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Lebensretter: Die Blutbank ist dankbar für jeden Spender. Foto: Adobe Stock

Blut spenden

Gießener Experte: Blutspende in Corona-Krise nicht riskanter

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Zur Versorgung von Unfallopfern oder schwer kranken Menschen werden Blutspenden benötigt. Ist das in Corona-Zeiten nicht riskant für alle? Gregor Bein, der Leiter der UKGM-Blutbank, klärt auf.

Professor Bein, Sie sind Leiter des standortübergreifenden Zentrums für Transfusionsmedizin. Gibt es in der Corona-Krise weniger Spender als sonst?

Gregor Bein: Anfangs haben wir eine hohe Spendebereitschaft verzeichnet, die in der Woche darauf wieder rückläufig war. Für die Versorgung aller Patienten in Marburg und Gießen sind wir weiterhin auf regelmäßige Blutspenden angewiesen.

Möglicherweise befürchten die Menschen eine Infektion?

Es gibt keine besondere Ansteckungsgefahr bei der Blutspende, das möchte ich betonen. Wir haben hier auch räumlich entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Wie sehen die genau aus?

Der Zugang zur Blutspende ist neu geregelt. Jeder potenzielle Spender wird gleich im Eingangsbereich zunächst bzgl. aller relevanten Kriterien befragt, zudem wird Fieber gemessen. Wenn keines der Kriterien zutrifft, das ihn oder sie als Spender ausschließen würde, wird der übliche Fragebogen ausgefüllt.

Gibt es personell mehr Aufwand?

Bei dieser neuen Zugangsregelung unterstützten uns die Medizinstudierenden als freiwillige Helfer wirklich ganz hervorragend.

Es gibt Kriterien, die eine eine Spende ausschließen. Halten sich die Menschen daran? Müssen Sie Interessenten wegschicken?

Diejenigen, die bei uns regelmäßig zur Blutspende kommen, wissen das natürlich. Die neuen Kriterien, die angesichts der Corona-Pandemie gelten, haben wir auf unserer Homepage aktualisiert.

Kann es nicht sein, dass Sie trotz der Vorsichtsmaßnahmen einem Infizierten Blut abnehmen? Viele haben ja gar keine oder noch keine Symptome.

Grundsätzlich ist das nicht auszuschließen. Nach heutigem Kenntnisstand wird SARS-CoV-2 jedoch nicht durch Blutspenden übertragen. Das gilt auch für andere Viren, die Erkältungen oder Grippe hervorrufen. Anlässlich der Blutspende wird daher kein Test auf Coronaviren durchgeführt. Dennoch stellen wir Spender mit Risikofaktoren zurück. Patienten müssen keine Sorge haben, durch Blutprodukte mit SARS-CoV-2 infiziert zu werden.

Angeblich wurde anfangs bei der Blutbank der Sicherheitsabstand nicht eingehalten, das habe Menschen abgeschreckt.

In der vorletzten Woche sind zeitweise mehr Spenderinnen und Spender erschienen als gewöhnlich. Wir hatten zunächst befürchtet, dass die Blutspendebereitschaft abnimmt. Wir haben unmittelbar Maßnahmen getroffen, damit nur so viele Spenderinnen und Spender in die Spendeeinrichtung kommen, dass der gebotene Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

Welche Maßnahmen waren das?

Dank der unbürokratischen Unterstützung durch den Landkreis Gießen und die Johanniter Unfallhilfe haben wir gegenüber unserem Blutspendedienst zusätzlich ein Zelt mit Sitzmöglichkeiten aufgebaut. Das ist für alle, die aufgrund der Sicherheitsregeln auf den Zugang in den normalen Wartebereich warten müssen. Diese Maßnahmen dienen der Sicherheit der Spender und unserer Mitarbeiter. Wir bitten alle um Verständnis, wenn es dadurch zu Wartezeiten kommen sollte.

Warum ist es gerade jetzt wichtig, Blut zu spenden?

Kontinuierliche Blutspenden sind zu jeder Zeit wichtig. Auf lebensrettende Blutspenden sind nicht nur Schwerverletzte nach Unfällen angewiesen, sondern genauso Patienten, die auch jetzt beispielsweise eine medizinisch notwendige Herzoperationen brauchen oder dringend Blutprodukte zur Behandlung ihrer Krebserkrankung benötigen. Auch kleinste Patienten brauchen manchmal schon im Mutterleib oder nach einer Frühgeburt eine Bluttransfusion.

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