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So wie hier an der Theodor-Litt-Schule war die gesamte Stadt Gießen vom Unwetter betroffen. (Foto: Friedrich)

Unwetter-Nachlese

Gießener Unwetter-Bilanz: Zehn Minuten Weltuntergang

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Ein heftiges Unwetter hat ganz Gießen am Donnerstag für einen Moment lahmgelegt. Die Bilanz einer Stadt im Schleudergang.

Das war heftig: Mit unglaublicher Gewalt ist am Donnerstagnachmittag ein Unwetter über die Stadt Gießen gezogen. Plötzlich wird es düster. Regen peitscht auf die Fensterbänke. Der Sturm drückt mit Gewalt gegen die Scheiben. Im Büro wähnt man sich für einen Moment wie in einer Autowaschanlage. Draußen wütet das Unwetter. Hagelkörner prasseln auf die Straßen, der heftige Sturm knickt Bäume ab, bricht Äste aus den Kronen, die Autos zerdeppern und Straßen versperren.

Der Quellgarten im Stadtpark ist verwüstet. In der Rodheimer Straße droht ein Baugerüst einzustürzen. Die Krofdorfer Straße ist verstopft. Bahnverbindungen sind unterbrochen. Etwa 50 Goetheschüler stranden nach einem Ausflug in die Lochmühle auf dem Bahnhof Butzbach. Die Schranken an den Bahnübergängen in der Licher Straße, im Alten Steinbacher Weg und im Aulweg sind gestört und bleiben lange geschlossen. Die Feuerwehr steckt fest.

135 Einsätze für die Feuerwehr

Andernorts laufen Keller voll, Straßenzüge überfluten. In ein Haus in der Bahnhofstraße dringt der Regen sogar durch die geschlossenen Fenster ein. Laut Wetterdienst fallen in nur einer Stunde 22 Liter Regen pro Quadratmeter. Nach zehn Minuten ist der Spuk vorbei. Im Polizeipräsidium werden in der Folge 80 Einsätze gezählt, die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. "Wir haben bisher 97 Einsätze im Stadtgebiet, von Rödgen über Wieseck und Kleinlinden bis zum Schiffenberger Tal ist alles dabei. Vornehmlich sind es Sturmschäden, an etwa 60 Bäumen. Bei etwa zehn Einsätzen gab es teilweise schwere Gebäudeschäden", sagt Feuerwehrchefin Martina Klee um 19.11 Uhr, knapp drei Stunden nach Beginn des Unwetters. Erst um 23 Uhr war der Normalbetrieb wieder hergestellt und der Großteil der Arbeiten erledigt. Am Ende waren es 135 Einsätze im Stadtgebiet.

In der Burggartenstraße und im Tulpenweg wurden zwei Hausdächer abgedeckt, zudem zehn Fahrzeuge beschädigt. "Wasserschäden sind eher weniger zu verzeichnen", bilanziert Klee. Neben der Feuerwehr Gießen mit etwa 120 Einsatzkräften sind das THW sowie Einheiten aus acht Kreiskommunen und dem DRK mit weiteren 100 Personen im Einsatz. Hart hat es auch den Botanischen Garten getroffen. "Wir müssen bis auf Weiteres schließen", sagt Leiter Holger Laake. "Zwei Bäume sind komplett umgefallen, in nahezu allen anderen haben wir Astbruch. Wir werden nicht öffnen können, bevor wir das nicht aufgearbeitet haben", sagt er. Das kann dauern. "So wie es in der Stadt aussieht, werden die Baumpfleger in den nächsten Wochen ausgebucht sein. Wir haben nicht so viele, die in 30 Metern Höhe herumklettern können."

Wasser läuft schnell wieder ab

Erleichterung stellte sich indes bei Clemens Abel ein, dem Leiter der Mittelhessischen Wasserbetriebe. "Dass Straßenzüge unter Wasser standen, lag nicht daran, dass Kanalleitungen zu klein oder Sinkkästen zu verdreckt waren", sagt er. Nach dem ersten Regenguss habe sich auf vielen Gullys Laub gesammelt und den Abfluss des zweiten Starkregens verhindert. "Wir haben an unserem Sitz in der Alicenstraße zwei Gullys gereinigt und gesehen, dass das Wasser sehr schnell verschwunden ist. Leider können wir 14 000 Gullys aber nicht in zehn Minuten vom Laub befreien", erklärte Abel.

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