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Gießener Weihnachtsmarkt mit wenigen Lücken

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Erstmals bleibt der Gießener Weihnachtsmarkt auch nach den Feiertagen geöffnet. Nicht alle Budenbetreiber nutzen dieses Angebot. Wer ging, wer blieb? Und was sind die Gründe?

Durch das vorgelagerte Wochenende wirkte Weihnachten in diesem Jahr besonders lang. Kein Wunder, dass viele Gießener am Donnerstag wieder unter Leute kommen wollten. Auch in der Fußgängerzone herrschte reges Treiben. Wer Geschenke umtauschen oder Gutscheine einlösen wollte, konnte sich den Gang in die Stadt gleich mit einer Portion gebrannter Mandeln versüßen. Denn der Weihnachtsmarkt hat erstmals bis Sonntag geöffnet. Von den rund 70 Budenbetreibern haben 50 dieses Angebot angenommen – und dafür auch eine Zusatzgebühr gezahlt.

Dazu gehört auch André Lotz, der an seinem Stand vor Köhler einer Kundin gerade einen Glühwein reicht. Ob sich die Extraschicht lohnen wird, vermag er vor dem Wochenende noch nicht zu sagen. Die vom Stadtmarketing getroffene Entscheidung begrüßt er aber. "Es ist doch gut, nach 40 Jahren mal etwas Neues auszuprobieren." Das Schausteller-Urgestein kann sich für die kommenden Jahre auch vorstellen, den Markt schon früher zu öffnen, zum Beispiel direkt nach Totensonntag. "Es gibt bundesweit viele Beispiele, dass das klappen kann."

Wirtschaftliche und familiäre Gründe

Wie Lotz sind auch die meisten anderen gastronomischen Anbieter geblieben. Nur vereinzelt wurden diese Buden abgebaut, zum Beispiel, weil die Betreiber bereits bei anderen Festen erwartet wurden. Die meisten der insgesamt recht wenigen Lücken resultieren aus dem Abzug der Kunsthandwerker. Kein Wunder: Mit ihren Kerzen, Tassen oder Holzbrettchen versorgen sie vor allem Menschen, die auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk sind. "Der Stand macht nach Weihnachten keinen Sinn mehr"; sagt daher auch die junge Frau, die am Freitag noch im Töpfereistand vor TK Maxx ausharrte. Am Donnerstag klafft an dieser Stelle eine Lücke.

Axel Lührmann hat seinen Stand mit Holzarbeiten ebenfalls abgebaut. Allerdings nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, wie er sagt. "Ich mache das alles selber und bin daher seit Oktober im Dauerstress. Irgendwann ist es auch mal gut. Meine Familie will auch ein wenig Zeit mit mir verbringen."

Es gibt sie aber auch, die Kunsthandwerk-Verkäufer, die ihre Ware auch nach Weihnachten noch anbieten. Zum Beispiel Günter Klingelhöfer. "Ein Abbau am 23. wäre mir zu aufwendig gewesen." Ein großes Geschäft erhofft er sich mit seinem Schmuck, den Vasen und Co. aber nicht mehr. "Ich war schon auf anderen Weihnachtsmärkten, die zwischen den Jahren geöffnet hatten. Meist hieß es da: Zeit absitzen." Allerdings seien diese Weihnachtsmärkte außerhalb der Fußgängerzone gewesen. Nicht ausgeschlossen also, dass in Gießen doch noch die ein oder andere Kette über die Ladentheke wandert.

Lücken am Kirchenplatz

Am Kirchenplatz fallen die Lücken bzw. geschlossenen Buden deutlich ins Auge. Coffee One zum Beispiel ist nicht mehr da. Als Gründe nannten die Chefs das bescheidene Wetter, die zu spät kommunizierte Möglichkeit der Verlängerung sowie die fehlende Manpower. Auch die von den Schulen betriebenen Kunsthandwerk-Buden sind am Donnerstag geschlossen. Dass der Christbaum-Verkauf ebenfalls verschwunden ist, dürfte wohl am wenigsten überraschen.

Ein abschließendes Fazit wollen die verbliebenen Anbieter erst nach dem Wochenende ziehen. Und auch Stadtmarketing-Chef Tilman Bucher will mit seinem Resümee noch warten. "Wir werden uns Anfang des neuen Jahres zusammensetzen und das Konzept analysieren." Stand jetzt könne er sich aber gut vorstellen, dass es auch 2019 einen verlängerten Weihnachtsmarkt gibt, sagt Bucher. "Wir sind ja ohnehin dabei, einiges zu verändern."

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