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Gießener Hebammen gründen Verein und schaffen mehr Platz für Kurse

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Von: Sebastian Schmidt

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Simone Benner (links) und Karin Danhof vom Verein »Schwanger und so« haben in der Südanlage eine Anlaufstelle für Hebammen und Eltern geschaffen. Vom Geburtsvorbereitungskurs bis zum Elterntreff - alles für die Familie soll hier in Zukunft unter einem Dach Platz haben. © Sebastian Schmidt

Gießener Hebammen haben den Verein »Schwanger und so« gegründet. In den Vereinsräumen sollen Kurse für Schwangere und deren Partner entstehen.

Gießen sei bei der Versorgung mit Hebammen gut aufgestellt - zumindest im Vergleich zum Umland. »Trotzdem gibt es auch hier eine größere Nachfrage, als es Angebote gibt«, sagt Simone Benner. Benner ist Hebamme am St. Josefs Krankenhaus. Zusammen mit Karin Danhof und fünf weiteren Kolleginnen hat sie den Verein »Schwanger und so« gegründet. In den Vereinsräumen an der Südanlage befindet sich dabei keine klassische Hebammenpraxis, die sich oftmals auf die Wochenbettbetreuung fokussiert. Vielmehr wollen die Geburtshelferinnen an diesem Ort die unterschiedlichsten Kurse für Schwangere, Partner und natürlich den Nachwuchs anbieten: Ob den klassischen Geburtsvorbereitungskurs oder das hippe Baby-Yoga - alles für die jungen Familie könnte hier einen Platz finden. »Schwanger und so« will einen zentralen Elterntreffpunkt in Gießen betreiben und lädt auch andere Hebammen ein, sich einzubringen.

Hebammen in Gießen geht es nicht nur um die Geburt

»Wir wollen, dass Bindung und Familie bei uns im Vordergrund stehen«, sagt Danhof. Es sei zwar immer das Ziel von Hebammen, auch diese Punkte neben der Geburt anzusprechen, ergänzt Benner. »Aber jetzt haben wir dafür auch die Räume, um das an einem Ort zu machen.« In der Vergangenheit haben die Frauen zum Beispiel einen Raum am katholischen Krankenhaus für Geburtsvorbereitungskurse genutzt: Der sei jedoch relativ klein gewesen. So konnten während der Corona-Pandemie keine Kurse mehr dort stattfinden. Mangels geeignetem Platz in Gießen wichen die Hebammen nach Lollar aus. Jetzt können die Hebammen aber wieder in der Gießener Innenstadt Kurse anbieten, und zwar auch solche, für die man mehr Platz braucht - wie die PEKiP-Krabbelgruppe oder »Mama tanzt«.

Es gibt außerdem auch eine Ernährungsberatung oder ein Workshop, in dem Eltern das richtige Binden von Tragetüchern ausprobieren können. Einige der Kurse werden dabei von den Krankenkassen übernommen, andere müssen Eltern selbst bezahlen. Der Verein selbst, der sich der Gesundheitsvorsorge verschrieben hat und als Vermittler der Räume an die Hebammen und Pädagoginnen auftritt, erwartet, als gemeinnützig anerkannt zu werden.

Hebammen in Gießen wollen auch Vater-Kind-Kurse anbieten

Noch sind längst nicht alle möglichen Termine zur Belegung der Räume gefüllt, aber es gibt auch noch ein paar Ideen, die die Hebammen umsetzen wollen. Danhof sagt: »Wir wollen auch Kurse anbieten, die für sich alleine genommen wirtschaftlich nicht rentabel sind.« Ein Beispiel wären gesonderte Rückbildungskurse für Frauen, die ihr Kind verloren haben. Es gebe eine Nachfrage danach, aber die sei in Gießen und Umgebung nicht groß genug, um sich finanziell zu tragen. Durch die breite Masse an Angeboten hoffen die Hebammen jedoch, auch solche Kurse organisieren zu können. Ebenfalls auf dem Zettel der Frauen stehen Vater-Kind-Kurse. »Da wäre es schön, wenn auch ein Mann das anbietet und sich bei uns meldet«, sagt Benner. Bisher sind sowohl das Kernteam, als auch die übrigen Kursleiterinnen allesamt Frauen.

Hebammen in Gießen werden öfter in Anspruch genommen

Die grundsätzliche Versorgungslage mit Hebammen in Gießen sieht Benner positiv. »Die Liste in Gießen ist nicht kleiner als vor 25 Jahren.« Die Stadt habe das Glück, dass durch die Hebammenschule Gießen/Marburg auch immer wieder Abgänger hier »hängen bleiben«. Benner sagt aber auch: »Die Angebote der Hebammen werden öfter angenommen als früher.« Heute kommen Frauen zu ihnen, die früher eher gesagt hätten: »Meine Mutter kümmert sich um mich.«

Das sei eine gute Entwicklung, schließlich stellen Hebammen auch eine Art Filter für das Gesundheitssystem dar. Benner erklärt: »Frauen die nicht zu uns kommen, gehen schneller mal zum Kinderarzt und sorgen dort für eine höhere Belastung.«

Weitere Informationen, wie das aktuelle Kursangebot findet man im Internet unter: schwangerundso.de

Hebammen: Steigender Bedarf in Hessen

Laut einer Studie des Deutschen Krankenhaus Instituts von 2019 werden in Hessen bis 2030 rund 22 Prozent mehr klinisch tätige Hebammen benötigt (Anstieg von 547 auf 668) und 11 Prozent mehr freiberuflich tätige (Anstieg von 1275 auf 1419). Der Bedarf an klinisch tätigen Hebammen falle vor allem in den Gebieten Gießen-Marburg und Fulda-Bad Hersfeld »deutlich überproportional aus«. Bei den freiberuflichen Hebammen gebe es einen größeren Bedarf im Gebiet Frankfurt-Offenbach. (Sebastian Schmidt)

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