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Hauptzollamt

Gießener Zoll: Teilumzug auf Gail-Gelände

  • Burkhard Möller
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Das Gießener Hauptzollamt in der Grünberger Straße bietet zu wenig Platz. Einige Abteilungen gehen deshalb jetzt auf ein traditionsreiches Areal im Erdkauter Weg.

Gießen(mö). Gelbe Umzugs-Lkw stehen auf dem Hof, Mobiliar wird in das langgestreckte Bürogebäude transportiert, dahinter steht eine Reihe Bürocontainer, provisorische Parkplätze sind abgekreidet worden. Rund um die frühere Verwaltung der Gail’schen Werke im Erdkauter Weg 50 bis 52 herrscht seit Wochenbeginn rege Betriebsamkeit. Einige Arbeitsbereiche des Hauptzollamtes, das in der Grünberger Straße sitzt, ziehen ins Schiffenberger Tal um.

Laut einer Mitteilung des Zolls sind hauptsächlich die Arbeitsbereiche für die Erhebung von Steuern und Zöllen sowie der Prüfungs- und Steueraufsichtsdienst betroffen. Weil beim Umzug teilweise die IT-Infrastruktur und die Telefonleitungen abgeschaltet werden, kann es zu Einschränkungen in der Erreichbarkeit der Behörde kommen. Durch den Personalzuwachs, den das Amt in den letzten fünf Jahren erfahren hat, seien die Gebäude in der Grünberger Straße und in der Bahnhofstraße zu klein geworden. Zudem ist das Gebäude in der Bahnhofstraße stark renovierungsbedürftig. Diese Liegenschaft gibt der Zoll ganz auf. Am Hauptsitz in der Grünberger Straße verbleiben die Leitung und die Personalabteilung sowie die Bereiche Organisation und Haushalt mit der Zahlstelle. Nicht betroffen sind die Kfz Steuer-Stelle des Hauptzollamtes in der Friedrich-List-Straße 25 und die Finanzkontrolle Schwarzarbeit in der ehemaligen Bergkaserne.

Ansonsten hat sich auf dem riesigen Gail-Gelände, das Anfang 2018 von der Piräus-Bank an die Berliner Intown-Gruppe verkauft wurde, nichts getan. In der 17,5 Hektar großen Industrieruine lagern Unmengen an Bauschutt und anderer Abfall in Hallen und Höfen. Auch das denkmalgeschützte historische Verwaltungsgebäude an der Hauptzufahrt verfällt zusehends, die Fenster sind eingeworfen, überall prangen Grafittis. Das frühere Comptoirgebäude und Wohnhaus wurde 1892 von Wilhelm Gail errichtet und steht in der Bautradition des Historismus - noch.

Im Hintergrund indes laufen zwischen Stadt und Eigentümer weiterhin Gespräche über eine neue Nutzung des Geländes. Aktuell wartet das Stadtplanungsamt laut dessen Leiter Dr. Holger Hölscher auf einige Gutachten zu den Themen Lärm und Geruch. Mit der Vorlage eines Bebauungsplans wird es nach Einschätzung von Hölscher aber noch dauern.

Als Intown vor zweieinhalb Jahren zugriff und das Areal erwarb, war von einem Gewerbe- und Logistikpark die Rede. Nutzungen wie großflächiger Einzelhandel und Wohnen schließt die Stadt an diesem historischen Industriestandort aus. Zumal sich in der Umgebung Müllverbrennungs- und -sortieranlagen angesiedelt haben.

Die Gebäudezeile, in der sich der Zoll eingemietet hat, hatte sich beim Verkauf des Geländes ein Unternehmer aus dem Lahn-Dill-Kreis gesichert. Größter Mieter ist ein Fitnessstudio.

Die neue Dienststelle des Zolls soll ab Freitag unter der zentralen Rufnummer 06 41/96 995-000 telefonisch erreichbar sein. Grundsätzlich ist das Hauptzollamt über die Telefonzentrale unter 06 41/9484-0 erreichbar.

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