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Videoüberwachung

Am Gießener Marktplatz laufen die Kameras

  • Burkhard Möller
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Nach achtjähriger Pause laufen am Marktplatz seit einigen Wochen wieder Überwachungskameras. Sie sollen für mehr Sicherheit und ein besseres Gefühl bei den Bürgern sorgen.

Von den weißen Schildern mit der schwarzen Aufschrift "Dieser Platz wird durch eine Videoschutzanlage überwacht" wurde schon der ein oder andere Flyer abgekratzt, ein bisschen verbeult sind sie auch. Im August vor 18 Jahren wurden sie aufgehängt, als Innenminister Volker Bouffier und Ordnungsdezernent Thomas Rausch die erste polizeiliche Videoüberwachung in Gießen am Marktplatz in Betrieb nahmen. Zehn Jahre blieb sie das, ehe sie für diesen Zweck abgeschaltet wurde. Die Schilder indes blieben hängen und stimmen seit drei Wochen auch wieder. Denn Ende Juli nahm die Polizei die Überwachung des Marktplatzes mit gleich drei Kameras auf, die Stadt brachte zusätzliche blaue Hinweisschilder an. "Unser Ziel ist es, diesen Bereich sicherer zu machen", sagte Polizeidirektor Joachim Bernard am Mittwoch bei der Vorstellung der Anlage für die Presse.

Bis Jahresende zwei weitere Standorte

Die Reaktivierung der Videoüberwachung am Marktplatz und - voraussichtlich bis Ende des Jahres - noch am Bahnhofsvorplatz und an der Ecke Walltorstraße/Dammstraße/Asterweg hat eine längere Vorgeschichte. Im Sommer 2016 einigten sich SPD, CDU und Grüne bei ihren Koalitionsverhandlungen darauf, dass es in Gießen wieder eine Kameraüberwachung gemäß des Hessischen Polizeigesetzes geben soll. Der neue Ordnungsdezernent Peter Neidel wurde auch sofort aktiv; aber dann kam es aus technischen Gründen zu Verzögerungen, weil für die leistungsfähigen Kameras mit ihrer hohen Bildauflösung Glasfaserkabel verlegt werden mussten. "Mir wäre es auch lieber gewesen, es wäre schneller gegangen", erklärte Bürgermeister Peter Neidel beim Pressetermin in der Polizeistation am Berliner Platz.

Dort laufen im wahrsten Sinne des Wortes die Fäden zusammen. Die am Marktplatz aufgenommenen Bilder laufen in der Wache live auf einem Bildschirm und werden von dem diensthabenden Beamten mitverfolgt. Das Gesetz gibt vor, dass die Aufnahmen längstens zehn Tage gespeichert bleiben dürfen, dann müssen sie gelöscht werden. In einem Auswertungsraum hat die Polizei in dieser Zeit die Möglichkeit, angezeigte Straftaten dank der Bildbeweise zu klären und den/die Täter zu ermitteln. Aufnahmen können den Streifen auch sofort zur Verfügung gestellt werden, wenn der wachhabende Kollege einen Raub oder eine Schlägerei mitbekommt. "Das hilft natürlich, wenn die Kollegen gleich eine präzise Täterbeschreibung erhalten", erläuterte Bernard.

Auch Trinkerszene im Fokus

Obwohl sich die Zeit von der Beantragung der Überwachung bis zur Installierung über Jahre hinzog, hat sich am Kriminalitätsgeschehen am Marktplatz leider nichts geändert. "Es ist ein Kriminalitätsschwerpunkt", stellte Ordnungsdezernent Neidel fest. Polizeipressesprecher Jörg Reinemer hinterlegte die Aussage mit Zahlen. Durchschnittlich 200 Straftaten jährlich seien seit 2014 begangen worden, Diebstähle von Taschen oder Fahrrädern, Raub- und Gewaltdelikte seien darunter und Ladendiebstähle, die sich aber künftig außerhalb der Reichweite der drei Kameras abspielen werden. Die drei Anlagen am Übergang zum Kirchenplatz und am Stadtwerke-Infozentrum filmen nur den öffentlichen Straßenraum. Auch die oberen Wohnetagen der Häuser werden im Kamerabild von Grauflächen überdeckt.

Auch die städtische Ordnungspolizei, die nebenan im Rathaus arbeitet, kann das Livebild mitschauen, darf aber keine Aufnahmen aufbewahren. Begrüßt von ihrem Chef Neidel wird, dass mit den Kameras auch Ordnungswidrigkeiten verfolgt werden können, die zuletzt durch Anwohnerbeschwerden über die Trinkerszene im Fokus standen. Das "grobstörende Verhalten", wie es im Ordnungsrecht heißt, hofft man mit der Videoüberwachung eindämmen zu können. Das hofft Polizeidirektor Bernard auch für die Straftaten: "Es gibt Effekte. Die Aufklärungsquote steigt, weil wir gezielter fahnden können. Die Hoffnung besteht, dass dann auch irgendwann die Fallzahlen sinken."

Für Bürgermeister Peter Neidel geht es auch darum, die "Unsicherheitsgefühle" zu verdrängen, die bei vielen Bürgern am Marktplatz aufkommen. Deshalb werde es in dem Bereich auch weiterhin eine starke Präsenz der Landes- und Ordnungspolizei geben. Auch soll die Straßensozialarbeit im Einsatz sein. "Wir fahren keine dieser Maßnahmen zurück", versicherte der CDU-Politiker.

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