Clara Lösel macht Menschen in der Corona-Krise Mut und appelliert an ihre Solidarität.	FOTO: SCHEPP
+
Clara Lösel macht Menschen in der Corona-Krise Mut und appelliert an ihre Solidarität.

Auf Instagram

Instagram-Hit: Gießenerin will in Corona-Krise Mut machen

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
    schließen

Clara Lösel hat in den sozialen Medien ein Video veröffentlicht, in dem sie für Solidarität wirbt . Der Text, den sie vorträgt, hat einen Nerv getroffen: Der achtminütige Beitrag verzeichnet über 40 000 Aufrufe auf Instagram.

Gießen - Clara Lösel lächelt leise in die Kamera und sagt: »Hey, das ist für dich.« Und dann fängt ihre Stimme an zu tanzen. In einem sanften Rhythmus nimmt sie ihre Zuhörer an die Hand und lässt sie für atemlose acht Minuten und 20 Sekunden nicht mehr los. In dieser Zeit ist da sehr viel Wärme und Hoffnung - und das in einer Zeit, in der sich viele am liebsten unter ihrer Bettdecke verkriechen würden. Die 21 Jahre alte Gießenerin hat einen Poetry-Slam-Text auf der Social-Media-Plattform Instagram geteilt und damit einen Nerv getroffen: Das Video, in dem sie Mut macht, Danke sagt und zu Solidarität in der Corona-Pandemie aufruft, verzeichnet nach wenigen Tagen über 40 000 Aufrufe. »Ich will zeigen, was wir in dieser Zeit machen können, und appellieren, dass wir nicht die gleichen Ansprüche an uns haben müssen wie 2019«, sagt sie.

Lösel ist gebürtige Gießenerin - und das sehr gerne. »Ich liebe diese Stadt«, sagt sie. Die junge Frau studiert an der Justus-Liebig-Universität Deutsch und Spanisch auf Lehramt und hat ein Unternehmen gegründet. Hier will sie als Mental-Trainerin junge Menschen motivieren. Geschrieben, erzählt sie, habe sie schon immer. Ihr Großvater habe ihr viele Geschichten erzählt und ihr später dabei geholfen, ihre eigenen Geschichten aufzuschreiben. 2017 entdeckte sie die Kunstform des Poetry-Slams. »Dort gibt es nur dich und deine Gedanken«, sagt Lösel.

Den Gedanken, dieser merkwürdigen Zeit etwas Positives entgegenzusetzen, hatte Lösel schon länger. Der Text, den sie dann schrieb, sei entgegen ihrer Gewohnheit spontan entstanden. Zwei Abende habe sie daran geschrieben, erzählt sie. Nachdem Lösel ihn anschließend ihren Eltern vorgelesen hatte, feilte sie noch einen weiteren Abend an den Feinheiten. Dann veröffentlichte sie ihn auf Instagram. Er ist schlicht mit »Support für Gießen« überschrieben.

Lösel spricht über die Gießener Gastroszene und bittet darum, die Gastwirte nicht alleine zu lassen, sondern bei ihnen Essen zu bestellen oder Gutscheine zu verschenken. Zahlreiche Bars, Imbisse und Restaurants zählt sie dabei auf und bittet um Verständnis, das nicht alle namentlich genannt werden können. »Es wäre nicht das Gleiche, wenn die bald alle fehlen«, sagt sie.

Dann gibt Lösel Tipps, wie man die Zeit in Quarantäne nutzen kann: Einkaufen für Risikopatienten, der Kulturszene helfen, den Mitgliedsbeitrag vom Fitnessstudio weiterzahlen oder Blut spenden. Das sind alles keine großen Dinge, klar. Aber Lösel betont: »Für dich bleibt alles gleich, aber für irgendwen alles anders.« Sie nennt die Post- und Paketboten, die in der Lockdown- und Weihnachtszeit Schwerstarbeit leisten. Einfach mal fragen, wie es ihnen geht, eine Tüte Plätzchen übergeben - »das ist alles eine große Geste und ein kleiner Schritt«.

Instagram-Hit von Gießenerin: Tipps und Appell

Lösel sagt Danke, »das war mir besonders wichtig«, betont die 21-Jährige: Sie nennt Ärzte, Lehrer, Unternehmer, Pfleger, Erzieher, Politiker, »Maskenträger, Rettungswagenfahrer und Verwalter der Impfstoffkühllager«. Sie wirbt um Verständnis, wenn diese Menschen Fehler machten. Aber gelernt habe die Bewältigung einer solchen Krise niemand, und doch gebe jeder der Genannten sein Bestes. An ihre Zuschauer appelliert sie, »auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen«. Wer in 25 Jahren auf 2020 zurückblicke, wird nicht sagen wollen, er habe nichts getan: »Suche dir eine Sache aus, mit der du heute startest.«

Lösel hat die Hoffnung, dass die Menschen nach der Pandemie viel mehr zu schätzen wissen, was vorher als selbstverständlich galt. Ihre einfache und eindringliche Botschaft: Wirklich jeder kann den Unterschied ausmachen. Gleichzeitig will sie die Kreativität von Menschen in der Krise würdigen, wenn diese zum Beispiel Lieferservice oder Onlinekurse anbieten. Die unzähligen positiven Reaktionen auf das Video haben die 21-Jährige überwältigt. »Ich bin sonst gut mit Worten, aber da fehlen sie mir«, sagt sie.

Eigentlich würde Lösel gerade in den USA ein Auslandssemester absolvieren. Wegen Corona - dieses Wort sagt sie in ihrem Video übrigens kein einziges Mal - ist das nicht möglich. Stattdessen hat sie in ihrem Zimmer ein acht Minuten und 20 Sekunden langes Video aufgenommen. Lösel sagt: »Ich glaube, dass alles aus irgendeinem Grund passiert und für irgendetwas gut ist.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare