Der Schwanenteich in Gießen bleibt ein Sorgenkind.
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Der Schwanenteich in Gießen bleibt ein Sorgenkind.

Stadtpark Wieseckaue

Gießen: Schwanenteich droht auszulaufen - Auch „Wasserpest“ als Problem

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Fadenalgen, Wasserpest und jetzt noch ein löchriger Damm: Der Schwanenteich im Stadtpark Wieseckaue bleibt ein Sorgenkind. Die Stadt macht sich Gedanken über einen Sanierungsplan.

Gießen - Die Emotionen kochten hoch vor neun Jahren, als die Stadt im Vorfeld der Landesgartenschau den Schwanenteich für 1,4 Millionen Euro sanieren wollte. Ein Thema dabei: die Sicherung des Damms, der den Teich und die Wieseck trennt und der zu den beliebtesten Spazierwegen Gießens zählt. Um zu demonstrieren, wie löchrig der Damm ist, schob ein Mitarbeiter des Gartenamts damals bei einer Exkursion einen Besenstiel problemlos in die Seite des augenscheinlich porösen Dammkörpers. Aus dem Umbau indes, zu dem auch die Fällung von rund 150 Bäumen auf dem Dammweg gehört hätte, wurde nichts. Die Stadt zog das Vorhaben zurück und erfüllte damit ein Bürgerbegehren, für das über 3000 Unterschriften gesammelt worden waren.

Schwanenteich Gießen: Sandsäcke gegen Wasserverlust

Dass das Dammproblem damit nur aufgeschoben wurde, ist spätestens seit Ende vergangener Woche klar. Der Weg ist seitdem zwischen der Uferplattform an der THM und der Schwanenteich-Brücke gesperrt. Eine besonders durchlässige Stelle wurde auf beiden Seiten des Damms mit Sandsäcken gestopft. »Aktuell wurde im unteren Bereich des Dammes eine starke Unterspülung festgestellt. Um den Druck auf den undichten Damm zu verringern wurde vom Gartenamt als erste Maßnahme der Wasserstand um 10 bis 15 Zentimeter abgesenkt«, erklärt Stadtsprecherin Claudia Boje zur aktuellen Situation. Wie gutachterlich schon seit der Landesgartenschau bekannt sei, sei der Damm des Schwanenteiches sanierungsbedürftig. »Die Undichtigkeiten nehmen nun von Jahr zu Jahr zu«, fügt Boje hinzu. Da es im gesperrten Abschnitt neben der Stelle mit den Sandsäcken weitere Löcher gebe, kläre die Stadt mit Fachplanern, mit welcher Methode eine Teilsanierung erfolgen könne.

Von der Absenkung des Wasserspiegels verspricht sich die Stadt aber auch eine Wirkung gegen ein anderes Problem, das diesmal schon früh im Jahr aufgetreten ist: die Vermehrung der Fadenalgen. Ursächlich sei der hohe Nährstoffgehalt der Fließgewässer, deren Wasser zur Erhaltung des Wasserstandes des Schwanenteichs genutzt werde. »Die Nährstoffeinträge der Fließgewässer stammen aus der Landwirtschaft und von Kläranlagen im Oberlauf der Gewässer«, sagt Boje.

Schwanenteich Gießen: „Wasserpest“ bereitet Sorgen

Gleichzeitig seien in dem recht klaren Wasser des Schwanenteiches momentan sehr gut die Unterwasserpflanzen zu sehen. Sichtbar sei die starke und schnelle, fast explosionsartige Wachstums- und Ausbreitungsfähigkeit einer Unterwasserpflanze, auch als sogenannte »Wasserpest« bekannt. Gegenüber dem letzten Jahr scheine es, als ob die Ausbreitung der Wasserpest andere, weniger konkurrenzfähige Unterwasserpflanzen wie die Laichkraut-Unterwasserpflanzengesellschaft verdrängt habe.

Problematisch ist generell das herbstliche Absterben der Pflanzen, deren Übermenge an Biomasse auch zum Umkippen von Gewässern führen kann. Eine aktuelle Wasseruntersuchung habe einen Phosphat-Gehalt von 0,05 Milligramm pro Liter im Schwanenteich ergeben. Das reiche, um die Entwicklung auch der schwimmenden Fadenalgen zu begünstigen. Dazu hätten schon die wenigen warmen Tage im Frühjahr beigetragen.

Schwanenteich Gießen: Müssen Bäume doch weichen?

Garten- und Umweltamt wollen nun beobachten, ob es wie schon im vergangenen Jahr erneut zu einer sichtbaren übermäßigen Entwicklung auch der Fadenalgen kommt. Diese könnte man manuell durch ein Wasserboot wieder »abschöpfen«. Erste Versuche sind laut Pressesprecherin Boje händisch schon von der Gesellschaft für Integration, Jugend und Berufsbildung (IJB) durchgeführt worden.

Bleibt die Frage, ob der Magistrat einen Teil der Maßnahmen, die 2012 im Rahmen des »Pilotprojekts Bitterling« nicht umgesetzt worden sind, doch wieder aufgreifen muss. Dafür hatte sich Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) im vergangenen Jahr angesichts der Fadenalgen-Invasion ausgesprochen. Dann müssten die Bäume, deren Wurzeln den Damm destabilisieren, womöglich doch noch weichen.

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