Lockdown in Gießen: Leere Ludwigstraße am Samstagmittag, dem 21. März.	FOTO: MÖ
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Lockdown in Gießen: Leere Ludwigstraße am Samstagmittag, dem 21. März.

Stickoxide in Gießen

Gießen: Saubere Luft wegen Lockdown? Was die Daten wirklich zeigen

  • Burkhard Möller
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In Gießen verzeichneten Messgeräte die niedrigste Stickstoffdioxid-Belastung seit Beginn der Aufzeichnungen. Ein Hauptgrund dafür ist der Lockdown.

Gießen (mö). Was sich im Frühjahr während des ersten Corona-Lockdowns bereits angedeutet hat, scheint sich am Ende dieses Jahres zu bestätigen: 2020 wird vermutlich das Jahr mit der saubersten Luft werden, seit in Gießen vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) die Luftschadstoffe gemessen werden.

So wird sich der maßgebliche Jahreswert beim gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid wohl etwa bei 34 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bewegen. Das sind sechs Mikrogramm unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm, der in Gießen in den Jahren zuvor fast immer mehr oder wenig deutlich überschritten wurde.

Das geht aus den Luftmessdaten hervor, die das HLNUG auf seiner Homepage ständig veröffentlicht. Addiert man die bisher ermittelten elf Monatsmittelwerte und teilt sie durch elf, ergibt sich ein gleitender Jahresmittelwert von gut 34 Mikrogramm Stickstoffdioxid. Der noch ausstehende Wert für den Dezember wird daran nicht mehr viel ändern.

Über dem Grenzwert von 40 lag in diesem Jahr nur der Januar mit 41,9 Mikrogramm, danach sanken die Werte bis zur Jahresmitte stark, im Mai, Juni und Juli sogar unter 30. Im August und September stiegen sie wieder über 35 an, um im Oktober und November wieder unter 35 zu sinken.

Stadtbusse auf Biogas umgestellt

Als Hauptursache für den Rückgang, der in allen Städten zu beobachten ist, gilt der coronabedingt ausgedünnte Straßenverkehr und der Rückzug vieler Berufspendler ins Homeoffice. Am deutlichsten war dieser Effekt in den Tagen nach dem ersten Lockdown im März zu beobachten. Am 21. und 22. März sank die Belastung mit Stickstoffdioxid auf 13 und 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In den Tagen zuvor hatten sich die Tagesmittelwerte noch um die 50 Mikrogramm bewegt.

Weitere ortsspezifische Faktoren, die in Gießen die Messwerte vermutlich beeinflusst haben, könnten die komplette Umstellung der Stadtbusflotte auf Fahrzeuge mit Biogasantrieb und die Lage der Messstation an der Westanlage sein. Die dürfte wegen der monatelangen Baustelle im Bereich Frankfurter Straße/Elefantenklo in diesem Jahr von vielen Autofahrern gemieden worden sein. Hinzu kam ab Oktober die Sperrung der Konrad-Adenauer-Brücke für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen, was ebenfalls zu Umfahrungen der Westanlage geführt haben dürfte.

Gemessen wird an der Westanlage seit dem Jahr 2006. Zuvor stand die Messstation am Oswaldsgarten, dort deutlich weiter weg von der Nordanlage. Das führte zu niedrigeren Stickoxid-Werten von unter 40. Aber so niedrig wie 2020 waren sie auch dort nie.

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