oli_obdiskussion2_120921_4c
+
Rund 300 Gäste verfolgen die Podiumsdiskussion mit den OB-Kandidaten auf dem Kirchenplatz.

Oberbürgermeisterwahl

OB-Wahl in Gießen: So lief die große Diskussionsrunde zu den Reizthemen

Rund 300 Gäste haben am Samstag die von den beiden Gießener Zeitungen organisierte Diskussionsrunde der OB-Kandidaten verfolgt. Die Pläne zum Brandplatz sowie der Verkehrsversuch auf dem Anlagenring sorgten für die größten Kontroversen.

Gießen 2 Die Reizthemen der anstehenden Oberbürgermeisterwahl liegen nur einen Steinwurf entfernt. Alexander Wright (Grüne), Frederik Bouffier (CDU), Frank-Tilo Becher (SPD), Thomas Dombrowski (parteilos) und Marco Rasch (Die PARTEI) stehen am Samstagvormittag bei der Podiumsdiskussion der beiden Gießener Tageszeitungen auf dem Kirchenplatz und debattieren über die Zukunft der Stadt. Ein autoarmer Brandplatz? Oder eine unterirdische Tiefgarage? Eine Fahrradspur auf dem Anlagenring? Oder den Verkehrsversuch abblasen? Die Meinungen der Kandidaten gehen bei diesen Themen teils weit auseinander.

Rund 300 Besucher sind am Samstag auf den Kirchenplatz gekommen, um die von Burkhard Möller (Gießener Allgemeine) und Stephan Scholz (Gießener Anzeiger) moderierte Runde zu verfolgen.

Besonders Wright und Bouffier hatten in einigen zentralen Punkten unterschiedliche Auffassungen. »Wir als CDU halten den Verkehrsversuch für falsch«, betonte der Christdemokrat mit Blick auf die Fahrradspuren und sprach von einen sich androhenden Verkehrschaos. Man könne an der »Halsschlagader unserer verkehrlichen Infrastruktur« nicht einfach etwas ohne Konzept ausprobieren. Der innerstädtische Handel sei zu großen Teilen von Menschen aus dem Umland geprägt, eine gute Erreichbarkeit sei daher wichtig.

Diskussion zur Gießener Oberbürgermeisterwahl 2021: Kandidat polarisiert

Wright entgegnete, der Verkehrsversuch sei zentraler Bestandteil des Wahlprogramms der Grünen. »Und wir sind stärkste Kraft geworden. Der Bedarf ist also da.« Auf die Kritik von Bouffier, dass der Verkehrsversuch nicht gut vorbereitet sei und sich verzögere, entgegnete Wright, dass nicht die Grünen, sondern die CDU das Dezernat Verkehr leiteten. »Tempo ist eine Sache des politischen Willens.«

Becher bezeichnete den Versuch als sinnvollen Ansatz, was nicht verwunderte, schließlich ist seine SPD für das Vorhaben mitverantwortlich. »Wir müssen den Verkehr neu ordnen und die Straßen für Fußgänger und Radfahrer zurückholen.« Der Sozialdemokrat bemängelte aber auch die »politische Dynamik« in der Angelegenheit. Seiner Meinung nach hätte der Versuch mehr Vorlaufzeit benötigt.

Dombrowski betonte, den Bau von Fahrradstraßen »in Ordnung« zu finden, allerdings müsste auf Auto- und vor allem Busfahrer Rücksicht genommen werden. Raschs Meinung dazu ist bekannt, er will Autos generell verbieten, schließlich habe er von der Autoindustrie bisher keinerlei Schmiergelder erhalten.

Der Vertreter der Satirepartei polarisierte bei der Diskussionsrunde. Einige Besucher fanden seine Ausführungen albern und unangebracht, andere lachten herzhaft. Zum Beispiel, als er beim Thema Wirtschaftsförderung ankündigte, besonders die Wirtschaften »Sowieso« und »Pits Pinte« fördern zu wollen. Unter dem Deckmantel der Satire trug Rasch aber auch Gehaltvolles bei. Zum Beispiel mit der Einschätzung, nahezu alle Gießener Plätze (Ludwigsplatz, Berliner Platz, Platz der Deutschen Einheit) seien keine Orte zum Verweilen.

OB-Wahl in Gießen: Brandplatz soll attraktiver werden

Auf dem Brandplatz soll sich das jedoch ändern, darin waren sich alle OB-Kandidaten einig. Über die Umsetzung hingegen nicht. Wright wünscht sich zwischen Marktlauben, Schloss und Botanischen Garten einen Platz zum Verweilen. »Die 70 Parkplätze müssten dann verschwinden«, sagte der Grünen-Kandidat und nannte als Alternative den Messeplatz, von dem aus auch ein Shuttlebus in die Stadt fahren könne. Das würde die Attraktivität der Innenstadt erhöhen, wodurch auch der Handel profitiere. Anlieger, Lieferverkehr und Menschen mit Behinderung sollten hingegen weiterhin die Innenstadt befahren dürften.

Auch Becher hält diese Art der autoarmen Innenstadt für das richtige Signal. »Außerdem machen wir mittwochs und samstags die Erfahrung, dass der Verkehr ohne die Parkplätze nicht zusammenbricht«, sagte der Sozialdemokrat mit Blick auf die beiden Markttage. Becher kann sich dennoch vorstellen, den Platz hinter dem Zeughaus als alternative Parkfläche herzurichten.

OB-Wahl in Gießen: Alle haben Großes vor

Damit stieß er bei Bouffier auf offene Ohren. Auch wenn seine Priorität auf einer Tiefgarage liegt. Sollte das aber nicht umsetzbar sein, etwa wegen archäologischer Funde in der Erde, sei der Platz hinter dem Zeughaus eine gute Alternative. »Ich möchte den Brandplatz auch umgestalten«, versicherte Bouffier, »dabei aber auch die Erreichbarkeit gewährleisten.« So könne zum Beispiel Platz für Gastronomie geschaffen werden, auch einen Brunnen kann sich Bouffier vorstellen.

Somit ist klar: Alle Kandidaten haben auf dem Brandplatz Großes vor. Am 26. September entscheiden die Wähler, wem sie dieses und weitere Vorhaben am ehesten zutrauen.

Neben Verkehr und Wirtschaft haben die Kandidaten auch über die Themen Klimaschutz und Wohnen diskutiert. Bei letzterem ging es auch um den Schutz von WG-Häusern. Hierzu folgt ein weiterer Artikel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare