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Das Amtsgericht in der Ostanlage. Foto: Schepp)

Prozess eröffnet

Frau in Gießen zu sexuellen Handlungen gezwungen

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Ein 19-Jähriger hat die Hilfsbedürftigkeit einer Studentin schamlos ausgenutzt. Vor Gericht schweigt er nun.

Gießen (se). Es war ein Martyrium, das eine 21-jährige Studentin durchmachen musste. Gegen deren erklärten Willen, heißt es in der von Staatsanwalt Christian Bause verlesenen Anklageschrift, habe der Beschuldigte, ein 19-jähriger Eritreer, im März in der Ringallee an der jungen Frau sexuelle Handlungen Art vorgenommen bzw. an sich vornehmen lassen. Dabei hat er die Situation der jungen Frau ausgenutzt und sie seine körperliche Überlegenheit spüren lassen. Erst durch das Eingreifen eines Zeugen und die Unterstützung eines weiteren Mannes sowie einer jungen Frau wurde die Studentin in Sicherheit gebracht. Der Angeklagte ist seit 2016 in Deutschland, sein Asylantrag wurde abgelehnt, es besteht aber eine Aufenthaltserlaubnis bis Mitte nächsten Jahres.

Während er in der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht unter dem Vorsitz von Maddalena Fouladfar keine Aussagen zur Sache machte, schilderte das Opfer detailliert die Geschehnisse in jener Nacht. Nach dem Faschingsumzug am 3. März 2019 in Gießen hatte die Studentin demnach noch ein Lokal aufgesucht, in dem sie sich bis 23.30 Uhr aufhielt. Danach wollte sie nach Hause gehen, doch das erwies sich als schwierig. Zum einen kannte sie sich in Gießen nicht gut aus, zum zweiten war sie alkoholisiert (sie hatte hochgerechnet deutlich mehr als zwei Promille Alkohol im Blut), und zum dritten ist ihre Sehkraft erheblich eingeschränkt: Mit dem rechten Auge kann sich gar nichts wahrnehmen, die Sehstärke des linken Auges liegt bei 40 Prozent.

So nahm sie ihr Mobiltelefon in die Hand, um mit dessen Hilfe den Heimweg zu finden. Das klappte aber nicht, und so irrte sie durch die Stadt. Dabei wurde sie von dem jungen Eritreer angesprochen. Sie habe dem Mann mitgeteilt, dass sie seine Hilfe nicht benötige und auch nicht wolle. Doch damit habe sich dieser nicht zufrieden gegeben.

Nach Faschingsumzug verirrt

Wenig später habe er ihr das Mobiltelefon entwendet, wodurch sie sich hilflos fühlte. Er habe ihr dann mitgeteilt, dass sie das Handy nur zurückerhalten werde, wenn sie sexuelle Handlungen vornehmen bzw. dulden würde."Ich sah darin meine einzige Chance, da rauszukommen", schilderte sie dem Gericht unter Tränen, dass sie den Forderungen des wesentlich stärkeren Mannes nachgegeben habe. "Ich habe alles gemacht, was er will." Doch das Handy hatte sie nicht wieder bekommen. Der Mann wollte aber mehr. Es gab weitere Annäherungen in sexueller Hinsicht.

Abgespielt hat sich das Ganze am 4. März kurz nach Mitternacht in der Ringallee unweit des Schwanenteiches. Als sie versuchte zu schreien, hielt er ihr den Mund zu und schleifte sie durch das Gebüsch unweit der Straße. Allerdings blieben ihre Hilferufe nicht ungehört. Ein 27-jähriger Gießener wurde durch die Rufe auf die Situation aufmerksam. Zwar versuchte der Eritreer, diesen abzuwimmeln: "Was geht das dich an", fragte er. "Das ist meine Freundin!" Doch die Frau wandte sich an ihren Retter: "Bitte helfen Sie mir", rief sie ihm zu. Und so befreite der Mann sie aus dieser Situation. Später nahm sich eine 24-jährige Studentin des Opfers an. Durch den Überfall erlitt die Geschädigte Verletzungen verschiedenster Art. Sie wurde von der herbeigerufenen Polizei ins Uni-Klinikum gebracht.

Der Täter hat ihr nicht nur körperliche Schäden zugefügt, sondern auch seelische. Sie berichtete vom Verlust der eigenen Selbstsicherheit und musste sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. Auch jetzt noch sucht sie regelmäßig die Gießener Opfer- und Zeugenhilfe auf. Und vor allem: Ihre Beziehung ist in die Brüche gegangen. "Das war nicht unerheblich für die Trennung", berichtete die Studentin, die ihr Verhalten in dieser Notsituation irgendwie als Fremdgehen einstufte. Und auch ihr Freund fühlte sich betrogen. "So etwas geht an einer Beziehung nicht spurlos vorbei", stellte die Frau traurig fest.

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