Derzeit ist Besuch am Krankenbett nur in Ausnahmefällen gestattet. Etwas großzügigere Regeln des Landes seien umsetzbar, heißt es in den drei Gießener Krankenhäusern.
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Derzeit ist Besuch am Krankenbett nur in Ausnahmefällen gestattet. Etwas großzügigere Regeln des Landes seien umsetzbar, heißt es in den drei Gießener Krankenhäusern.

Wegen Corona

Gießener Kliniken setzen weiter auf freiwillige Helfer

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Die drei Krankenhäuser in Gießen haben die erste Corona-Phase gut bewältigt. Trotz niedriger Infektionszahlen kann von Normalbetrieb aber noch lange keine Rede sein.

Nach Luft ringende Patienten auf dem Flur, erschöpftes Personal, Militärlaster voller Särge. Die Bilder aus Italien mahnten Krankenhäuser weltweit zur Vorbereitung auf die Corona-Pandemie. In Deutschland fiel die erste Welle vergleichsweise glimpflich aus. Die Vorarbeit habe sich gelohnt, sagen Vertreter der Gießener Krankenhäuser auf GAZ-Anfrage. Nach wie vor seien verstärkte Hygieneregeln wichtig. Eine Lockerung des Besuchsverbots allerdings sei grundsätzlich vorstellbar. Im Ministerium in Wiesbaden wird darüber gesprochen.

Corona-Patienten aus der Region, die ins Krankenhaus mussten, landeten in der Regel im koordinierenden Uniklinikum. In der Hochphase der Pandemie von Mitte März bis Mitte Mai wurden am Standort Gießen mehr als 200 Patienten mit Covid-19 stationär aufgenommen. 77 mussten intensivmedizinisch behandelt werden. 70 Prozent der Patienten, die einer künstlichen Beatmung bedurften, haben die Erkrankung trotz teils schwerwiegender Verläufe überlebt.

Diese im internationalen Vergleich bemerkenswert gute Zahl sei auch "dem großen Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken", betont Sprecherin Christine Bode. "Dennoch ist natürlich jeder Patient, der verstirbt, einer zu viel."

Die "für uns alle vollkommen neue Situation" zu bewältigen, habe sowohl medizinisch als auch organisatorisch enorme Anstrengungen erfordert, so Bode. "Der wirklich große Teamgeist und die Bereitschaft, an einem Strang zu ziehen, hat uns enorm gefreut und beeindruckt."

Ob eine zweite Welle zu erwarten ist, sei offen. Durch die nun aufgebauten Strukturen "sehen wir uns gut gerüstet". Dazu gehöre auch die Reserve an Freiwilligen. Fast 500 Medizinstudierende meldeten sich, über 100 wurden eingesetzt. Einige mit Vorbildung arbeiten nun in Teilzeit in der Pflege weiter, andere in Minijobs in verschiedenen Bereichen.

Das weitgehende Besuchsverbot mindere gerade in einem Haus der Maximalversorgung ein Ansteckungsrisiko für Schwerstkranke. "Andererseits haben soziale Kontakte auch einen wichtigen Stellenwert bei der Genesung", so das UKGM. Falls die Landesregierung ihre Verordnung lockert, werde man dies umsetzen.

Das Agaplesion Evangelische Krankenhaus hat für diesen Fall bereits ein Konzept entwickelt, "welches es ermöglicht, Infektionsketten nachzuvollziehen und somit zu unterbrechen", erläutert Sprecherin Paulina Schnick. Beschränkungen bei Besuchszeiten und -personen blieben dann bestehen. Insgesamt seien das Verbot sehr sinnvoll, auch wenn das für viele Patienten schwer sei. Das "EV" habe einen Video-Besuchsservice eingerichtet, der sehr gut angenommen werde. "Der Schutz der Gesamtheit der Patientinnen und Patienten sowie unserer Mitarbeitenden steht im Fokus."

Das Haus behandelte letztlich nur wenige Covid-19-Patienten. Die Vorarbeit in Form von Handlungsleitlinien für den Ernstfall bildeten die Basis für die Zukunft.

Kliniken Gießen: Auch an Freiwillige Helfer

Im "Standby-Modus" blieben etliche der ehrenamtlichen Helfer. Viele nähten Stoffmasken für das Personal, Spieler des FC Gießen waren im Eingangsbereich eingesetzt. "Die Zusammenarbeit und die Hilfsbereitschaft waren riesig", sagt Schnick dankbar.

"Eine Rückkehr zu Besuchszeiten wie vor der Corona-Pandemie schließen wir derzeit aus", sagt Andreas Leipert, Geschäftsführer des St. Josefs-Krankenhauses Balserische Stiftung. Dank der strengen Regeln habe das Haus bisher keine einzige Corona-Infektion über externe Personen registriert. Aber: "Bei weiterhin niedrigem Infektionsgeschehen in der Region halten wir eine Lockerung des strikten Besuchsverbots durchaus für erwägenswert."

Auch Leipert bedankt sich für die "überwältigende Hilfsbereitschaft". Etwa 80 Freiwillige hätten eine "Basisschulung" durchlaufen und stünden für die Zukunft bereit.

Im Hessischen Sozialministerium werde über erweiterte Besuchsmöglichkeiten "aktuell beraten", erklärt Pressesprecherin Alice Engel. Die Geltungsdauer der jetzigen Verbots bis 16. August bezeichnet sie als "voraussichtlich". Man habe Verständnis für den Wunsch nach großzügigeren Regeln. Schon jetzt dürfe ein Krankenhaus Ausnahmen "aus ethisch-sozialen Gründen" für enge Angehörige zulassen,

Info: Besucherregeln im Krankenhaus

Seit 20. April und voraussichtlich mindestens bis zum 16. August sind Besuche in sämtlichen hessischen Krankenhäusern grundsätzlich verboten. Ausnahmen können erlaubt werden bei minderjährigen Patienten, Geburten, Patienten im Sterbeprozess sowie für Seelsorger oder Rechtsanwälte in dienstlichem Auftrag. In Einzelfällen können nach Einschätzung des Arztes weitere Besuche gestattet werden. Keine Ausnahmen gibt es für Kinder unter 16 Jahren, Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen und solchen, die kürzlich aus Risikogebieten zurückgekehrt sind. Alle Besucher müssen erlaubte Maskenmodelle tragen, ihre Hände desinfizieren und einen Abstand von 1,50 Metern einhalten, auch zum besuchten Patienten. Der Besuch ist so kurz wie möglich zu halten, er darf höchstens eine Stunde dauern.

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