Kinder, deren Leben genommen wird, und leisten wir gemeinsam Widerstand gegen rechten Hass."

Update, 6. August, 17.15 Uhr: Aktuell sind etwa 15 mutmaßlich rechtsgesinnte Mahnwachen-Teilnehmer vor Ort, außerdem etwa 80 Gegendemonstranten und zehn Polizeiwagen. 

Mahnwache mit rechtem Hintergrund am Gießener Bahnhof - Rund 80 Gegendemonstranten

 © Dörr
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Auf den Aufstellern der Mahnwachen-Teilnehmer steht unter anderem "Kein Opfer wird je vergessen", "Wirsindnichtmehr" und "Wir werden nicht mehr schweigen". Kerzen werden angezündet. Die Teilnehmer "gedenken" einer 34-jährigen Frau, die im Juli in Voerde gestorben war, sowie des in Frankfurt vor einen Zug gestoßenen Jungen. Hinter den Aufrufen zur Mahnwache auf Facebook standen offenbar Menschen mit rechter Gesinnung.

Update, 6. August, 17.05 Uhr: Für 17 Uhr ist die Mahnwache im Zusammenhang mit dem am Frankfurter Hauptbahnhof getöteten Jungen angesetzt, bislang aber ist davon noch wenig zu sehen. Eine Handvoll Personen ist eingetroffen, die laut Polizei dem rechten Hooligan-Milieu zuzuordnen sind. Die Polizei ist mit mehreren Fahrzeugen vor Ort, außerdem rund 50 Gegendemonstranten. Die Lage ist derzeit ruhig.

Erstmeldung, 5. August, 17.07 Uhr: Gießen - Der Tod eines achtjährigen Jungen aus dem Taunus, der vor einer Woche im Frankfurter Hauptbahnhof von einem 40-jährigen, aus Eritrea stammenden Mann vor einen einfahrenden ICE gestoßen wurde, wühlt viele Menschen auf. Im Zusammenhang mit dieser schrecklichen Tat und einem vergleichbaren Verbrechen, dem Ende Juli eine 34-jährige Frau am Bahnhof in Voerde zum Opfer fiel, kursiert seit dem Wochenende im Internet ein Aufruf zur Teilnahme an einer "Mahnwache" am Dienstag ab 17 Uhr auf dem Gießener Bahnhofsvorplatz. 

Die Stadt hat auf Anfrage bestätigt, dass eine entsprechende Veranstaltung bei der Versammlungsbehörde angemeldet worden ist. Ein Thema sei nicht benannt worden, die Zahl der Teilnehmer sei mit bis zu zehn Personen angegeben worden. 

"Kein Opfer wird vergessen. Wir werden nicht mehr schweigen", heißt es unter anderem in dem Aufruf, der auf einer Facebookseite mit dem Titel "WirSindNichtMehr" veröffentlicht wurde. Hinter der Seite stehen offensichtlich Personen mit rechtsextremer Gesinnung, die auf verschiedenen Plattformen, unter anderem dem "Frauenbündnis Kandel" oder der "Leine des Grauens" Straftaten, die von Asylbewerbern bzw. Migranten begangen wurden, thematisieren. 

Geteilt wurde der Aufruf bei Facebook auf von mehreren Administratoren der Gießener Gelbwesten. Die Gruppe hatte ihre öffentlichen Demonstrationen durch Gießen im Frühjahr eingestellt, nachdem der rechtsradikale Hintergrund etlicher Teilnehmer deutlich geworden war. So hatte der erste Sprecher die rechtsextremistischen NPD zur Teilnahme an den Demos eingeladen, sein Nachfolger stand vor dem Amtsgericht Biedenkopf wegen der volksverhetzenden Verunstaltung von Wahlplakaten. Im Internet hatte er Videos mit Reden von Adolf Hitler verbreitet. 

Am frühen Montagabend rief die linksautonome Antfaschistische Revolutionäre Aktion Gießen ebenfalls bei Facebook zum Gegenprotest auf und ordnete die Mahnwache den Gießener Gelbwesten zu. Diese wollten den Tod des Achtjährigen für ihre "rassistische Hetze" instrumentalisieren.

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