Gießens Wahrzeichen, der Schlammbeiser, steht im Zeichen des Klimaschutzes - zu sehen am Donnerstagmorgen bei einer Aktion von Extinction Rebellion Gießen. FOTO: PM
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Gießens Wahrzeichen, der Schlammbeiser, steht im Zeichen des Klimaschutzes - zu sehen am Donnerstagmorgen bei einer Aktion von Extinction Rebellion Gießen. FOTO: PM

Mit drastischen Worten

Gießener Schlammbeiser "wirbt" für Klimaschutz

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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"Ich mache Eure Scheiße später nicht weg": Dieses Plakat an der Gießener Kultfigur Schlammbeiser hat am Mittwoch für Aufsehen gesorgt. Es geht um das Thema Klimaschutz.

Gießen(mö). Wie viel Kohlendioxid passt wohl in den Eimer des Schlammbeisers am Kirchenplatz? Jedenfalls nicht genug, um einen spürbaren Beitrag zur Reduzierung des klimaschädlichen Treibhausgases zu leisten. Die Gießener Gruppe der Umweltschutzorganisation Instinction Rebellion (XR) hat die Gießener Kultfigur am Donnerstagmorgen jedenfalls kreativ für den Klimaschutz in Szene gesetzt. Neben der Figur hing ein Transparent mit der Aufschrift: "Ich mache Eure Scheiße später nicht weg."

Mit der Aussage spielen die Klimaschützer auch den Hintergrund der Gießener Symbolfigur an. Der "Schlammbeiser" war vor dem Bau der unterirdischen Kanalisation im 19. Jahrhundert ein Dienstleister, der sich um die Entsorgung menschlicher Hinterlassenschaften verdient machte und so auch zur Seuchenabwehr beitrug. Die Männer zogen den in den Fässern aufgefangenen "Schlamm" aus den Abtritten mithilfe eines gekrümmten "Eisens" hervor und schafften ihn fort.

"Desaströse Verschleppung"

Ihre Aktion verbindet XR mit deutlicher Kritik am Umgang der Stadt mit dem mittlerweile fast 15 Monate alten Stadtverordnetenbeschluss, das lokale Ziel der Klimaneutralität bereits 2035 statt 2050 zu erreichen. Die Gruppe spricht von einer desaströsen Verschleppung bei der Einleitung notwendiger Maßnahmen. Oder mit dem Schlammbeiser zu sprechen: Das neue Klimaziel werde von der Stadtregierung "verkackt".

Seit dem Parlamentsbeschluss vom September 2019 habe die rot-schwarz-grüne Stadtregierung nur einen "jämmerlichen Klimabericht" und die Einrichtung eines weiteren Beirats ohne Befugnisse, der parallel zu den lokalen Agenda-Gruppen etwas erarbeiten soll, hinbekommen. Und das auch nur, um "den Schein zu wahren, man tue etwas", kritisiert XR.

Gleichzeitig laufe in städtischer Regie eine sogenannte Klima-Kampagne, die mit der Einführung von Mehrweg-Kaffeebechern die Zukunft sichern wolle. Zudem würden "arme Fahrradfahrende zum Konkurrenzkampf ins Autochaos der Gießener Straßen geschickt".

"Die Zeit drängt", betont XR. Die notwendigen Anpassungen müssten jetzt auch in Gießen gemacht werden, "sonst kommen die Änderungen brutal, unkontrolliert und unsozial", warnt die Gruppe.

Klimabündnis tritt bei Wahl an

Die Aktion steht womöglich in Zusammenhang mit der Absicht des Gießener Klimabündnisses Gießen 2035Null, bei der Kommunalwahl im März mit einer eigenen Liste anzutreten. Vergangene Woche wurden die Kandidaten gewählt, am Montag will das Wahlbündnis zu dem auch XR gehört, vorab in die Öffentlichkeit gehen.

Schon länger ins Visier genommen haben die Klimaschützer die Grünen und insbesondere deren hauptamtliche Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, die im Magistrat seit 2006 den Umweltschutz verantwortet und zwischen 2011 und 2016 auch fürs Bauen, Planen und den Verkehr zuständig war. Auch darauf verweist XR in seiner Erklärung zu der Aktion am Kirchenplatz.

In den genannten Bereichen böten sich laut XR "die größten Handlungsmöglichkeiten zum Klimaschutz". Es sei aber in Gießen "so gut wie nichts" umgesetzt worden In den letzten 20 Jahren habe sich der Kohlendioxid-Ausstoß pro Einwohner in Gießen zwar reduziert, jedoch um gerade einmal 30 Prozent.

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