In der Plockstraße erinnern "Gießener Köpfe" an Margarete Bieber (l.), Hedwig Burgheim und (nicht im Bild) Dr. Agnes von Zahn-Harnack. Die Linken im Stadtparlament beantragen, dort auch eine Stele mit dem Abbild von Ria Deeg aufzustellen. FOTO: GL
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In der Plockstraße erinnern "Gießener Köpfe" an Margarete Bieber (l.), Hedwig Burgheim und (nicht im Bild) Dr. Agnes von Zahn-Harnack. Die Linken im Stadtparlament beantragen, dort auch eine Stele mit dem Abbild von Ria Deeg aufzustellen. FOTO: GL

Denkmal setzen

"Gießener Kopf" für Ria Deeg?

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Im August vor 20 Jahren ist Ria Deeg, die Gießener Kommunistin und Trägerin der Goldenen Ehrennadel, verstorben. Die Linken im Stadtparlament haben, wie schon einmal vor zehn Jahren, beantragt, ihr mit einem "Gießener Kopf" in der Plockstraße ein Denkmal zu setzen. Darüber soll nun im "Köpfe-Gremium" beraten werden.

In der Plockstraße erinnern drei Gießener Köpfe an bedeutende Frauen aus der Stadt: die Professorin Margarete Bieber, die vor den Nazis in die USA emigrierte, die Pädagogin Hedwig Burgheim, die in Auschwitz ermordet wurde, und Dr. Agnes von Zahn-Harnack, die zum antifaschistischen Widerstand in der Bekennenden Kirche gehörte. In diese Reihe gehöre auch ein Bildnis der Gießener Antifaschistin Ria Deeg, ist die Gießener Linke überzeugt und hat erneut einen Antrag zur Ehrung der Kommunistin mit einer Nachbildung ihres Kopfes gestellt. Im parlamentarischen Ausschuss für Schule, Bildung und Kultur begründete Michael Beltz den Antrag - und zeigte sich in der Folge über die Entscheidung des Ausschusses enttäuscht, der die weitere Beratung an das sogenannte "Köpfe Gremium" verwiesen hat.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe Bolz hatte sich dafür ausgesprochen, dass die Kommission befinden solle, die für die Benennung von Straßen und seit diesem September auch für allgemeine Ehrungen zuständig sei. Schließlich könne man den Straßenraum "nicht willkürlich bestücken", die Vielzahl der Ideen für Ehrungen müsse in diesem Gremium beraten werden. Dieses legt dann dem Stadtparlament eine Empfehlung vor. Die Oberbürgermeisterin sagte aber eine baldige Entscheidung zu.

Für Michael Beltz war dieser Fortgang "enttäuschend". Schon vor zehn Jahren habe die Linksfraktion einen entsprechenden Antrag gestellt, der abgelehnt worden sei. Seit 2015 gelte, dass Ehrungen nur 20 Jahre nach dem Tod einer Person (vorher zehn Jahre) vorgenommen werden dürfen. Da sich der Todestag Deegs im August zum 20. Mal gejährt habe, stelle man nun den Antrag neu. Und jetzt werde die Entscheidung schon wieder verschoben. Eine Stadt wie Gießen, "die bunt sein will, braucht so lange, um eine verdiente Antifaschistin zu ehren", schimpfte Beltz.

Am 14. September hatte der Magistrat beschlossen, dem Beirat zur Benennung von Straßen und Plätzen (Straßenbenennungskommission) neben der Vorbereitung von Benennungsvorschlägen für die Bezeichnung von Straßen und Plätzen auch die Vorbereitung zur Auswahl und Platzierung der "Gießener Köpfe" zu übertragen. "Wir hielten dies für sinnvoll, da uns das Gremium mit den dort vorhandenen Kenntnissen, insbesondere hinsichtlich kultureller und geschichtlicher Aspekte und der Prüfung der überdauernden Relevanz und Bedeutung von Gießener Persönlichkeiten, besonders geeignet scheint", erläutert auf Nachfrage Stadtsprecherin Claudia Boje. Konkrete weitere Anfragen zum Aufstellen von "Gießener Köpfen" lägen im Moment nicht vor.

Elf Büsten stehen im Stadtraum verteilt

Der bislang letzte der Gießener Köpfe, die Stele mit dem Konterfei des Pianisten und Musikers Toni Hämmerle, wurde 2009 in der Stephanstraße aufgestellt. Insgesamt gibt es im Stadtraum elf solcher Köpfe, die bedeutende Männer und Frauen ehren, die in Gießen gewirkt haben, darunter der Dichter Georg Büchner, der Politiker Wilhelm Liebknecht oder der Bühnenbildner Hein Heckroth. Die "Gießener Köpfe" gehen auf eine Initiative des früheren Kulturdezerenten Dr. Reinhard Kaufmann zurück.

Der bislang letzte der "Gießener Köpfe", die Stele mit dem Konterfei des Pianisten und Musikers Toni Hämmerle, wurde 2009 in der Stephanstraße aufgestellt. Insgesamt gibt es im Stadtraum elf solcher Köpfe, die bedeutende Männer und Frauen ehren, die in Gießen gewirkt haben, darunter der Dichter Georg Büchner, der Politiker Wilhelm Liebknecht oder der Bühnenbildner Hein Heckroth. Die "Gießener Köpfe" gehen auf eine Initiative des früheren Kulturdezerenten Dr. Reinhard Kaufmann zurück.

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