Hundefreundin

Gießenerin Sabine Hofmann hat ein großes Herz für Tiere

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Sie ist keine, die es in die erste Reihe drängt. Sabine Hofmann macht nicht viel Aufhebens von sich, dabei ist die 73-Jährige eine in vielerlei Hinsicht starke Frau, die viel zu erzählen hat.

Zur Begrüßung kommt ein großer Vierbeiner um die Ecke, fröhlich mit dem Schwanz wedelnd heißt die Hündin den Besuch willkommen. "Unsere Pina", stellt Sabine Hofmann vor. Was nicht ganz korrekt ist, denn die 73-Jährige besitzt keinen eigenen Hund, er gehört zur Familie der Tochter.

Und damit sind wir schon mitten im Thema: Sabine Hofmann hat in den vergangenen Jahren sehr oft Hunde beherbergt: Hunde von Freunden und Verwandten während der Ferien und immer wieder Hunde aus dem Tierschutz, die vorübergehend ein Zuhause brauchten. "Meine Frau hat ein großes Herz für jedes Tierchen dieser Welt", sagt Günter Hofmann und lacht. "Aber zum Glück auch für Menschen", ergänzt der Ehemann. Er muss es wissen, denn die Hofmanns feiern in diesem Jahr goldene Hochzeit.

Sie leben in einem schönen Haus mit einem großen, gepflegten Garten, in dem es jetzt im Frühling üppig grünt und blüht. Tochter Silke mit Mann, drei Kindern und Hund wohnt in der Nähe, Sohn Christoph, der in Konstanz lebt und zwei Kinder hat, kommt ebenfalls regelmäßig zu Besuch. Das Paar hat einen großen Freundeskreis, ist sportlich, vielseitig interessiert und gerne unterwegs. Ein ausgefülltes Rentnerdasein - und doch fährt Sabine Hofmann zwei- bis dreimal in der Woche ins Tierheim. Ihr ist diese Arbeit wichtig, eine Herzensangelegenheit. Seit 14 Jahren ist sie die "gute Seele" des Büros. Die Ehrenamtlichen am Telefon sind für viele Menschen, die beim Tierschutzverein anrufen, die Ansprechpartner Nummer eins. Darüber könnte Sabine Hofmann ein Buch schreiben: über viele nette, sympathische und interessante Gesprächspartner. Und über unverschämte, dreiste Anrufer. "Wir haben die ganze Bandbreite", sagt Sabine Hofmann. Ihr oberster Grundsatz ist es, ruhig und sachlich zu bleiben. Auch wenn jemand erbost anruft, weil seine vom Tierschutzverein vermittelte Katze das Sofa zerkratzt, wenn der Hund nicht stubenrein wird oder wenn jemand sein Tier abschieben will, weil er kein Interesse mehr daran hat. "Wenn man sich seine Verärgerung anmerken lässt oder die Leute offen kritisiert, riskiert man, sie zu verlieren - und das geht in der Regel zulasten des Tieres", weiß Hofmann. "Man muss im Gespräch bleiben".

Sie hat in den vergangenen Jahren häufig ihre Erfahrung an andere Ehrenamtliche weitergegeben und sie geduldig eingearbeitet. Die Neuen profitieren von ihr, so wie sie in ihrer Anfangszeit von Marianne Köhler profitiert hat, die ebenfalls eine sehr engagierte Pensionärin war.

Der Bürojob macht nur einen Teil ihres Ehrenamts aus. Sabine Hofmann pflegt die Blumenrabatten im Tierheim, es gibt kein Fest und keine Aktion ohne ihre selbst gebackenen Kuchen und ihre helfenden Hände, sie übernahm zeitweise die Besuchsfahrten zu vermittelten Hunden, um sich deren neues Zuhause anzuschauen, und sie ist eine unermüdliche Werberin um Spenden für den Tierschutzverein. Wenn diese zierliche, feine und freundliche Frau ihr Anliegen vorträgt, ist es schon sehr schwer, die Unterstützung zu verweigern…

