Seit Anfang April können auch die Hausärztinnen und -ärzte gegen das Coronavirus impfen. (Archivfoto)
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Seit Anfang April können auch die Hausärztinnen und -ärzte gegen das Coronavirus impfen. (Archivfoto)

Corona

Corona-Impfungen in Gießen: So läuft es zurzeit in den Hausarztpraxen

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Bei den Hausärzten ist die Nachfrage nach Corona-Impfungen sehr hoch - der Bedarf an Aufklärung ebenso. Dass die Mediziner nur auf eine begrenzte Anzahl an Impfdosen zurückgreifen können, sehen viele kritisch.

Fachleute wie die Gießener Infektiologin Prof. Susanne Herold vom Uniklinikum Gießen-Marburg drängen auf mehr Tempo bei den Impfungen. Die Immunisierung sei die beste Waffe gegen das Coronavirus, hatte Herold in einem Interview mit dieser Zeitung gesagt. Die seit kurzem in die Impfungen eingebundenen Hausärzte nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. »Das Impfen gehört zur hausärztlichen Routine«, sagt Witold Rak, Sprecher des Gesundheitsnetzes Gießener Hausärzte (GNGH). Gleichzeitig sehen er und seine Kolleginnen und Kollegen die Begrenzung der Impfdosen in den Praxen kritisch: »Das verzögert alles.«

Hausärzte in Gießen: Hohe Nachfrage nach Impfung

Seit Anfang April können auch in den Hausarztpraxen Impfungen gegen das Coronavirus vorgenommen werden. Viele Medizinerinnen und Mediziner hatten schon länger mit den Hufen gescharrt, loslegen zu können. Zwar bedeutet es für sie Mehrarbeit, weil der tägliche Praxisbetrieb ja trotzdem weiterläuft. Rak sagt, dass die Hausärztinnen und -ärzte dies jedoch gerne machen würden. »Wir sind die ersten Ansprechpartner für unsere Patienten, wir kennen ihre medizinische Vorgeschichte.«

Und das ist ein Vorteil. Denn die Nachfrage nach einer Impfung ist sehr hoch, wie der Sprecher des Gesundheitsnetzes sagt. Gleichzeitig gebe es einen erhöhten Aufklärungsbedarf. »Wir beantworten die Fragen der Patienten gerne, weil sie es am Ende sind, die sich für eine Impfung entscheiden«, sagt Rak. »Und das sollten sie mit einem guten Gefühl tun.«

Rak führt zusammen mit Dagmar Schöndorf und Irina Meisler eine Gemeinschaftspraxis in der Innenstadt. Ihre Patientinnen und Patienten können sich über deren Internetseite registrieren; andere Praxen handhaben die Terminvergabe anders. »Wir rufen die Patienten an und vereinbaren einen Termin, wenn wir wissen, wie viel und welcher Impfstoff geliefert wird.« Dabei wird darauf geachtet, die in der Impfpriorität festgelegte Reihenfolge einzuhalten. Wer einen Termin im Impfzentrum hat, soll diesen auch wahrnehmen, betont Rak.

Gießen: Hausarztpraxen impfen mit Biontech und Astra Zeneca

Geimpft wird in den Hausarztpraxen mit Biontech und Astra Zeneca. Die Ärztinnen und Ärzte erhalten die Vakzine der beiden Hersteller immer fest zu gleichen Teilen. Der Grund: Bei der aktuellen Knappheit der Impfstoffe soll die Verteilung aller verfügbaren Hersteller fair und ohne Gewichtung eines bestimmten Impfstoffs an eine bestimmte Praxis ablaufen, sagt Rak. Eine Wahl, womit sie geimpft werden, haben Patientinnen und Patienten indes nicht. Jedoch gebe es »selbstverständlich« eine Aufklärung, in der vor einer Impfung alle Risiken und Kontraindikationen überprüft und besprochen werden.

Es gilt die Einschränkung, dass Astra Zeneca in erster Linie für über 60-Jährige einzusetzen ist. Wer jünger ist, kann auf eigenen Wunsch und nach ausführlicher Aufklärung trotzdem damit geimpft werden. Der Einsatz des Impfstoffs liegt im ärztlichen Ermessen. Gibt es bei den Patientinnen und Patienten Vorbehalte gegen das Vakzin von Astra Zeneca? Rak sagt, es sei Aufgabe der Hausärzte, darüber aufzuklären, wie Medikamente und Impfstoffe wirken und welche Nebenwirkungen sie haben können. Auch Patienten müssten sich informieren. Fakt sei: Die schwerwiegenden Nebenwirkungen bei Astra Zeneca seien sehr selten, und mit Blick auf die Folgen einer Infektion mit Covid19 überwiege der Nutzen.

Wichtig sei, dass Patientinnen und Patienten wüssten, welche Symptome für eine Hirnvenenthrombose sprechen, die laut der Europäische Arzneimittelagentur EMA in einem Fall bei 100 000 Impfungen auftreten kann. Vor allem müssten die Impflinge dann wissen, was sie bei solchen Zeichen tun müssten, betont Rak. Bisher jedoch habe es keine negative Rückmeldung nach der Verimpfung von Astra Zeneca gegeben, betont der Mediziner. Typisch hingegen seien kurzzeitige Impfreaktionen wie Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur, Schüttelfrost oder Armschmerzen.

Impfungen in Hausarztpraxen: Ärzte wünschen sich mehr Handlungsspielraum

Probleme mit der Lieferkette des Impfstoffs gibt es laut Rak nicht. Dieser werde zu Beginn der Woche geliefert und sei dann im Fall von Biontech fünf Tage lang bei einer Temperatur von 2 bis 8 Grad haltbar. Nur wenn er in der Spritze aufgezogen sei, müsse er innerhalb kurzer Zeit gespritzt werden. Problematischer sehen Rak sowie seine Kolleginnen und Kollegen hingegen die Begrenzung der Impfdosen in den Praxen. »Die Bereitschaft der Hausärzte, beim Impfen mitzumachen, ist sehr groß«, sagt er. Einige würden sogar in ihrem Urlaub die Vakzine spritzen. Nur woher nehmen, wenn es für sie nur eine begrenzte Zahl gibt? Da wünschen sich die Ärztinnen und Ärzte mehr Handlungsspielraum.

Corona-Impfungen in Deutschland: Aktuell drei Vakzine

Aktuell werden in Deutschland die Impfstoffe von Biontech, Astra Zeneca und Moderna verwendet. Die US-Gesundheitsbehörden haben derweil zur Aussetzung von Corona-Impfungen mit dem Mittel von Johnson & Johnson geraten. Dessen Auslieferung in die EU hat der Hersteller nun verzögert.

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