Für manche Taxibetreiber sind die Krankentransporte in der Pandemie die wirtschaftliche Rettung.
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Für manche Taxibetreiber sind die Krankentransporte in der Pandemie die wirtschaftliche Rettung.

Pandemie

Gießener Taxifahrer leiden unter Corona: „Die Leute haben einfach Angst“

  • VonSebastian Schmidt
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Das Nachtleben läuft auf Sparflamme und große Feiern werden verschoben. Eine Berufsgruppe in Gießen merkt das deutlich: Die Taxi- und Minicarfahrer.

Gießen – Abstand halten. Schon im März 2020 hat die Bundesregierung angeraten, auf Distanz zu anderen Menschen zu bleiben, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen (hier zu den aktuellen Fallzahlen aus Gießen). Seitdem wurde viel über das Virus und seine Verbreitungswege herausgefunden, aber die Abstandsregel gilt noch immer. Kein Wunder also, dass es auch im zweiten Pandemiejahr für viele Menschen abschreckend wirkt, mit einer fremden Person auf engem Raum in einem Auto zu sitzen. Darunter leiden natürlich diejenigen, die genau damit ihr Geld verdienen: Die Taxi- und Minicarfahrer der Stadt. So schlecht wie 2020 war das Geschäft 2021 nicht, das berichten die Befragten. So gut wie die Jahre davor war es aber auch nicht. Manche glauben, dass es das auch nicht mehr werde.

Gießener Taxifahrer: Kunden haben Angst vor dem Taxi

»Die Leute haben einfach Angst, Taxi zu fahren«, sagt Ezver Yüsün. Yüsün sitzt selbst seit über 23 Jahren hinter dem Lenkrad eines Taxis und ist der Inhaber von Top Car Gießen. Dass das Geschäft einmal so mies laufen würde wie zu Beginn der Pandemie, hat er noch nicht erlebt. »Wir mussten von 100 auf Null runterfahren. Richtig auf Null«, sagt Yüsün. 25 Mitarbeiter habe das Unternehmen, und zeitweise habe nur eine Person gearbeitet. »Und die hat die Telefonzentrale gemacht und ist gleichzeitig gefahren. So schlecht lief es.« Das war 2020, Beginn der Pandemie, Lockdown.

Heute sieht es wieder ein bisschen besser aus, und Yüsün ist froh, dass er keinem Mitarbeiter gekündigt habe. »Man sieht ja an der Gastronomie, wozu das geführt hätte. Dann müsste man jetzt wieder Angestellte suchen.« Die Mitarbeiter von Top Car Gießen wurden in Kurzarbeit geschickt, und das Unternehmen habe Corona-Hilfen vom Staat bekommen. »Trotzdem sind wir einige Monate ins Minus gerutscht.« Denn Autoversicherungen und das Finanzamt mussten ja weiter bezahlt werden, erklärt Yüsün.

Gießener Taxifahrer: Auch kleine Betriebe leiden

Auch kleinere Betriebe leiden. Taxi-Lang hat drei Mitarbeiter und Inhaberin Maureen Lang sagt: »Die Pandemie setzt uns sehr zu.« Zeitweise habe sie kurz davorgestanden, einfach aufzugeben. Taxi-Lang sei nämlich auf Fahrten zum Frankfurter Flughafen spezialisiert gewesen. »Geschäftskunden machten 80 Prozent unserer Arbeit aus.« Mit dem Rückgang der Flüge sei das Geschäft fast vollkommen zum Erliegen gekommen. Das Aus für Kneipen und Clubs habe sein Übriges getan. »Wir machen jetzt gar keine Nachtfahrten mehr«, sagt Lang.

Die Rettung seien schließlich die Krankentransporte gewesen. Lang erklärt: »Dialysen oder Strahlen- und Chemotherapien haben weiterhin stattgefunden.« Taxi-Lang habe sich daraufhin auf diese Transporte fokussiert und rechnet auch längerfristig mit diesem Standbein. Denn zeitweise sei das Geschäft als Flughafenzubringer 2021 zwar wieder besser gelaufen, Firmen haben Mitarbeiter wieder auf Auslandsreisen geschickt, aber in den vergangenen Wochen seien die Anfragen wieder rückläufig gewesen. »Es gab wieder viele Absagen von bereits ausgemachten Fahrten«, sagt Lang. Sie glaubt auch nicht daran, dass es wieder so werden wird wie früher, denn viele Firmen haben auf Videokonferenzen umgestellt. »Selbst von Mechanikern habe ich gehört, dass sich ihre Unternehmen andere Lösungen überlegt haben, statt die Angestellten ins Ausland zu schicken, um dort eine Maschine zu reparieren.« Trotzdem hofft Lang, dass 2022 wieder mehr Flüge stattfinden.

Gießener Taxifahrer: Es gilt nur die Maskenpflicht

Einer, der sich über die momentane Lage nicht beschwert, ist der stellvertretende Geschäftsführer von Sparcar, Friedrich Preidt. »Das Telefon klingelt bei uns den ganzen Tag.« Zwar sei die Nachfrage unter der Woche immer noch durchwachsen - mal stark, mal gering - aber am Wochenende sei wieder mehr los. Auch Sparcar habe keinen der 70 Mitarbeiter entlassen, einige haben aber von selbst gekündigt. »Weil sie sich nicht sicher fühlten.« Und auch von den Kunden kommen immer wieder Nachfragen, welche Regeln denn gelten, 2G oder 3G. Preidt sagt: »Dabei gibt es keine Regel für die Fahrgäste, nur den Mundschutz muss man tragen.«

Das kann Kunden aber auch abschrecken, weiß Michael Oppermann, der Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen. Für die Fahrer gelte laut Oppermann zwar 3G, das befriedige aber nicht alle Sicherheitsbedürfnisse. »Deswegen gibt es auch Städte, die extra 2G-Taxis anbieten.« Dass für Fahrgäste keine G-Regelung gilt, sieht Oppermann dabei mit gemischten Gefühlen: »Wir wollen, dass sowohl Fahrer als auch Fahrgäste im Taxi sicher sind. Aber wir sind nicht alleine auf der Welt.« Und so spiele bei der politischen Erwägung auch eine Rolle, dass Nicht-Geimpfte und -Getestete Personen transportiert werden müssen.

Zulassungen von Taxis in Gießen

Im Verlauf der Corona-Pandemie ist die Anzahl der bei der Stadt Gießen zugelassenen Taxis und Minicars leicht angestiegen. Während im Januar 2020 insgesamt 53 Taxis und 131 Mietwagen, wozu die Minicars zählen, zugelassen waren, sind es im Januar 2022 nun 58 Taxis und 150 Minicars. In anderen Städten nahm die Anzahl jedoch ab. Michael Oppermann, der Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen, sagt zum Beispiel: »Wir gehen davon aus, dass wir in Berlin ein Drittel aller Taxis verloren haben.«

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