So wie hier bei Sylphen laufen zurzeit in vielen Unternehmen die Konferenzen ab - über das Internet. FOTOS: PM
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So wie hier bei Sylphen laufen zurzeit in vielen Unternehmen die Konferenzen ab - über das Internet. FOTOS: PM

Home-Office

Mit Gießener Hilfe zur Videokonferenz

  • vonSebastian Schmidt
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Vom Büro ins Home-Office - das ist für viele Firmen und ihre Angestellten noch neu. IT-Dienstleister wie das Gießener Systemhaus Sylphen helfen Unternehmen jetzt bei der Umstellung.

Leere Parkplätze, verwaiste Schreibtische und ausgeschaltete Bildschirme - um das Ansteckungsrisiko zu senken, haben viele Firmen ihre Mitarbeiter ins Home-Office geschickt. Damit das technisch reibungslos funktioniert, arbeiten IT-Systemhäuser derzeit auf Hochtouren. Sie beraten und versorgen ihre Unternehmenskunden mit der notwendigen Hard- und Software. "Eine Goldgräberstimmung herrscht deshalb in unserer Branche aber nicht", erklärt Ralph Boßler, Geschäftsführer des Gießener Systemhauses Sylphen.

Als Dienstleister hänge der Erfolg seines Unternehmens direkt von den Aufträgen der Kunden ab. "Wenn es unseren Kunden schlecht geht, merken wir das auch", sagt Boßler. Deswegen sei es gerade jetzt wichtig, schnell zu helfen. Home-Office soll keine Belastung für die Firmen sein. Nicht alle Unternehmen seien auf solch eine umfangreiche Umstellung gut vorbereitet gewesen. Bei einigen würden die nötigen Grundlagen für die dezentrale Arbeitsorganisation aus dem Wohnzimmer fehlen. "Da muss dann erst einmal eine Infrastruktur aufgebaut werden", sagt Boßler.

Die Telefonanlage muss konfiguriert werden, damit Anrufe die Mitarbeiter auch Zuhause erreichen. Eine sichere Verbindung ins Firmennetzwerk muss eingerichtet werden, damit kein Unbefugter Zugriff auf sensible Daten erhalten kann. Und man muss die Kommunikationsmöglichkeiten ausweiten, denn mal kurz über den Schreibtisch hinweg eine Frage stellen, geht nicht mehr. "Email und Telefon kann jedes Unternehmen, aber jetzt sind besonders Videokonferenzen wichtig", erklärt Boßler.

Sylphen habe bei seinen Kunden schon lange Videokonferenzen beworben, aber diese Variante der Kommunikation käme erst jetzt richtig in den Unternehmen an. "Es ist besser, sein Gegenüber in Diskussionen auch zu sehen. In Telefonkonferenzen fehlt die nonverbale Kommunikation", sagt Boßler. Und ohne die könne es schwerfallen, den Gesprächspartner richtig zu verstehen.

Die Nachfrage nach Video steigt: Zum Beispiel möchte eine Gießener Fahrschule ihre Theoriestunden auf diese Weise weiterhin anbieten, auch eine Partei habe angefragt, weil sie die künftigen Treffen so organisieren möchte, zählt Boßler auf. Der Fachmann hat natürlich ein paar Tipps, damit Videokonferenzen auch gut funktionieren. Die Kamera sollte zum Beispiel auf Augenhöhe eingestellt sein. "Das wirkt für die anderen sonst komisch, wenn man von oben auf den Laptop herunterblickt", erklärt Boßler. Die verwendete Technik sollte möglichst einfach sein, sodass sie jeder ohne großartige Erklärungen benutzen kann. Und man sollte qualitativ gute Headsets und Kameras benutzen, damit man sich gut hören und sehen kann.

Vertrauen wichtig für Home-Office

An Kameras sei gerade aber schwer zu kommen, weil viele Firmen Laptops und Kameras für ihre Mitarbeiter im Home-Office kaufen. Boßler erzählt, er wisse von einem Unternehmer, der in einem Fachhandel alle verfügbaren und bezahlbaren Laptops aufgekauft habe. Er lacht: "Laptops und Kameras sind das Toilettenpapier unserer Branche."

Es gebe immer noch einige Unternehmen, die versuchen, ohne Home-Office auszukommen, obwohl sie es könnten, sagt Boßler. "Ich glaube, das liegt oft am Vertrauen." Das sei für beide Seiten gerade ein ganz wichtiger Punkt. Die Chefetage muss den Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringen, dass auch Zuhause gearbeitet wird. Und die Mitarbeiter müssen dieses Vertrauen aufbauen und bewahren. "Das ist auch eine Herausforderung für Kommunikation", erklärt er.

Bei Sylphen selbst habe es schon immer Mitarbeiter gegeben, die ein bis zwei Tage die Woche Home-Office gemacht hätten. In der Corona-Krise sei das jetzt einfach ausgeweitet worden. "Es funktioniert gut"; bewertet Boßler. Dies sei auch das Feedback der meisten Kunden. "Die Umstellung auf Home-Office und die neuen Kommunikationsmöglichkeiten sind gut angelaufen. Das wird man in den Unternehmen auch nach Corona noch merken", sagt Boßler. Für alle Arbeitnehmer Büroflächen anzumieten, sei schließlich auch eine finanzielle Frage. Doch Boßler warnt auch: "Mit Laptop und Webcam ist es nicht getan. Arbeitsschutzbestimmungen, wie ein ergonomischer Arbeitsplatz, müssen vom Arbeitgeber auch Zuhause bereitgestellt werden." Darüber sehen gerade alle hinweg, aber nach Corona müsse man sich damit beschäftigen, wenn man weiter auf Home-Office setzen will.

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