Busverkehr

Gießener Stadtbusse sollen häufiger fahren

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Schnellere Takte, verlängerte Linien: Die Stadtbusse in Gießen stehen im Fokus der städtischen Verkehrspolitik. Mit einer Linie soll zunächst begonnen werden.

Wer in letzter Zeit einmal sonntags die Parkplätze der Gießener Autohäuser wie zum Beispiel in der Automeile nach einem Gebrauchten durchstöbert hat, der kam sich vor wie in einem Massengrab für TDI und Co. Die wachsende Ladenhüter-Ansammlung von Pkw mit Dieselantrieb könnte ein Grund für eine erfreuliche Entwicklung sein. Denn die Stickstoffdioxidbelastung ist im vergangenen Jahr in Gießen relativ deutlich zurückgegangen.

Dies geht aus dem lufthygienischen Monatsbericht des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) für den vergangenen Dezember hervor. Zwar gibt es noch keinen Jahresbericht für 2017, aber der für Dezember gibt einen gleitenden Jahresmittelwert für alle Schadstoffe an, und der lag Ende des Jahres beim gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid bei 42,1 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das sind immer noch gut zwei Mikrogramm mehr als der zulässige Grenzwert von 40, aber immerhin gut zwei weniger als in den letzten Jahren, als sich der Jahresmittelwert für Gießen bei gut 44 Mikrogramm bewegte. Auch Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) schließt nicht aus, dass die Absatzprobleme beim Diesel eine Ursache für die zurückgehenden Werte sein könnten, aber der Trend nach unten sein unverkennbar und positiv.

Erdgas- statt Elektrobusse

Um den fortzusetzen, will die Grünen-Politikerin das Meinungsklima im Land nutzen. "Die aktuellen Debatten helfen uns beim Ausbau des ÖPNV", sagte die Umweltdezernentin mit Blick auf die Schlagzeilen über die Menschen- und Tierversuche der Autoindustrie oder die Verurteilung der bayerischen Landesregierung, mehr gegen die hohen Stickoxidwerte in München zu tun. Auch die Gießener Aktion mit den gefälschten Flugblättern zum kostenlosen Busfahren nutze trotz der strafrechtlichen Relevanz etwas, räumte Weigel-Greilich ein.

Als Ziel gab sie aus, dass der innerstädtische Nahverkehr möglichst schnell von einem 15-Minuten- auf einen Zehn-Minuten-Takt umgestellt wird. "Mit der Linie 5 fangen wir an, andere werden folgen", kündigte sie an und plädierte generell für einen höheren Anteil an Steuermitteln zur Finanzierung des Nahverkehrs. Mit Blick auf die Flotte der Stadtwerke-Tochter MitBus, die den Stadtverkehr fährt, sprach sie sich für Erdgas als Antrieb aus. "Elektrofahrzeuge sind schwer zu beschaffen, die sollen dann auch erst einmal in den Städten fahren, wo die Stickstoffdioxid-Belastung bei 80 Mikrogramm liegt", erklärte Weigel-Greilich.

Nicht nur Verkehr die Hauptquelle

Recht gibt ihr ein Hessenschau-Bericht, in dem unlängst festgestellt worden war, dass im Städtevergleich in Gießen die umweltfreundlichste Busflotte in Hessen unterwegs ist. Die Umweltzone ist für die Bürgermeisterin vorerst kein Thema mehr. "Die macht nur Sinn mit der blauen Plakette."

Dass sich das Thema Grenzwert-Überschreitung beim Stickstoffdioxid in Gießen "bald auch ohne zusätzliche Maßnahmen von selbst erledigt hat", glaubt der Wettenberger Ingenieur Dr. Ernst Krämer, der sich in die Debatte wiederholt mit Leserbriefen eingeschaltet hatte. Zu diesem Schluss kommt Krämer nach der Auswertung von Daten des HLNUG der letzten drei Jahre. Angesichts der vergleichsweise hohen Hintergrundbelastung vermutet er, dass nicht nur der Verkehr, sondern siedlungsbedingte Emissionen aus Heizungen und Industrie "erheblich zu den Belastungswerten in Gießen beitragen". So fand Krämer heraus, dass die an der Westanlage gemessenen Nachtwerte bereits bei knapp 30 Mikrogramm lagen, obwohl um diese Zeit kaum noch Autos unterwegs sind, und dass die Stickoxidbelastung in der Rush-Hour keineswegs sprunghaft ansteigt. Sein Fazit: "Will man die Belastung für die Bevölkerung weiter senken, sollte man stärker die siedlungsbedingten Emissionen ins Visier nehmen".

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