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Gießener Synagoge: Sicherheit und Sanierung im Fokus

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An der Gießener Synagoge am Burggraben wird die Sicherheit erhöht. Die nächsten Arbeiten stehen schon an.

Gießen – Mit dem Hubwagen versuchen die Männer das große Bauelement durch den Torbogen der Beith-Jaakov-Synagoge zu manövrieren. Kein leichtes Unterfangen, schließlich ist das Element mehrere Meter lang.

Schlussendlich gelingt es den Arbeitern jedoch. Das Bauteil soll die Sicherheit der Besucher in dem jüdischen Sakralgebäude erhöhen, verrät Dow Aviv, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. »Damit sind die Sicherheitsmaßnahmen beinahe abgeschlossen.«

Bauarbeiten für mehr Sicherheit: Synagoge in Gießen wird gegen mögliche Angriffe geschützt

Die Gießener Synagoge am Burggraben wurde in den vergangenen Jahren genau wie alle anderen jüdischen Einrichtungen in Deutschland gegen mögliche Angriffe gesichert.

Diese Vorsichtsmaßnahme resultierte aus dem Anschlag von Halle im Jahr 2019, als ein rechtsextremer Täter an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, einen Massenmord an Jüdinnen und Juden in die Tat umsetzen wollte.

Die Türen der Synagoge in Gießen werden verstärkt und die Mauern erhöht

»Der Landesverband jüdischer Gemeinden in Hessen und das Innenministerium haben die Maßnahmen auf Empfehlung des Landeskriminalamts umgesetzt«, sagt Aviv und fügt an, dass besagte Stellen auch große Teile der Finanzierung übernehmen. Die Stadt Gießen hat sich bei vorherigen Maßnahmen ebenfalls finanziell beteiligt.

An der Gießener Synagoge wurde in den vergangenen Jahren an mehreren Stellen in die Sicherheit investiert. Ins Auge fällt vor allem die neue Eingangstür. Wo früher ein halbhohes Tor stand, über das ungebetene Gäste theoretisch drüberspringen konnten, verhindert seit letztem Jahr ein dichtes Lochblech den Zutritt.

Den zweiten Teil der Schleuse bildet eine kugelsichere Glastür. »Alarmanlage und Videoanlage sind ebenfalls installiert, und zuletzt haben wir den Außenzaun und die Mauer erhöht«, sagt Aviv. Dafür wird auch das von den Männern gebrachte Bauelement genutzt.

Auch die Dachrinne der Synagoge in Gießen muss repariert werden

Es gibt noch einige weitere Sicherheitsmaßnahmen, besonders im Inneren des Gebäudes. Details will der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gießen aber verständlicherweise nicht nennen.

Somit endet nun eine umfangreiche Investition in die Sicherheit der Jüdinnen und Juden, die regelmäßig ihre Gemeinde aufsuchen. Bauarbeiten werden die Gemeinde aber weiterhin begleiten, sagt Aviv.

Die kleinere Maßnahme diene auch dem Schutz, jedoch vor einer anderen Gefahr. »Die Dachrinne muss repariert werden. Einige Teile könnten sonst irgendwann auf Passanten stürzen.«

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Die Sicherheitsarbeiten an der Synagoge sollen bald abgeschlossen sein. © Oliver Schepp

Sanierungsarbeiten des Gebetsraums in der Synagoge fallen umfangreicher aus

Umfangreicher dürfte hingegen die Sanierung der eigentlichen Synagoge ausfallen, also des Gebetsraums. Schließlich handelt es sich dabei nicht um irgendwelche Wände.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung der Synagoge an der heutigen Kongresshalle dauerte es eine Zeit, bis Gießener Juden wieder ein eigenes Gotteshaus zur Verfügung hatten. Erst 1995 erhielten sie wieder eine Synagoge.

Dafür wurde die 150 Jahre alte ehemalige Fachwerk-Synagoge der Gemeinde Wohra (Kreis Marburg-Biedenkopf), die vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten gerettet worden war, verlegt und am Burggraben aufgebaut. Seither bildet sie das Zentrum der Räumlichkeiten der jüdischen Gemeinde Gießen.

Arbeiten an der Synagoge in Gießen sollen Anfang August erledigt werden

»Seit 1995 wurde die Synagoge aber nicht saniert. Nun ist es an der Zeit«, sagt Aviv. In diesem Zuge sollen die offenliegenden Balken behandelt werden. »Von den Kassetten dazwischen bröckelt der Putz, und die Sandsteine müssen ebenfalls auf Vordermann gebracht werden«, teilt der Vorsitzende mit. Über 30 000 Euro sollen die Arbeiten kosten, die Stadt wolle sich daran aber beteiligen.

Nun hofft Aviv, dass die beauftragte Firma die Arbeiten in den letzten drei Sommerferienwochen, also Anfang August, angehen und abschließen kann. »In dieser Zeit hat auch die Jüdische Gemeinde Ferien, unser Betrieb würde dadurch nicht eingeschränkt.«

Somit werden die Gießener Juden schon bald ihre hebräischen Lieder in der aufgehübschten Synagoge singen können – und das in größerer Sicherheit als zuvor.

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