Eine aus Gießen

Im Gießener Südviertel zu Hause

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Sarah Oetlinger ist wie sechs weitere Gießener in Basel geboren. Sie kann sich gut vorstellen, in ihrer neuen Heimat zu bleiben.

Sarah Oetlinger hat schon eine Menge gesehen. Geboren in Basel, Abitur in Lörrach, einige Jahre in Starnberg und Boston. Doch sie sagt: "Ich bin eine Gießenerin geworden". 2010 kam sie zum Studium der Agrarwissenschaften in die Stadt an der Lahn – bis heute ist sie hängengeblieben, wie so viele vor ihr und so viele nach ihr.

Die Deutsch-Schweizerin hat es aber auch leicht gehabt: Kurz nach ihrer Ankunft in Gießen fand sie einen Nebenjob als Kellnerin im "Hawwerkasten". Dort – damals noch bei Bruno und Siggi – gab es abends regelmäßig "Gießen im Schnelldurchlauf". "Vom Studenten bis zum Richter. Vom Rentner bis zum Ministerpräsidenten. Dort habe ich Gießen und die Gießener gleich richtig kennengelernt. Für jede Frage, gibt es dort eine Antwort", sagt die 35-Jährige, die noch heute – acht Jahre später – zweimal in der Woche in dem Traditionslokal hinter der Theke steht.

Gießen im Schnelldurchlauf

Warum die Wahl damals gerade auf Gießen fiel, hatte ganz pragmatische Gründe. "Aus meiner Sicht lag Gießen damals irgendwo im Nirgendwo. Drei Stunden und 40 Minuten mit dem Zug von Lörrach entfernt. Weit genug, dass Mama mir nicht auf die Pelle rückt, aber auch nah genug, um schnell mal nach Hause zu fahren", sagt Oetlinger. Sie lacht. Zuhause ist sie mittlerweile in Gießen. "Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, für immer hier zu bleiben. Es kommt darauf an, ob ich einen Job finde". Derzeit absolviert Oetlinger, die eine von sieben Gießenern ist, die in Basel geboren wurden, eine Ausbildung zur Orthoptistin am Uniklinikum.

Seit ein paar Wochen kann sie zu ihrer Arbeitsstelle spazieren. Endlich hat sie in ihrem Lieblingsquartier in der Stadt – dem Südviertel – nämlich eine Wohnung gefunden. "Es ist meine siebte Adresse in Gießen. Aber hier in der Ludwigstraße bin ich sehr glücklich. Als das Haus noch Baustelle war, stand ich schon ab und zu im Hof und habe gedacht, hier würde ich gern wohnen. Dass es jetzt geklappt hat, ist natürlich sehr schön", erzählt Oetlinger. Am Südviertel schätzt sie, dass es ein sehr lebendiges Viertel ist. Sie mag die alten Häuser rund um das Uni-Hauptgebäude, vor allem Löberstraße, aber auch Liebigstraße und Ebelstraße. Auch der Stadtpark sei bezaubernd. "Ich tingele sehr gern durch die Stadt und genieße die Atmosphäre", sagt sie.

Neue Heimat im Südviertel

Gießen habe sich in den acht Jahren, in denen Oetlinger in der Stadt lebt, sehr verändert. "Es ist urbaner geworden und aufgeräumter. Die Stadt hat die perfekte Größe, sie hat alles, was man braucht. Ich kann alles zu Fuß erreichen und brauche kein Auto". Und: "Man läuft sich in Gießen immer zweimal über den Weg. Das finde ich super."

Natürlich vermisst Oetlinger manchmal auch die alte Heimat. Den Schwarzwald, die Schweiz, die Berge und das Essen von Mama. "Ihre Kalbschnitzel mit Kartoffelsalat sind legendär." Doch Oetlinger hat es leicht in Gießen: Wenn die Lust auf Schnitzel zu groß wird, ist sie im "Hawwerkasten" ja auch wieder an der richtigen Adresse.

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