Amtsgericht

Gießener Richterin urteilt über Holzstückschläge

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Vor dem Amtsgericht ist nach langem Hin und Her ein Verfahren gegen zwei Männer eingestellt worden, die mit einem Holzstück zugeschlagen haben sollen.

Gießen(khn). Wenn sich drei Menschen vor Gericht streiten, freut sich manchmal am Ende niemand so richtig: Weder die Angeklagten, noch der Nebenkläger - und ebenso wenig deren Anwälte, die ermittelnden Polizisten sowie die Vertreter der Justiz. Vor dem Amtsgericht Gießen standen jetzt zwei Männer, denen eine gefährliche Körperverletzung samt Nötigung vorgeworfen wurde. Richterin Sonja Robe stellte das Verfahren gegen eine Geldauflage nach zweieinhalb Stunden ein. Nur der Weg zu dieser Entscheidung - der war ein schwerer.

7. Dezember 2018: Zwei Männer, 35 und 37 Jahre alt, besuchen abends einen 35 Jahre alten Gießener im Schwalbachacker in der Weststadt. Der KFZ-Mechaniker hatte dem älteren der beiden Männer vor geraumer Zeit einen Audi für 3500 Euro verkauft. Nur: Der Käufer bemerkte bald, dass dieses Fahrzeug viel zu viel Öl verlor. Vor Gericht schilderte der 37-Jährige, der Verkäufer, ein Bekannter von ihm, habe ihm mündlich eine Gewährleistung für ein Jahr gegeben. Nur habe er ihn immer wieder hingehalten und am Ende von dieser Gewährleistung nichts wissen wollen.

Angeklagte weisen Vorwürfe von sich

An jenem Dezembertag, so warf es die Gießener Staatsanwaltschaft den beiden Männern vor, sollen sie gegen 22 Uhr bei dem Verkäufer in der Weststadt aufgetaucht sein und versucht haben, ihm das Geld wieder abzuknöpfen. Der Jüngere der beiden soll ihm mit einem Holzstück von hinten auf den Kopf geschlagen und ihn in die Hand gebissen haben, der andere ihn geschlagen und mit einem Messer bedroht haben.

Die beiden berufstätigen Männer gaben vor Gericht zu, dass die Situation eskaliert und es zu einer Schlägerei gekommen sei. Und ja: Sie hätten den Verkäufer des Autos zuerst zugeschlagen. Aber dass sie dazu einen Stock verwendet und den Mann mit einem Messer bedroht haben sollen - das wiesen sie entschieden von sich. Vielmehr soll der Nebenkläger aggressiv gewesen sein und zuvor eine Bierflasche zertrümmert haben. Anschließend, schildern beide, habe er den Stock in die Hand genommen und sei auf sie losgegangen. Gemeinschaftlich hätten sie ihm das Holzstück entreißen können - auch durch einen Biss in die Hand. Bei der anschließenden Rangelei hätten alle Streithähne zugelangt und jeder mal auf dem Boden gelegen.

Das mutmaßliche Opfer blieb vor Gericht bei seiner Aussage, dass er von hinten mit dem Aststück geschlagen und mit einem Messer bedroht worden sei - auch wenn er diese beiden durchaus erinnerungswürdigen Punkte kurz nach der Schlägerei den Polizisten vor Ort nicht mitgeteilt hatte. Außerdem widersprach er sich diverse Male oder konnte keine plausiblen Antworten geben - zum Beispiel bei der Frage, wie lange die Auseinandersetzung gedauert oder wieso er eigentlich nicht um Hilfe gerufen habe.

Staatsanwaltschaft nicht überzeugt

Nachdem die drei Protagonisten des Verfahrens ihre Aussagen gemacht hatten, lehnte sich Staatsanwalt Alexander Hahn zurück und brachte die Einstellung des Verfahrens ins Spiel. Ja, es sei zu einer Schlägerei gekommen. Und ja, am Ende habe der Nebenkläger auf dem Boden gelegen. Aber da die beiden Angeklagten bisher nicht vorbestraft seien und Jobs und Familien hätten, wären Arbeitsstunden oder die Zahlung eines Betrags an das mutmaßliche Opfer ausreichend. Die Höhe des Schmerzensgeldes müsste in einem Zivilverfahren geklärt werden.

Eine komplizierte Gemengelage, über die Richterin Robe urteilen musste. Die Juristin behielt den Überblick, fand zu den passenden Momenten mahnende, aber auch humorvolle Worte für alle Beteiligten des Verfahrens. Sie beschloss, das Verfahren vorläufig einzustellen. Die beiden Angeklagten müssen binnen sechs Monaten jeweils 600 Euro an den Nebenkläger zahlen. Damit gebe es auch keinen Eintrag ins Strafregister.

Nur der Autoverkäufer will keinen Haken unter die Sache machen. Als sich einer der beiden Angeklagten mehrfach entschuldigte und dessen Anwalt wissen wollte, ob der Nebenkläger die Entschuldigung annehmen werde, sagte dieser schlicht: "Nein."

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