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An der Ostschule wird der Hof zum Klassenraum.

Corona an Schulen

Gießener Ostschule macht Unterricht unter freiem Himmel – Zweifel an Testkapazität

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Ab Montag gilt Präsenzunterricht nur noch für Abschlussklassen. Aus Sorge vor der britischen Variante findet an der Ostschule Unterricht im Freien statt.

Gießen Die britische Virusvariante B.1.1.7 breitet sich immer weiter aus. Besonders Kinder und Jugendliche sollen betroffen sein. Der Landkreis hat daher am Donnerstagabend verkündet, dass der Präsenzunterricht ab kommenden Montag ausgesetzt wird. Schüler aus Abschlussklassen sollen noch vor Ort unterrichtet werden, aber nur dann, wenn sie vor Unterrichtsbeginn negativ auf das Corona-Virus getestet worden sind.

»Damit habe ich vor den Osterferien nicht mehr gerechnet«, sagt Antje Mühlhans, die Leiterin des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums (LLG), und fügt hinzu: »Das war ein Schock.« Aber auch wenn die Entscheidung des Landkreises überraschend kam, kann Mühlhans sie nachvollziehen. »Die Infektionsrate ist hoch, und ich mache mir große Sorgen, da die britische Variante besonders Kinder und Jugendliche trifft.« Am LLG werden daher die Klassen 5 bis 11 bis zu den Osterferien in Distanzunterricht geschickt, lediglich die Jahrgangsstufe Q2 bleibt im Präsenzmodus.

Kein Präsenzunterricht an Gießener Schulen: „Soziale Komponente geht verloren“

Ähnlich sieht es an der Herderschule aus. Schulleiter Stefan Tross bewertet die Entscheidung des Landkreises als »verständlich und nachvollziehbar«. Gleichzeitig will er die Folgen für die Schüler nicht kleinreden. Im Distanzunterricht drohe die Gefahr, Schüler nicht mehr zu erreichen. »Die soziale Komponente geht verloren«, sagt Tross und fühlt sich an seine eigene Jugend erinnert. »Ich bin gerne in die Schule gegangen. Nicht wegen des Unterrichts, sondern wegen der Pausen.«

Die Entscheidung des Landkreises stellt das Gesundheitsamt vor eine enorme Herausforderung. »Wir prüfen gerade, wie wir das organisatorisch und logistisch umsetzen können«, sagte Pressesprecher Dirk Wingender am Freitag. Bisher seien die Teams an den über 50 Schulen im Kreis flächendeckend im Einsatz gewesen und hätten dort an ein bis zwei Tagen die Woche Testungen angeboten. Nun sollen die Schüler aber jeden Tag vor Unterrichtsbeginn getestet werden. »Da die unteren Klassen zu Hause bleiben, werden wir die dadurch freigewordenen Kapazitäten nutzen«, sagt Wingender. Details müssten aber noch ausgearbeitet werden.

Schulen im Kreis Gießen: Zweifel an Testkapazität

»Der Landkreis soll mir einmal erklären, wie an unserer Schule knapp 400 Menschen vor dem Unterricht getestet werden sollen«, sagt Frank Reuber, Schulleiter Gesamtschule Gießen-Ost. Reuber macht keinen Hehl daraus, dass er es lieber gesehen hätte, dass auch die Abschlussklassen zu Hause bleiben. Nicht nur wegen der gestiegenen Inzidenz, sondern vor allem aufgrund der Erfahrungen an seiner Schule. »«Wir haben alleine in dieser Woche sieben positive Fälle in der 12. und 13. Klasse. Ein Kurs ist zudem in Quarantäne.«

Das sorge bei Schülern und Lehrern für eine große Verunsicherung, weshalb Reuber beschlossen hat, dass alle Abschlussklassen unter freiem Himmel auf dem Schulhof unterrichtet werden. Reuber betont zudem, dass auch die morgendlichen Testungen an der frischen Luft vorgenommen werden müssen. »Es wird keine einzige Minute im geschlossenen Raum unterrichtet oder getestet«, bekräftigt der Schulleiter. »Ich möchte das Risiko so stark wie möglich minimieren.« (chh)

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