Felix Döring verbindet mit dem Henriette-Fürth-Haus wesentliche Stationen seines bisherigen politischen Lebens. FOTO: SCHEPP
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Felix Döring verbindet mit dem Henriette-Fürth-Haus wesentliche Stationen seines bisherigen politischen Lebens. FOTO: SCHEPP

Bundestagswahl

Gießener Felix Döring will für SPD in den Bundestag

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Der SPD-Unterbezirk Gießen hat den Kandidaten für die Bundestagswahl 2021 vorgestellt: Felix Döring. Der 29-Jährige sei ein "ausgesprochen spannendes Angebot" an die Wähler.

Dass Felix Döring der Öffentlichkeit am Freitag ausgerechnet im Henriette-Fürth-Haus in der Grünberger Straße als neuer Bundestagskandidat des SPD-Unterbezirks Gießen für den Wahlkreis 173 vorgestellt worden ist, ist für den 29-jährigen Lehrer die logische Folge einer langjährigen Bindung an dieses wenig schmucke Gebäude, in dem die Geschäftsstelle des SPD-Unterbezirks untergebracht ist. Hier hat Döring 2008 unterm Dach den ersten Kontakt zu den Jusos gesucht. Hier hat er bis in die Nacht Wahlpartys gefeiert, mit Genossen diskutiert, um Lösungen gerungen und im Wahlkampf morgens um 5 Uhr über den Kopierer geflucht. "Dieses Haus spielt eine große Rolle in meinem politischen Leben", sagte Döring am Freitag. Wohl wahr, denn hier fand auch das Gespräch mit Frank-Tilo Becher, dem Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden des SPD-Unterbezirks, statt, in dem sich beide auf die Nominierung von Döring zum Bundestagskandidaten geeinigt hatten. "Ich bin überzeugt, wir machen dem Wähler ein ausgesprochen spannendes Angebot. Er bringt einen neuen, frischen Blick mit und hat eine Menge parteipolitische Erfahrung", betonte Becher. Der Unterbezirksvorstand habe Döring einstimmig nominiert. Am 27. Oktober folgt die Vorstellung im Vogelsberg mit dem Ziel einer gemeinsamen Nominierung für den Wahlkreis Gießen/Vogelsberg. Am 28. November will sich Döring bei der Delegiertenkonferenz zur Wahl stellen. Erst dann wäre die Kandidatur perfekt.

Döring ist verheiratet, lebt im Zentrum von Gießen. Seine Kindheit verbrachte er in Dorf-Güll. Er stehe also gleichermaßen für Stadt und Land, glaubt Becher. Döring besuchte u.a. die Adolf-Reichwein-Schule Pohlheim und die Gesamtschule Gießen-Ost. Er selbst sagt, er habe früh bemerkt: Wenn man etwas ändern will, muss man aktiv werden. So engagierte er sich nicht nur als Schulsprecher, sondern im Rahmen seines Lehramtstudiums auch als AStA-Sprecher. Seinerzeit kämpfte er mit der Juso-Hochschulgruppe u.a. für die Freibad-Flatrate und den kostenlosen Einlass für Studierende zur Landesgartenschau.

Sein Motto "Politik muss Einfluss auf die Lebenswirklichkeit der Menschen haben" habe er im Sommer regelmäßig an der Warteschlange vor dem Freibad widergespiegelt bekommen. Seit 2016 sitzt Döring im Stadtparlament, seit 2017 ist er Vorsitzender der SPD Gießen-Ost und mittlerweile auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Stadtverbands.

Doch das soll es nicht gewesen sein. Döring blickt bereits mutig auf den langen Wahlkampf, in dem er wahrscheinlich mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) um das Direktmandat streiten wird. "Es wird ein Marathon. Auch Braun steht neben mir am Start. In einem Jahr wissen wir, wer es als Erster ins Ziel geschafft hat." Zu seinen Kernthemen sollen Bildung, Mobilität, die Anbindung des ländlichen Raums und Flucht und Asyl werden. Hier wird Döring die Unterschiede zu den Positionen der CDU forsch benennen. Das machte er bereits am Freitag deutlich.

Für den Wahlkampf gegen Braun zieht er auch aus einer persönlichen Geschichte Kraft. "Meine Eltern haben sich getrennt, als ich drei Jahre alt war. Meine Mutter lebte danach mit einer Frau zusammen. Ich habe es als Kind schon nicht verstanden, dass sie nicht heiraten konnten. Dass sich Braun 2017 klar gegen die Ehe für alle ausgesprochen hat, hat mich als Bürger dieses Wahlkreises enttäuscht. Da sitzt also jemand in Berlin, der eine ganz andere Wertevorstellung hat. Auch da möchte ich mit dem Gegenentwurf in den Wahlkampf ziehen", sagt Döring. Becher ist stolz: "Wir werden der CDU ein profiliertes Angebot entgegensetzen."

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