Familienzentrum

Gießener Familienzentrum in Not

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Wenn ein Kind schwer erkrankt, bricht für Eltern eine Welt zusammen. Das Gießener Familienzentrum für krebskranke Kinder kann den Schmerz nicht lindern, aber zumindest praktische Hilfe leisten.

Zuhause ist dort, wo dein Herz sich gut fühlt. Manch einer mag diesen Spruch, der im Flur des Familienzentrums für krebskranke Kinder hängt, ein wenig pathetisch finden. Das Team um Hausleiterin Beate Steinmüller und ihrer Stellvertreterin Wilma Schäfer versucht jedoch alles, diese Phrase mit Leben zu füllen. Denn wer bei ihnen übernachtet, hat meist ein schweres Herz. Im Familienzentrum finden Eltern ein Zuhause, deren Kinder in der benachbarten Klinik behandelt werden. Zumindest noch. Denn das Dach des denkmalgeschützten Hauses ist marode. Der Kostenvoranschlag liegt bei 135 000 Euro. "Das können wir als kleiner Verein nicht stemmen", sagt Steinmüller. Beim Gedanken an die Folgen muss die toughe Frau schlucken. "Wenn wir das Geld nicht zusammenkriegen, wäre das das Ende des Vereins." Und somit auch des Hauses.

Seit 33 Jahren erhalten Eltern, Großeltern und Geschwister in dem gelben Gebäude in der Friedrichstraße ein Heim auf Zeit. Die als Ronald Mc Donald-Haus bekannt gewordene Einrichtung besteht aus zehn Zimmern zum Schlafen, einer Küche, in der Eltern ihren Kindern in den Behandlungspausen ihr Lieblingsessen zubereiten können, ein Spielzimmer für die Geschwister und einen Garten, in dem die Eltern auch mal gemeinsam grillen. "Es tut ihnen gut, mit Gleichgesinnten Zeit zu verbringen", betont Schäfer. "Die anderen verstehen, was sie durchleiden."

Bisher haben Steinmüller und ihr Team 2600 Familien beherbergt, insgesamt waren es über 80 000 Übernachtungen. Die Angehörigen bleiben oft nicht nur wenige Wochen, sondern teilweise viele Monate. Der Bedarf ist so groß, dass Steinmüller immer wieder Menschen absagen muss – und das, obwohl der Verein zudem zwei Appartements angemietet hat. Nicht selten schlafen gerade Väter, die nur am Wochenende kommen können, auch mal auf der Couch.

Wenn wir das Geld nicht zusammenkriegen, wäre das das Ende des Vereins

Leiterin Beate Steinmüller

Für die Angehörigen von an Krebs erkrankten Jungen und Mädchen ist das Familienzentrum eine praktische Hilfe in einer Zeit, in der alles zu zerbrechen scheint. Neben der Sorge um das eigene Kind bringt eine lebensbedrohliche Erkrankung aber noch eine ganze Reihe weiterer Probleme mit sich. "Viele Eltern bekommen finanzielle Schwierigkeiten, vor allem, wenn sie ihre Arbeit aufgeben müssen, um das Kind zu betreuen", sagt Steinmüller. Besonders schwer werde es, wenn die behandelnde Klinik und Wohnort viele Kilometer auseinander lägen.

Im Familienzentrum können die Eltern nur einen Steinwurf entfernt von der Kinderklinik unterkommen. Und das kostenlos. "Das geringe Übernachtungsgeld wird in der Regel von der Krankenkasse übernommen", sagt Steinmüller.

Die Hausleiterin macht ihre Arbeit gerne, auch wenn hier viele Tränen fließen. "Wir können Menschen, für die gerade eine Welt zusammengebrochen ist, ein wenig helfen. Das ist ein gutes Gefühl." Nicht so schön fühlt es sich an, die finanziellen Nöte des Hauses zu verwalten. Denn die geringen Übernachtungskosten sind die einzige stete Einnahmequelle. Abgesehen davon ist der rund 30-köpfige Verein auf Spenden angewiesen. Normalerweise können sich Steinmüller und ihre Mitstreiter einigermaßen über Wasser halten. Doch dann kam der Dachschaden.

Während die beiden Frauen bei einem Rundgang das Haus vorstellen, dröhnt Baulärm aus der oberen Etage. Die Arbeiter sind zugange. Die Sanierung ist kein leichtes Unterfangen. Das Dach ist nicht nur 400 Quadratmeter groß, es verläuft auch wellenförmig und ist mit 100 Jahre altem Naturschiefer gedeckt. Anspruchsvolle Arbeiten, die dementsprechend kosten. Und den Verein als Eigentümer schlichtweg überfordern. "Das ist ein Hilferuf", sagt Steinmüller, "wir können das nicht alleine aufbringen." Sie und ihre Kollegin hoffen daher inständig auf Spenden. Damit die Eltern von an Krebs erkrankten Kindern weiterhin ein Dach über den Kopf haben können, und das in der Nähe ihrer sterbenskranken Kinder. "Damit sie hier ein wenig Kraft schöpfen können", sagt Schäfer. "Damit sie drüben in der Klinik wieder lachen können."

Zusatzinfo

Spenden und helfen

Wer dem Familienzentrum helfen möchte, kann eine Spende überweisen: Sparkasse Gießen Kontonummer: 200 591 711 BLZ: 513 500 25 IBAN: DE73 5135 0025 0200 5917 11 BIC: SKGIDE5F Weitere Infos: familienzentrumgiessen.de

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