Von der zarten Erscheinung der 73-Jährigen sollte man sich aber nicht täuschen lassen. "Sie ist eine starke Persönlichkeit, die mit beiden Beinen im Leben steht", sagt eine Kollegin aus dem Tierheimbüro. "Sie ist mutig, hilfsbereit und ehrlich." Apropos hilfsbereit. "Ich kann nicht gut Nein sagen", sagt Sabine Hofmann über sich. Und ja, sie lasse sich schnell etwas aufladen. "Aber es ist ja trotzdem meine Entscheidung. Ich müsste es ja nicht", sagt sie. Und ganz sicher würde sie es nicht tun, wenn sie nicht auch Freude daran hätte. Eine Bereicherung für alle Beteiligten waren zum Beispiel die Seniorennachmittage im Tierheim, die Sabine Hofmann organisiert hat. Sie lud Senioren aus verschiedenen Pflegeheimen ein, einen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen in der Vixröder Straße zu verbringen und dabei einige der vierbeinigen Bewohner kennenzulernen. "Wenn die alten Leute eine Katze streichelten oder einen kleinen Hund auf dem Schoß hatten, begannen sie, von früher zu erzählen, das war immer sehr anrührend", schildert die 73-Jährige.

Wenn die Seniorin Tierquälerei und Tierelend erlebt, so geht ihr das nahe, es beschäftigt sie lange. Deshalb ist sie froh, dass die Vierbeiner im Tierheim bestens versorgt werden. "Sie haben es gut dort." Das sah in den Anfängen des Gießener Tierschutzvereins noch ganz anders aus. In den 60er-Jahren gab es Am Throms Garten in der Nähe des Bergwerkswalds zwei Bretterbuden namens "Franziskushütte", in der Tierschützer sich um verwahrloste Tiere kümmerten. Dorthin ging Sabine Hofmann schon als Kind, um mit einem alten Zausel namens Franzel spazieren zu gehen. Wenig später durfte sie einen eigenen Hund haben. Das war ein großes Glück für das Mädchen, ein Herzenswunsch ging in Erfüllung. Der Mischling Wasti blieb 13 Jahre lang an ihrer Seite. Auch als Erwachsene hatte sie immer Hunde: einen Boxer, und auch mal einen Dackel. Später hat sie sich dann dazu entschieden, immer mal wieder Hunden auf Zeit ein Zuhause zu geben. "Das hat mir immer große Freude gemacht." Sabine Hofmanns Eltern stammen aus Ostpreußen, sie selbst ist in Gießen aufgewachsen. Nach dem Schulabschluss war sie im Büro des Fachbereichs Physik der Universität tätig, 1968 lernte sie ihren Mann Günter kennen. Nach der Heirat und der Geburt der beiden Kinder war sie nicht mehr erwerbstätig. Doch als die Kinder flügge wurden, wollte sie zurück in den Job. Da sie durch die lange Familienzeit beruflich nicht auf dem neusten Stand war, entschied sie sich für einen Kurs zum Wiedereinstieg, der ein Dreivierteljahr dauerte.

Dabei lernte sie nicht nur fachlich viel, sondern bekam auch Einblicke in eine für sie fremde Lebenswelt. Sie lernte Frauen kennen, die in ihrer Ehe häusliche Gewalt erfuhren, die alleinerziehend waren oder ein Alkoholproblem hatten. "Die mussten um ihre Existenz kämpfen", erinnert sie sich. Im Gegensatz zu diesen Frauen führte sie ein behütetes, privilegiertes Leben. "Diese Erfahrungen haben mich dankbarer und demütig gemacht." Zudem bescherte ihr diese Zeit Freundschaften, die bis heute halten - und zudem lustige Erinnerungen. "Manchmal haben wir alle drei gebüffelt - die Kinder für die Schule und ich für meinen Kurs. Ich habe mir Spickzettel gebastelt wie die anderen auch", erzählt sie und lacht. Offenbar haben sie etwas gebracht; nach Abschluss des Kurses bekam sie sofort einen Job an ihrem alten Arbeitsplatz am Institut für Physik, wo sie bis zur Rente tätig war.

Sabine Hofmanns Familie hat ihr großes Engagement für den Tierschutz immer mitgetragen. Zu ihrer großen Freude begegnen auch ihre Kinder und Enkel Tieren mit liebevollem Respekt. "Darauf bin ich stolz", sagt sie und strahlt. Hündin Pina findet das offenbar völlig selbstverständlich. Sie hält ein Nickerchen auf dem Rasen und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen.

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