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Michael Hofstetter hat mit dem Philharmonischen Orchester des Stadttheaters viele Gießener in seinen Bann gezogen.

Zum Ende des Jahres

Hofstetter verlässt Gießener Stadttheater

Michael Hofstetter, Generalmusikdirektor und hochgeschätzter Dirigent, wird Gießen zweieinhalb Jahre vor Ablauf seines Vertrages zum 31. Dezember verlassen. Nach dem Abgang von Jan Hoffmann nach Dresden ist das der zweite Rückschlag innerhalb weniger Tage für Intendantin Cathérine Miville.

Gießen - Michael Hofstetter beendet früher als geplant seine Tätigkeit als Generalmusikdirektor (GMD) am Stadttheater Gießen. Das Theater und der Dirigent haben sich – laut Pressemitteilung des Theaters – in gegenseitigem Einvernehmen auf eine Vertragsauflösung zum 31. Dezember 2019 verständigt. 

Ursprünglich war das Ende des Vertrages für den 31. Juli 2022 vorgesehen. Für Intendantin Cathérine Miville und ihr Stadttheater ist das die zweite Hiobsbotschaft in wenigen Tagen. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Jan Hoffmann, langjähriger Chordirektor und stellvertretender Generalmusikdirektor des Stadttheaters, für die Spielzeit 2019/20 die Position des 1. Chordirektors an der Staatsoper Dresden übernimmt. Hoffmann werde zwar auch weiterhin am Stadttheater als stellvertretender GMD und musikalischer Leiter tätig sein, hieß es, seine Zeit dafür dürfte aber beschränkt sein. Und jetzt kehrt auch noch GMD Hofstetter dem Theater und seiner Chefin den Rücken. 

Während Miville am Montagabend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, sagte Hofstetter gegenüber der GAZ zu der überraschenden Neuigkeit: "Ich bin Gießen sehr lange treu geblieben, jetzt habe ich andere Pläne für die Zukunft. Näheres möchte ich zum aktuellen Zeitpunkt aber noch nicht erklären." Laut Mitteilung werde er sich in Zukunft verstärkt seinen anderweitigen nationalen und internationalen Verpflichtungen zuwenden. 

Hofstetter verlässt Gießen: letztes Dirigat am Stadttheater im Oktober

Der für sein Können hochgeschätzte GMD wird in der neuen Spielzeit aber in Gießen noch einige Vorstellungen dirigieren: das erste Sinfoniekonzert am 27. August, die Wiederaufnahme von "Le Nozze Di Figaro" am 20. September und die Premiere von Rossinis "Der Barbier von Sevilla" am 14. September sowie die zweite Vorstellung am 22. September. Sein letztes Dirigat im Rahmen seiner Tätigkeit als GMD am Stadttheater wird die dritte Aufführung dieser Oper am 13. Oktober sein. 

Das Stadttheater dankte Hofstetter schon am Montag für seine "hervorragenden künstlerischen Leistungen". Er habe in den mehr als acht Jahren seines Wirkens "sehr wesentlich zur positiven musikalischen Entwicklung" beigetragen. Der Münchner begann seine Karriere an den Theatern in Wiesbaden (Kapellmeister) und Gießen (GMD) und war außerdem Professor für Orchesterleitung und Alte Musik an der Universität Mainz. Als Chefdirigent prägte er von 2005 bis 2012 die Ludwigsburger Schlossfestspiele. Von 2006 bis 2013 war er Chefdirigent des Stuttgarter Kammerorchesters. Im Herbst 2012 kam er erneut als Generalmusikdirektor ans Stadttheater Gießen. Im Fachmagazin "Opernwelt" wurde Hofstetter in der jährlichen Kritikerbefragung mehrmals als "Dirigent des Jahres" nominiert; 2013 für seine Leistungen als Generalmusikdirektor in Gießen.

Unter der Leitung von Michael Hofstetter wurden zahlreiche CDs, u. a. bei OehmsClassics veröffentlicht. Die CD "Rossini: Arien und Ouvertüren" erhielt 2008 den "Orphée du meilleur interprète" der Académie du Disque Lyrique Frankreich, die CD "Hasse reloaded" wurde in die Bestenliste 2012 der Deutschen Schallplattenkritik aufgenommen. 2019 ist bei OehmsClasscis die Ersteinspielung der Operette "Ein Herbstmanöver" von Kálmán mit Hofstetter und dem Philharmonischen Orchester Gießen erschienen. Dieter Oehms, Label-Gründer und einer der wichtigsten Musikmanager im Bereich der Klassik, adelte diese Einspielung vor wenigen Wochen in der "Süddeutschen" in einem Beitrag anlässlich seines Renteneintritts als eine der zehn besten seiner vielen CDs.

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