Auch bei der Maskenfrage werden Schulen nach der Verordnung durch das Land Spielräume haben. FOTO: SCHEPP
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Auch bei der Maskenfrage werden Schulen nach der Verordnung durch das Land Spielräume haben. FOTO: SCHEPP

Neues Schuljahr

Gießener Schulen während Corona: Digitaler Schub erwartet

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Das Staatliche Schulamt glaubt, dass das am Montag begonnene Schuljahr in Gießen außergewöhnlich wird - und verbreitet Optimismus gerade in Sachen Digitalisierung.

Es sind drei Worte, die der Leiter des Staatlichen Schulamts, Norbert Kissel, in diesem Schuljahr wieder mantraartig wiederholen wird: "Nach derzeitigem Stand…". Die Corona-Pandemie, sagt der seit Juli amtierende Behördenchef, habe die Schulen vor viele Herausforderung gestellt - und werde das weiterhin tun. Es gebe für alle Beteiligten des Systems Schule keine Blaupause für die aktuelle Situation. "Wir erfinden derzeit alles selbst neu", sagt Kissel. Dementsprechend prophezeit er auch nach einem "außergewöhnlichen Beginn ein außergewöhnliches Schuljahr."

Schulen in Gießen und im Vogelsberg: Drei Prozent der Lehrer freigestellt

Den Start seit Montag bezeichnet Kissel als "absolut gelungen". Schulleitungen, das Staatliche Schulamt und das Hessische Kultusministerium hätten den Unterrichtsbeginn "ordentlich vorbereitet" und die Grundversorgung der Schüler gewährleistet. Nur drei Prozent der Lehrer in Stadt und Landkreis Gießen sowie dem Vogelsbergkreis seien vom Präsenzunterricht freigestellt - unter anderem deshalb, weil sie zur Risikogruppe gehören. Kompensiert wird dies durch Helfer, die mit Vertretungsverträgen ausgestattet diese freien Stunden übernehmen. Das können auch Lehramtsstudenten sein. Für Kissel ist das ein Segen: "Wir im Raum Gießen sind dank der Uni privilegiert."

Kissel versucht beim Pressegespräch am Freitagvormittag Optimismus zu verbreiten. Er sagt, gerade zu Beginn der Corona-Pandemie seien Schulleitungen, Schulamt und Kultusministerium "auf Sicht gefahren". Mittlerweile seien jedoch Strategien entwickelt worden, die sich je nach Schule und Situation anpassen ließen. Als Beispiel nennt er die Maskenpflicht außerhalb des Klassenzimmers. Ein emotionales und vieldiskutiertes Thema, wie der Behördenchef unterstreicht. Aber die Verordnungen des Landes in dieser Frage seien gesetzliche Vorgaben. Wobei Schulen durchaus Spielraum hätten: Wenn eine Einrichtung zum Beispiel über ein ausreichend großes Gelände verfüge und so Abstandhalten möglich sei, könnte die Schulleitung die Maskenpflicht für den Schulhof aufheben. Kissel betont in diesem Zusammenhang: Auch bei der Maskenfrage ginge es um den Schutz der Mitbürger.

Schulen in Gießen und um Vogelsberg: Hybrider Unterricht als Bereicherung

Für Kissel bringen Krisen auch einen Schub mit sich - "und in den Schulen ist der digital". Der Schulamtsleiter sieht beim E-Learning "massive Veränderungen" auf die Schulen zukommen. Die Frage nach hybriden Unterrichtsformen mit einem gesunden Verhältnis von Präsenzlehre und Digtalunterricht werde die Einrichtungen bereichern. Gerade in der Oberstufe sei ein verstärkter digitaler Unterricht denkbar.

Die Gießener Lehrergewerkschaft GEW hatte das Land kritisiert, keinen Plan in der Tasche zu haben, sollten die Lockerungen wieder zurückgenommen werden. Kissel ist überzeugt: "Dieser Plan wird kommen, aber wir lernen weiterhin jeden Tag dazu." Generell könne er "jede Kritik, jeden Wunsch" nachvollziehen. Aber manche Grundlagen müssten in dieser Ausnahmesituation erst geschaffen werden. Dass regelmäßig nachjustiert werde, sei aktuell nicht zu vermeiden.

Info: Einstellungen und Einschulungen

Das Staatliche Schulamt Gießen ist für Stadt und Landkreis Gießen sowie für den Vogelsbergkreis zuständig.

Aktuell gibt es in diesem Bereich 47 019 Schüler; im Vorjahr waren es noch 47 316. Dies hängt mit den sinkenden Zahlen bei den Berufsschulen sowie den Schulen für Erwachsene zusammen. Von den knapp 50 000 Schülern gehen 14 000 auf Gesamtschulen, 13 000 auf Grund-, Haupt- und Realschulen sowie 5500 auf Gymnasien. 13 500 Schüler gehen auf Berufsschulen/Schulen für Erwachsene.

Eingeschult worden sind in diesem Jahr in der Stadt 628 Kinder, im Landkreis 1725 sowie im Vogelsbergkreis 761 Kinder.

Aktuell gibt es im Bereich des Schulamts 4138 Lehrkräfte, die auf 3347 Stellen verteilt sind. Für das aktuelle Schuljahr gibt es in allen Schulformen 106 Neueinstellungen.

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