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Wie mache ich meine Steuererklärung? Wo lege ich mein Geld am besten an? Oder wie ernähre ich mich richtig? »Knewy« soll eine App für Jugendliche werden, die solch praktisches Wissen in der Schule vermisst haben.

Start-up-Serie

Gießener Studierende entwickeln App für praktisches Wissen

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Steuern, Kritikfähigkeit oder Medienbildung sind Themen, die in der Schule wenig behandelt werden. Mit der App-Idee »Knewy« will ein junges Gründerteam diese Wissenslücken füllen.

Wir alle erinnern uns noch, als wir voller Vorfreude und unabhängig ins Erwachsenenleben gestartet sind und uns die schreckliche Realität traf. Denn eines wurde uns in der Schule nicht mitgegeben: Real Life Survival Skills. Also wie wir Steuern zahlen, welche Versicherungen sinnvoll sind oder was wir überhaupt mit unserem Geld anfangen sollten.«

M it dieser Erzählung leitete Vivien Deffner aus Bayern die Präsentation zu ihrer App-Idee ein, die sie zusammen mit Moritz Schmidt aus Baden-Württemberg und Daniel Bernhardt aus Hessen entwickelt hat. »Knewy«, so der Markenname, soll bei diesen alltäglichen Problemen Abhilfe schaffen.

D as Trio kennt sich bislang nur online durch den Masterstudiengang Digital Business an der Technischen Hochschule Mittelhessen. »Einen Tag vor dem Start-up-Weekend haben wir uns grob überlegt, in welche Richtung es gehen soll«, erzählt Deffner. Wissenslücken im Bereich Finanzen hätten sie bei sich festgestellt; zudem war Bernhardt noch von seinem Bachelor in diesem Bereich präsent, wie hoch die Abneigung in Deutschland gegenüber den Kapitalmärkten sei. Hier werde eher gespart als investiert. Über das Wochenende feilten sie ihre Geschäftsidee so aus, dass sie die Jury schließlich überzeugte. »Drei Problemfelder haben wir ausgemacht«, führt Deffner aus: zunächst Wissensdefizite, die man in der Schule nicht vermittelt bekommt; außerdem fehlende Medienkompetenz, infolge derer viele mit den unzähligen Quellen im Internet überfordert seien und gute von schlechten Infos sowie Meinungen von Fakten nicht unterscheiden könnten; und zuletzt das »unzureichende und unattraktive digitale Lernangebote an Schulen, das die Corona-Pandemie deutlich gezeigt« habe.

Ernährung, Fitness oder Soft Skills

So soll »Knewy« gesicherte Infos und Quellen zu anschaulichem Wissen aufbereiten - und dieses vor allem frühzeitig vermitteln. »Denn häufig registriert man Probleme erste dann, wenn man schon dabei ist, sie zu haben«, sagt Deffner. Und die Hemmschwelle sei groß, sich dann durch den Wust an Infos zu wühlen. Die 23-Jährige ist für das Projekt- und Medienmanagement der App verantwortlich. Natürlich wollen sie langfristig nicht nur das trockene Feld Finanzen abdecken, wo sie den größten Bedarf sehen. Sondern auch bei weiteren Lücken ansetzen, wofür Lehrpläne schon länger kritisiert werden: Richtige Ernährung, Sport und Fitness sowie Persönlichkeitsentwicklung in Sachen Organisation, Kritikfähigkeit oder Moderation seien ihrer Meinung nach zu kurz gekommen in der Schule. Oder auch, wie man den Übergang vom Abschluss ins Berufsleben gestaltet. Im Netz belaufe sich hier vieles nur auf Tipps, nicht aber aufs Lernen.

Das Lernen der thematisch abgegrenzten Inhalte erfolge in in kurzen Sequenzen: Praktische Übungen und Wiederholungen sollen das Wissen verinnerlichen; zudem gebe es Abschlusstests, erläutert Schmidt. Der 23-Jährige betreut alles rund um Werbung und Dienstleistung zu ihrer Geschäftsidee.

Er erklärt weiter: Nur weniger als zehn Prozent würden Onlinekurse auch abschließen. Das wollen sie nicht allein mit gut aufbereiteten Inhalten ändern, sondern auch mit einer Netzwerk-Funktion, in der Nutzer sich über den Stoff austauschen und so gegenseitig motivieren, weitere Kapitel zu absolvieren.

Neun Millionen Jugendliche

»Schüler, Azubis oder Studierenden sind zwar nicht die zahlungskräftigste Gruppe. Da unsere Idee aber eine sinnvolle Ergänzung zur Schule ist, bauen wir auch auf die Zahlungsbereitschaft der Eltern«, sagt Bernhardt. Die App soll es zunächst als Abo-Modell geben, das sie noch ausarbeiten; eine freie Version ist nicht vorgesehen. Außerdem wollen sie spezielle Kapitel entwickeln, die man zukaufen kann..

Mit immerhin neun Millionen Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren gebe es »ein großes Marktpotenzial«, sagt Bernhardt.

Ein Netzwerk für junge Start-ups in Mittelhessen sowie weitere Informationen gibt es auf foundershub-mittelhessen.de

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