Der Prozess am Landgericht Gießen wird fortgesetzt. FOTO: KHN
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Der Prozess am Landgericht Gießen wird fortgesetzt. FOTO: KHN

Gießener wegen versuchter Vergewaltigung vor Gericht

  • vonConstantin Hoppe
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Gießen(con). Ein 29-jähriger Gießener soll am 13. März versucht haben, am Schwanenteich eine Frau zu vergewaltigen. Passanten hörten ihre Hilferufe und konnten sie retten. Seit Freitag muss sich der Gießener nun vor dem Landgericht wegen versuchter Vergewaltigung verantworten. Am ersten Verhandlungstag hüllte sich der Beschuldigte - ein Vater von zwei Kindern - in Schweigen. Dafür machten einige Zeugen ihre Aussagen.

"Ich war an diesem Abend mit meinem Freund unterwegs. Wir hatten uns gestritten, weil er noch in der Stadt etwas trinken gehen wollte, ich aber nicht", berichtet die 28-jährige Geschädigte. Mehrfach muss sie Pausen einlegen, Tränen rollen über ihr Gesicht, als sie weiterspricht: "Ich bin dann alleine nach Hause gegangen. Als ich am Schwanenteich vorbeikam, wurde ich plötzlich von hinten gepackt, hochgehoben und weggeschleppt." Der 29-Jährige trug sie hinter einen Verteilerkasten, zog trotz ihres Widerstands ihre Hosen herunter. "Im ersten Moment habe ich gar nicht realisiert, was passiert, aber dann habe ich mich gewehrt und um Hilfe geschrien", sagt sie.

Später erschien ihr das Verhalten des Angreifers merkwürdig: "Ich hatte das Gefühl, dass er mir nicht wehtun wollte, das war schon seltsam. Er hat nur immer wieder gesagt, ich soll ruhig sein und nicht schreien." Durch ihre Schreie jedoch wurden mehrere Passanten auf ihre Lage aufmerksam und halfen ihr.

Einige riefen die Polizei, ein Pärchen schritt direkt ein. "Ich war mit meiner Freundin und dem Hund gerade unterwegs, als wir plötzlich einen Schrei gehört haben", berichtet ein 29-jähriger Gießener. "Ich habe ihn mit aller Kraft von der Frau weggezogen und versucht ihn festzuhalten, bis die Polizei eintraf." Das klappte auch, nachdem ein 23-Jähriger zur Hilfe eilte.

Über die familiären Verhältnisse des Angeklagten sagt dessen Ehefrau aus. Bei ihrer Vernehmung durch die Polizei gab sie an, ihr Mann habe versucht, auch sie zu vergewaltigen. Davon will sie vor dem Landgericht nichts mehr wissen: "Die Polizisten müssen mich da falsch verstanden haben", sagt sie. Auch sonst ist sie bestrebt, ihren Ehemann in einem guten Licht zu präsentieren: "Er war immer liebevoll und hat sich um mich und meine Kinder gekümmert." Auch sei er ihr gegenüber niemals gewalttätig geworden, beteuert die 30-Jährige mehrfach.

Doch gerade da wird Richterin Sonja Robe aufmerksam: Denn 2018 wurde der Beschuldigte in die Vitos-Klinik gebracht, weil er seine Frau geschlagen und gewürgt haben soll. Anfang 2020 ist sie schließlich aus der gemeinsamen Wohnung aus- und zu ihren Schwiegereltern gezogen: "Ich hatte Angst vor ihm", sagte sie damals. Aber die Frage der Richterin, warum sie denn Angst vor ihm habe, wenn er ihr nie etwas getan habe, bleibt unbeantwortet.

Für die Geschädigte hat die Tat bis heute Auswirkungen: Sie ist aus Gießen weggezogen, und auch die Beziehung zu ihrem damaligen Freund ging in die Brüche.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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