Die Uni Gießen hat die Doktorarbeit von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) überprüft. Der Kanzleramtsminister darf seinen Titel behalten.
+
Die Uni Gießen hat die Doktorarbeit von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) überprüft. Der Kanzleramtsminister darf seinen Titel behalten.

Politik

Uni Gießen sieht „keine Täuschungsabsicht“ in Dissertation: Helge Braun (CDU) behält Doktortitel

  • Alexander Gottschalk
    VonAlexander Gottschalk
    schließen

Eine Prüfungskommission der Universität Gießen entlastet Kanzleramtschef Helge Braun, findet in seiner Doktorarbeit aber formale Fehler.

Gießen – Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat nach ihrer Überprüfung der Doktorarbeit von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) „keine Täuschungsabsicht“ festgestellt. Am heutigen Mittwoch (02.06.2021) teilte die JLU mit, das Prüfverfahren, das der heimische Bundestagsabgeordnete mit angestoßen hatte*, sei abgeschlossen. Gemäß der Empfehlung der Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis komme der Entzug des Doktortitels in Brauns Fall „nicht in Betracht“.

Gießener Uni: Vorwürfe gegen Helge Brauns Doktorarbeit erhärten sich nicht

Der heute 48 Jahre alte Mediziner promovierte 2007 mit einer Forschungsarbeit zum Einfluss intraoperativer Tachykardien (Herzrasen während einer Operation) auf die postoperative Prognose. Vorwürfe, nach denen Braun Teile davon aus einer Vorpublikation, an der er selbst mitgearbeitet hatte, unrechtmäßig übernommen haben soll, erhärteten sich nicht. Die Kommission habe allerdings formale Fehler in der Dissertation des bekannten CDU-Politikers gefunden. Diese seien zu korrigieren.

Anfang des Jahres hatte die JLU Hinweise bekommen, die Zweifel an Helge Brauns Doktorarbeit gesät hatten. Die Überprüfung lief in einem standardisierten Verfahren ab, in dem neben dem heutigen Spitzenpolitiker auch Zeugen Stellung nahmen. Es stand der Verdacht im Raum, „substanzielle Ergebnisse“ der Doktorarbeit seien vor deren Erscheinen bereits in der Publikation „Intra-operative tachycardia and peri-operative outcome“ (Hartmann et al. 2003) veröffentlicht worden. Zudem prüfte die Kommission, ob Textpassagen mit anderen Dissertationen der damaligen Arbeitsgruppe übereinstimmten.

Uni Gießen: Helge Braun (CDU) muss Passagen seiner Doktorarbeit korrigieren

Laut Mitteilung kamen die Prüfer zu dem Ergebnis, dass Helge Braun die Ergebnisse der Vorpublikation „selbstständig weiterentwickelt und verfestigt“ habe. Der ausgebildete Anästhesist war laut Uni Mitautor der fraglichen Hartmann-Abhandlung, die er Zeugen zufolge „in ganz überwiegender Weise“ selbst erstellt habe. Ihre Erkenntnisse beruhten „maßgeblich“ auf Brauns Arbeit. Allen Beteiligten sei bekannt gewesen, dass die Vorpublikation im Nachgang in seine Doktorarbeit münden sollte. Das Vorgehen sei „seinerzeit geübte Praxis in der damaligen Arbeitsgruppe“ gewesen.

Der heutige Gießener Bundestagsabgeordnete habe in seiner Dissertation „ausdrücklich auf die frühere Publikation“ hingewiesen und mitgeteilt, dass „Auszüge der in dieser Arbeit vorgestellten Untersuchungen und Ergebnisse“ darin bereits erschienen seien. Im Erst- und im Zweitgutachten sei die Hartmann-Abhandlung thematisiert worden. Damit könne „eine Täuschungsabsicht, die Voraussetzung für den Entzug des Doktortitels wäre, ausgeschlossen werden“, betonte der Kommissionsvorsitzende, Martin Gutzeit. „Da aber detaillierte Einzelnachweise zu der früheren Publikation an einigen Stellen fehlen, liegt insoweit ein wissenschaftliches Fehlverhalten gemäß Satzung vor.“

Uni Gießen: Helge Braun (CDU) hat sechs Monate Zeit für Korrekturen

Die Gießener Uni fordert Helge Braun deshalb auf, seine Doktorarbeit an den betroffenen Stellen zu korrigieren. Dies gelte auch hinsichtlich „der marginalen textlichen Übereinstimmungen im Methodenteil der Arbeit“. Der viel beschäftigte Kanzleramtschef hat für die Korrekturen sechs Monate Zeit. Joybrato Mukherjee, Präsident der JLU, zeigte sich in einer Mitteilung zufrieden mit dem Verfahren: „Wir verfügen an der JLU über standardisierte und bewährte Verfahren, um die Einhaltung der Standards guter wissenschaftlicher Praxis in jeder Hinsicht zu sichern.“ Die Kommissionsmitglieder hätten sich ebenso wie die Ombudsperson „eingehend und gewissenhaft mit dem Fall“ beschäftigt. Mukherjee hatte als Uni-Präsident das letzte Wort und folgte mit Brauns Entlastung der Empfehlung der Kommission. (ag/red)  *giessener-allgemeine.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare