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Über 100 Jahre alt sind die historischen Gebäude der Uni-Tiermedizin. Der Denkmalschutz spielt eine große Rolle bei der geplanten Umstrukturierung in den nächsten Jahren. ARCHIVFOTO: SCHEPP

Tiermedizin

Gießener Tiermedizin wird modernisiert

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Der Bebauungsplan sieht für das Gelände in der Frankfurter Straße Abrisse, Neubauten und Sanierungen vor

Gießen(kw). Nach der lang ersehnten Fertigstellung der Kleintier- und Vogelklinik plant die Justus-Liebig-Universität die weitere Umgestaltung ihres Veterinärmedizin-Campus. Auf der beengten Fläche an der Frankfurter Straße ist eine Reihe von Abrissen, Neubauten und denkmalgerechten Sanierungen vorgesehen. Was wann finanziert werden kann, ist indes noch völlig offen. Den Entwurfsbeschluss jedenfalls für den entsprechenden Bebauungsplan "Veterinärklinik II" hat die Stadtverordnetenversammlung jetzt einstimmig gefasst.

Die zahlreichen Pannen beim Neubau der Kliniken für Kleintiere und für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische hatten die Modernisierung der teilweise maroden Gebäude über Jahre blockiert. In drangvoller Enge hangelten sich die Tiermediziner mit Provisorien durch. Nach über acht Jahren Bauzeit und einer Kostensteigerung von 70 auf 89 Millionen Euro (die GAZ berichtete) wird die Klinik in diesen Tagen bezogen, dank ihrer Tiefgarage entspannt sich die Parkplatzsituation.

Der Weg ist nun frei für die schrittweise Umstrukturierung des gesamten Campus. Damit wolle die Uni "den Fachbereich an die gestiegenen Anforderungen in den Bereichen der Tierheilkunde sowie Forschung und Lehre anpassen und somit zukunftsfähig ausrichten", steht in der Begründung des Entwurfsbeschlusses. Etwa 1580 Studierende einschließlich Doktoranden seien derzeit eingeschrieben, rund 210 Erstsemester würden jährlich aufgenommen. Die JLU ist eine von fünf tierärztlichen Bildungsstätten in Deutschland.

Für die Uni sind zeitgemäße Ausstattung und ein ansprechendes Ambiente von erheblicher Bedeutung, wenn es um die Berufung neuer Professorinnen und Professoren geht.

Attraktive Grünflächen

Die historischen Teile der Uni-Tiermedizin wurden in den Jahren 1903 bis 1911 errichtet. "Die hervorragend gestalteten, von barockalem Jugendstil geprägten Gebäude beeindrucken durch ihre interessanten Dachlandschaften und durch stark kontrastierende dekorative Materialien", heißt es in der Gießener Denkmaltopographie. Entsprechend behutsam soll beispielsweise die Chirurgische Klinik (Frankfurter Straße 108) saniert werden. Auch der zentrale "Vorführhof" und das Kopfsteinpflaster sind denkmalgeschützt.

Der Bebauungsplans umfasst zwei Hektar im nordwestlichen Bereich des Campus. Zentrale Vorhaben sind der Neubau eines Hauses für Pferde-Operationen sowie eines Hörsaalgebäudes. Abgerissen werden sollen das jetzige Hörsaalgebäude, das Hunde-Hochhaus, Garagen, Werkstatt- und Lagerräume. Eine Herausforderung stellt es dar, dass der Betrieb neben den Baustellen weiterlaufen muss und auf dem Gelände zwischen Frankfurter Straße und Bahngleisen nur begrenzt Platz zur Verfügung steht.

Trotzdem sind auch neue Grünflächen geplant, die mit "maximaler Platz- und Aufenthaltsqualität" die Attraktivität des Campus steigern sollen. Besonderes Augenmerk werde bei der Umgestaltung der Verkehrslenkung, dem Parken und dem Schallschutz gelten.

Einen Zeitplan für die Realisierung gibt es nicht, teilt eine JLU-Sprecherin auf Anfrage fest. Der jetzt verabschiedete Bebauungsplan stelle "lediglich eine Festsetzung des Baurechts dar, keinen Umsetzungsplan". Den Masterplan für den Campusbereich wolle die Uni "schrittweise und entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten" umsetzen. "Letztere sind unter anderem Gegenstand von Verhandlungen mit dem Land Hessen", so die Sprecherin.

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