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Sind von Anfang dabei bei Fridays for Future (v. l.): Julius Debus, Mika Rau und Kilian Tatsch aus der Liebigschule.

Fridays for Future

Gießener Schüler: "Es tut sich viel zu wenig"

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Die Bewegung Fridays for Future (FFF) will mit Klimastreiks der Politik Beine machen. Die drei Gießener Schüler Mika Rau (17), Kilian Tatsch (17) und Julius Debus (18) sagen, was sich ändern muss.

Was passiert am Freitag in Gießen?

Julius Tatsch:Es soll erst einmal wie immer laufen bei Fridays for Future. Schüler und Schülerinnen aus der Herderschule, dem LLG, der Lio und der Ostschule laufen am späten Vormittag in Sternmärschen zur Kundgebung am Kirchenplatz. Das Besondere ist, dass wir alle Bürger und Bürgerinnen unter dem Motto "Alle fürs Klima" eingeladen haben, sich zu beteiligen.

Welche Rückmeldungen aus Betrieben und Behörden habt ihr bislang?

Mika Rau:Klaus Zecher vom DGB hat zugesagt, eine Rede zu halten und hat alle Gewerkschaftsmitglieder eingeladen. Wir haben auch gehört, dass die evangelische Kirche ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen freigestellt hat, an den Demos und der Kundgebung teilzunehmen.

Julius Debus:Wir wissen natürlich, dass die Leute im rechtlichen Sinne nicht für mehr Klimaschutz streiken dürfen, aber wir hoffen, dass in der Mittagspause einige Arbeitnehmer unserer Einladung folgen.

Warum engagiert ihr euch für mehr Klimaschutz?

Kilian Tatsch:Fridays for Future ist in der Öffentlichkeit sicher angekommen, aber ich habe immer noch den Eindruck, dass viele denken, die Politik wird das schon irgendwie richten. Aber so ist es nicht: Das Problem ist lange bekannt, aber es tut sich viel zu wenig. Wir müssen am Ball bleiben.

Julius Debus:Ich habe das Gefühl, dass die Politik immer auf die nächste Wahl schielt. Deshalb muss das Thema Klimaschutz bei den Wählerinnen und Wählern als wichtig verankert werden. Das erhöht den Druck auf die Politiker, Lösungen vorzulegen.

Mika Rau:Wir sind die letzte Generation, die die Klimakatastrophe durch ein starkes Umdenken noch verhindern kann.

Morgen ist ein besonderer Freitag. Die Bundesregierung will ein Maßnahmenpaket schnüren, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht. Was muss aus eurer Sicht unbedingt beschlossen werden?

Kilian Tatsch:Der Kohlendioxid-Ausstoß muss bepreist werden.

Julius Debus:Ob Steuer oder Emissionshandel: In Deutschland dürfen ab 2035 keine Treibhausgase mehr ausgestoßen werden.

Mika Rau:Ich hoffe, dass das Autofahren so unattraktiv wie möglich wird und viel mehr Geld in die Förderung des Rad- und öffentlichen Nahverkehrs fließt.

In Gießen wird das Stadtparlament Ende des Monats wohl beschließen, dass das Klimaziel von 2050 auf 2035 vorverlegt wird. Was muss sich in Gießen ändern?

Kilian Tatsch:Es muss eine Verkehrswende geben. Ich komme jede Morgen mit dem Fahrrad zur Schule. Es sind sehr, sehr viele Autos in der Stadt unterwegs. Ich wünsche mir mehr Raum für den Radverkehr.

Julius Debus:Um das zu ergänzen: Die Ludwigstraße hoch ist kein Radweg, obwohl da ganz viele Studenten und Klinikumsbeschäftigte fahren. Auch an der Westanlage fehlt ein Schutzstreifen. Die Stadt muss eine Vorreiterrolle einnehmen und ihren Fuhrpark komplett auf Elektroantrieb umstellen.

Mika Rau:Was mir immer wieder auffällt: Auf den Dächern der städtischen Gebäude sind viel zu wenig Solaranlagen.

Was fällt euch zum Thema Klimaschutz ein, wenn ihr eure Schule seht?

Julius Debus:Da gibt es ganz viele tolle Sachen hier (allgemeines Gelächter). In vielen Räumen haben wir noch alte Leuchtstoffröhren. Bei der Steuerung des Energieverbrauchs könnte man viel mehr machen, mit Bewegungsmeldern zum Beispiel. Die hängen auch teilweise, funktionieren aber nicht. Manchmal ist das Licht die ganze Nacht an.

Mika Rau:Die Stadt hat ja ein Energiemanagement für ihre Gebäude, aber so weit wir das wissen, soll bei uns ein System wie Smart Mieter, mit dem der Stromverbrauch genau ermittelt werden kann, erst 2025 installiert werden.

Nicht nur in Gießen machen bei Fridays für Future vornehmlich Schüler der gymnasialen Oberstufen teil. Wo bleiben zum Beispiel die Berufsschüler?

Julius Debus:Es sind auch Schüler aus der Sekundarstufe I dabei.

Kilian Tatsch:Ich finde es nicht gut, dass beim Thema Klimaschutz versucht wird, die Bevölkerung zu spalten. Den Auszubildenden reden manche ein, zu viel Klimaschutz gefährdet ihre späteren Arbeitsplätze.

Wer von euch hat einen Führerschein?

Kilian Tatsch:Keiner. Ich habe den Kurs abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass ich hier in Gießen kein Auto brauche.

Julius Debus:Ich habe mir überlegt, was für ein tolles Fahrrad ich von dem Geld kaufen könnte. Ich werde in Darmstadt studieren, da brauche ich auch kein Auto. Mal sehen, wie ich ohne Führerschein klarkomme.

Mika Rau:Ich werde auch weiterhin von Trohe mit dem Rad zur Schule fahren. Wenn das Wetter schlechter wird, nehme ich den Bus. Das funktioniert ganz gut.

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