Immer mehr Varianten des Coronavirus treten auf. Laut Prof. Ziebuhr von Uniklinikum Gießen wird das Virus Teil unseres Alltags werden. (Symbolbild)
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Immer mehr Varianten des Coronavirus treten auf. Laut Prof. Ziebuhr von Uniklinikum Gießen wird das Virus Teil unseres Alltags werden. (Symbolbild)

Corona

Professor über Corona: „Immer wieder Virusvarianten, die fit genug sind, sich auf kleinem Level auszubreiten“

  • Christoph Hoffmann
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Im Gießener Uniklinikum ist die südafrikanische Variante nachgewiesen worden. Prof. John Ziebuhr, Leiter des Instituts für Medizinische Virologie, will diese Entwicklung nicht überdramatisieren. Er sagt aber auch, dass das Virus künftig zu unserem Leben gehören wird.

Gießen - Das Impftempo zieht deutlich an. Seit Freitag können sich in Hessen auch Menschen aus der Priorisierungsgruppe drei für einen Termin anmelden. Prof. John Ziebuhr, der am Gießener Uniklinikum das Institut für Medizinische Virologie leitet, sieht darin einen entscheidenden Schritt aus der Pandemie. Auf der anderen Seite weiß der Experte: Umso mehr Menschen geimpft sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Virus weitere Mutationen ausbildet.

Vergangene Woche ist bekannt geworden, dass in der Uniklinik bei vier Menschen die südafrikanische Variante nachgewiesen worden ist. „Zwei Fälle werden auf der Intensivstation behandelt, die anderen beiden mussten nicht stationär aufgenommen werden“, sagt Ziehbuhr und betont, dass der Nachweis in Gießen keine große Überraschung gewesen sei. „Es gab zuvor schon Fälle im Lahn-Dill-Kreis. Daher haben wir damit gerechnet.“

Corona-Mutanten aus Südafrika: Infektion trotz Impfung

Noch sei nicht abschließend geklärt, ob diese neue Mutation bei den Infizierten zu einem schwereren Verlauf führt als beispielsweise bei der nun in ganz Deutschland dominanten britischen Variante. „Aktuell scheint es aber zumindest keinen massiven Unterschied zu geben“, sagt Ziebuhr. Klar sei hingegen, dass die südafrikanische Variante einem bestehenden Immunschutz besser entkommen könnte. Heißt: Auch wer geimpft ist, kann sich infizieren.

Das klingt nach einem herben Rückschlag. Schließlich sehnen sich etliche Menschen nach der Spritze und verbinden mit dem Impfstoff das Licht am Ende des Corona-Tunnels. Die gute Nachricht: Nach Meinung von Ziebuhr ist das auch so. Denn auch wenn die Impfung nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion mit neuen Virusvarianten schützen könne, so verhindere sie doch in den allermeisten Fällen einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung.

Corona-Mutante aus Indien: „Massive Ausbreitung“

Neben der südafrikanischen Variante sorgt derzeit auch jene aus Indien für Aufsehen. Allein in den vergangenen vier Tagen haben sich mehr als eine Million Menschen mit dem Virus infiziert, das indische Gesundheitssystem droht zu kollabieren. „Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Virusvarianten entwickeln, wenn schon ein großer Teil der Bevölkerung infiziert war“, sagt Ziebuhr. Das Besondere an der Variante sei, dass sie bereits zwei bekannte Mutationen in sich trage. „Da wir in Indien eine massive Ausbreitung beobachten, wird gegenwärtig spekuliert, dass die Variante sich nicht nur leichter ausbreitet, sondern auch ein Teil der früheren Infizierten sich erneut ansteckt.“

Solche Mutationen können durch den Flugverkehr auch nach Deutschland gelangen. „Wenn ein Großteil der Bevölkerung immunisiert ist, können wir aber auch selbst neue Varianten ausbrüten“, sagt Ziebuhr mit Blick auf den Selektionsdruck. „Es werden sich immer wieder Virusvarianten finden, die fit genug sind, sich auf kleinem Level in der Bevölkerung auszubreiten.“

Dass Corona in einem oder zwei Jahren Geschichte sein könnte, sei daher ein Trugschluss. Ziebuhr rechnet damit, dass das Virus wie etwa die Grippe zum Alltag der Menschheit werden wird - mit regelmäßigen Impfungen alle ein, zwei oder drei Jahre.

Bei einer ausreichenden Immunisierung der Gesellschaft werde die Anzahl schwerer Verläufe aber sehr gering sein. „Die Virologen gehen davon aus, dass Corona dann kein großes Gesundheitsproblem mehr sein wird“, sagt Ziebuhr und betont: „Wir müssen versuchen, so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zu impfen. Wenn das geschehen ist, sind wir aus dem Schneider.“

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